Rücktrittsangebote seien oft "schwache Gesten"

Bischof Bätzing: Zögern des Vatikan im Fall Woelki irritiert

Aktualisiert am 13.04.2022  –  Lesedauer: 

Düsseldorf ‐ Anfang März war Kardinal Rainer Maria Woelki als Erzbischof von Köln zurückgekehrt – und hatte mitgeteilt, dem Papst seinen Amtsverzicht angeboten zu haben. Dass es immer noch keine Entscheidung aus dem Vatikan gibt, wundert Bischof Georg Bätzing.

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Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Georg Bätzing, hat wenig Verständnis dafür, dass sich der Vatikan so lange Zeit lässt, um über das Rücktrittsangebot des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki zu entscheiden. "Kardinal Woelki ist – das macht er ja selbst deutlich – vom Vorgehen Roms mit Blick auf die Auszeit gekränkt", sagte der Limburger Bischof der "Rheinischen Post" (Mittwoch Online; Freitag Print): "Auch wundere ich mich über das Agieren Roms angesichts dieser tiefen Krise eines so bedeutenden Erzbistums."

Woelki hatte nach seiner von Rom verordneten geistlichen Auszeit Anfang März die Gläubigen um eine zweite Chance gebeten. Zugleich hatte er davon berichtet, dass er dem Papst seinen Rücktritt angeboten habe. Eine Entscheidung Roms steht bisher aus.

Aus Bätzings Sicht liegt dem Vatikan mit dem Bericht der beiden päpstlichen Visitatoren vom vergangenen Sommer ein umfassendes Bild der Lage im Erzbistum Köln vor. Zu diesem Bild könne nur gehören, so Bätzing weiter, dass Woelki in Fragen der Missbrauchsaufklärung zwar keine wesentlichen Fehler nachzuweisen seien, aber sehr wohl Fehler im Umgang mit der Veröffentlichung des ersten Gutachtens – "vor allem in der Kommunikation und insgesamt im Führungsverhalten, so dass im Erzbistum eine tiefe Vertrauenskrise entstanden ist".

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki
Bild: ©KNA/Julia Steinbrecht

Woelki habe im Umgang mit der Veröffentlichung des ersten Missbrauchsgutachtens Fehler gemacht – "vor allem in der Kommunikation und insgesamt im Führungsverhalten, so dass im Erzbistum eine tiefe Vertrauenskrise entstanden ist", sagt Bischof Bätzing.

Zuletzt waren alle Rücktrittsangebote deutscher Bischöfe wegen Pflichtverletzungen in der Missbrauchsaufklärung von Rom abgelehnt worden. "Ich bin selbst skeptisch mit der Welle an Rücktrittsangeboten aus unserer jüngeren Vergangenheit", ergänzte  Bätzing. Zudem würden viele Menschen – auch innerhalb der Kirche – gar nicht das komplexe Gefüge dort verstehen. Wenn in der Politik jemand sage, er trete zurück, dann trete er auch zurück. Der Politiker sei autonom in seiner Rücktrittsentscheidung. In der Kirche aber müsse ein Bischof seinen Rücktritt dem Papst anbieten, und der könne ihn annehmen oder nicht.

"Vor diesem Hintergrund sind Rücktrittsangebote schwache Gesten", fügte der Bischof hinzu: "Es muss Verantwortung übernommen werden, und das kann durch einen Rücktritt geschehen." Es sei aber auch denkbar, "dass man aus seiner Verantwortung heraus zeigt, was wir verändern. Und zwar so verändern, dass das, wofür wir in der Vergangenheit Verantwortung tragen, so nicht mehr geschieht."

Bätzing würde Gremien um ein Votum bitten

Für Bätzing zeigt das Abwarten Roms außerdem, dass die von Papst Franziskus angestoßene Kurienreform noch viel weiter gehen müsse. Es mangele noch immer an geeigneten Instrumenten und es fehle an Transparenz, um solche Krisen angemessen zu bearbeiten. Zudem hätten "die Gläubigen als die eigentlich Betroffenen keinerlei Möglichkeit, direkt in den Prozess eingebunden zu werden".

Der Limburger Bischof betonte weiter, falls er selbst "mit einem derartigen Vertrauensverlust konfrontiert werden würde wie jetzt in Köln, würde ich Rechenschaft ablegen und meine beratenden Gremien um ein Votum bitten. Das wäre für mich eine Orientierung in der Frage: bleiben oder nicht bleiben." (KNA)