Sicherheitslage lasse dies keinesfalls zu

Papstbesuch in Kiew laut Nuntius derzeit unmöglich

Aktualisiert am 29.03.2022  –  Lesedauer: 

Rom ‐ Sowohl Präsident Wolodymyr Selenskyj als auch Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko haben Papst Franziskus in die Ukraine eingeladen. Warum ein Besuch derzeit aber unmöglich ist, erläutert der Apostolische Nuntius, Erzbischof Visvaldas Kulbokas.

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Einen Besuch des Papstes in Kiew hält der Apostolische Nuntius in der ukrainischen Hauptstadt derzeit für unmöglich. Die Sicherheitslage lasse dies keinesfalls zu, sagte Erzbischof Visvaldas Kulbokas dem italienischen Magazin "Famiglia cristiana" (Montag). Es ginge nicht ohne einen auch nur begrenzten Waffenstillstand "sowohl für den Papst als auch für die Menschen, die mit ihm beten sollen", so Kulbokas. Ohne dies "wäre die Sicherheit aller gefährdet". Eine geheime Reise von Franziskus sei hingegen nicht denkbar.

Sowohl der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj als auch Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko hatten den Papst nach Kiew eingeladen. Nach Ansicht diplomatischer wie theologischer Beobachter würde ein Besuch von Franziskus in der ukrainischen Hauptstadt derzeit noch jede Aussicht auf eine vermittelnde Rolle des Vatikan zunichte machen.

Erzbischof Kulbokas sagte der "Famiglia cristiana", über diplomatische Kanäle habe er in Moskau zu erreichen versucht, dass etwa Waisenhäuser geschont werden oder Korridore zur Evakuierung von Kindern geöffnet werden. Immerhin habe er die Rückmeldung erhalten, man werde die Anliegen berücksichtigen.

Geldstrafe wegen Antikriegsaufkleber für Priester

Unterdessen verurteilte ein Gericht in Belarus einen griechisch-katholischen Priester wegen eines Antikriegsaufklebers zu einer Geldstrafe. Wie unabhängige Online-Medien berichteten, nahmen Polizisten den Geistlichen Wassili Jegorow am Freitag fest, weil er an seinem Auto einen Aufkleber mit dem Spruch "Ukraine, es tut mir leid" angebracht hatte. Ein Gericht in Mogiljow (Mahiljou) im Osten des Landes habe ihn dann am Montag zur Zahlung von 50 Tagessätzen mit einer Gesamtsumme von umgerechnet 450 Euro verpflichtet.

Das Wochenende verbrachte er den Berichten zufolge in Untersuchungshaft. Belarus beteiligt sich am russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Regierung in Minsk erlaubte dem russischen Militär, von Belarus aus in das südliche Nachbarland einzumarschieren und so auf kurzem Weg bis fast zur ukrainischen Hauptstadt Kiew vorzustoßen. Machthaber Alexander Lukaschenko steht loyal an der Seite von Kreml-Chef Wladimir Putin.

In Russland war bereits vor mehr als zwei Wochen ein orthodoxer Geistlicher wegen einer Antikriegspredigt und entsprechender Statements auf der Kirchen-Website zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Ein Gericht in Kostroma rund 350 Kilometer nordöstlich von Moskau verhängte gegen den Priester Ioann Burdin eine Geldstrafe von 35.000 Rubel (damals umgerechnet 245 Euro). Er habe sich in seiner Predigt und seinen Texten lediglich von den "Normen der christlichen Moral" leiten lassen, verteidigte er sich. (tmg/KNA)