Rehabilitation sei "kein Fauxpas" gewesen – Kritik von Betroffenen und Politik

Bätzing verteidigt umstrittene Beförderung eines Priesters

Aktualisiert am 26.05.2022  –  Lesedauer: 

Stuttgart ‐ Nach dem Bericht über die Beförderung eines Priesters trotz Belästigungsvorwürfen hat der Limburger Bischof Georg Bätzing jetzt sein Vorgehen verteidigt. Frauen körperlich oder verbal zu belästigen, sei "ein absolutes No-Go", betonte er – und erntete auch Kritik.

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Der Limburger Bischof Georg Bätzing hat die umstrittene Beförderung eines Priesters nach Belästigungsvorwürfen verteidigt. Frauen körperlich oder verbal zu belästigen, sei "ein absolutes No-Go", sagte Bätzing am Donnerstag beim Katholikentag in Stuttgart. Dennoch habe er sich angesichts der Reue des Beschuldigten sowie bereits erfolgter Strafen und einer Entschuldigung gefragt, ob es nicht die Möglichkeit einer Rehabilitation geben müsse. Dies sei "kein Fauxpas" gewesen.

Nach einem Bericht der Beilage "Christ und Welt" der Wochenzeitung "Die Zeit" hatte Bätzing einen Priester seiner Diözese zum Bezirksdekan befördert, der Jahre zuvor zwei Frauen belästigt hatte. Bätzing, der Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, habe den Priester zuvor wegen der Belästigung von zwei Frauen in den Jahren 2000 und 2007 ermahnt.

Der katholische Priester soll demnach eine evangelische Pfarrerin in Ausbildung verbal und körperlich sexuell belästigt haben. Derselbe Pfarrer soll zudem eine katholische Gemeindereferentin in Ausbildung belästigt haben. Am Mittwoch hatte bereits das Bistum Limburg reagiert und erklärt, dem Eindruck, Bätzing würde Betroffene nicht hören, sich auf die Seite von Tätern stellen und Beschuldigte befördern statt sie zu sanktionieren müsse widersprochen werden. Bätzing setze sich "entschieden dafür ein, dass es einen Kulturwandel in der Kirche gibt, Betroffene gehört, Missbrauch verhindert sowie Täter und Taten klar benannt werden."

Der Beschuldigte bereue die Vorkommnisse "unglaublich"

Der Bischof bestätigte nun, eine Abmahnung ausgesprochen zu haben. Zudem habe er vor der Entscheidung über eine Beförderung mit der Mitarbeiterin gesprochen. Im ersten Gespräch habe sie ihm lediglich signalisiert, dass dies "schwer" für sie wäre. Später, als gemeinsame Bilder von Bätzing mit dem Beschuldigten auftauchten, habe sie erklärt, dass dies für sie überhaupt nicht gehe. Der Mann könne jedoch nicht im Amt sein und zugleich niemals auf Fotos auftauchen, erklärte der Bischof. Zudem habe es zu keinem Zeitpunkt ein strafrechtlich relevantes Verhalten gegeben. Der Beschuldigte bereue die Vorkommnisse "unglaublich" und sei überdies ein "anerkannter Seelsorger".

SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert bewertete den Vorgang mit Skepsis. Solche "beklemmenden Gespräche und Situationen" wie jenes zwischen Bätzing und der Betroffenen entstünden dann, wenn es keine klaren Regeln gebe, erklärte der Politiker. Für die Mitarbeiterin sei es belastend, in einer solchen Situation überhaupt befragt zu werden und mittelbar über die Seelsorge vor Ort mitentscheiden zu müssen. Ein derartiger Druck sei "eine Bürde", mahnte Kühnert. Der Staat hätte seinerseits "nicht zulassen dürfen", dass die Kirchen, aber auch andere Institutionen die Verfehlungen in ihren eigenen Reihen zunächst selbsttätig aufklären wollten.

Auch die Publizistin und Vertreterin des Betroffenenbeirats bei der Bischofskonferenz, Johanna Beck, äußerte sich kritisch. Besonders problematisch sei aus ihrer Sicht die Denkweise, dass Missbrauch nur Menschen "von null bis 18" betreffe. "Als erwachsender Mensch kann man genauso missbrauch werden", betonte sie. Bätzings Vorgehen lasse darauf schließen, "dass man die Dynamiken einfach noch nicht ganz parat hat, was Missbrauch mit sich bringt". Die betroffene Mitarbeiterin habe auf Bätzings Frage zum Umgang mit dem Beschuldigten möglicherweise in einem "Schockzustand" reagiert. (cbr/KNA)