Standpunkt

Geflüchtete Frauen und Kinder müssen vor Ausbeutung geschützt werden

Aktualisiert am 23.03.2022  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma

Bonn ‐ Die Hilfsbereitschaft für ukrainische Flüchtlinge ist in Deutschland hoch. Allerdings häufen sich Hinweise, dass geflüchtete Frauen und Kinder ausgebeutet und Opfer sexueller Gewalt werden. Andrea Hoffmeier fordert klare Schutzmaßnahmen.

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Deutschland empfängt die vielen geflüchteten Frauen, Jugendlichen und Kinder aus der Ukraine mit großer Hilfsbereitschaft. Kaum angekommen häufen sich aber schon Hinweise, dass ihre Situation ausgenutzt wird. Über Männer, die Ukrainerinnen bei ihrer Ankunft ansprechen, dubiose Wohnungsangebote und eine Vergewaltigung in Düsseldorf berichten die Medien. Die Gefahr, Opfer von sexueller Gewalt, Menschenhandel und Zwangsprostitution zu werden, ist in Deutschland für diese Frauen sehr real.

Schnell müssen Maßnahmen ergriffen werden, um sie davor zu schützen. Getrennte Unterbringung sowie Aufklärung über mögliche Gefahren schon bei der Ankunft – etwa durch Durchsagen in den Zügen – können ebenso helfen, wie eine Registrierung aller Geflüchteten und aller Helfenden sowie der Hilfsangebote, besonders der privaten Unterkünfte. Ebenso würden Kontrollen und konsequentes Nachgehen der Polizei beim Verdacht auf sexuelle Ausbeutung, sofortige Platzverweise von verdächtigen Personen sowie die Betreuung in den Unterkünftigen durch Fachpersonal und Dolmetscher*innen zur Sicherheit beitragen.

Am besten kann sich gegen Ausbeutung zur Wehr setzen, wer die Landessprache beherrscht und ausreichend Geld verdient. Deshalb sind Deutschkurse und die Anerkennung der eigenen Ausbildung wichtig. Letzteres wird Zugewanderten in Deutschland aber traditionell kaum ermöglicht. Ausbeutung droht nämlich nicht nur im sexuellen Bereich, auch für den (informellen) Arbeitsmarkt gilt: Es kommen Menschen zu uns, keine billigen Putzkräfte, Fleischzerlegerinnen oder Altenpflegerinnen.

Die Problematik ist bei der Politik angekommen, so hat die Bundesinnenministerin die Härte des Gesetzes für Täter, die die Not der Geflüchteten ausnutzen, angekündigt. Hoffentlich folgen den Äußerungen Taten, unter anderem bei der Beratung am 7. April bezüglich der Finanzierung der schnell benötigten Leistungen. Es wäre beschämend für Deutschland, wenn wir es, wieder mal, nicht hinbekämen, geflüchtete Frauen und Kindern in unserem Land zu schützen.

Von Andrea Hoffmeier

Die Autorin

Andrea Hoffmeier ist Akademiedirektorin der Thomas-Morus-Akademie Bensberg.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.