Ruf nach Gleichberechtigung und einer offenen Kirche

Kirche in den Niederlanden legt Bericht zu Reformforderungen vor

Aktualisiert am 04.06.2022  –  Lesedauer: 

Amsterdam ‐ Mit Blick auf die Weltbischofssynode zur Synodalität hat die Kirche in den Niederlanden jetzt die Ergebnisse einer Befragung unter ihren Gläubigen zu Reformen in der Kirche veröffentlicht. In dem Bericht finden sich klare Forderungen.

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Die katholische Kirche in den Niederlanden hat die Ergebnisse einer Befragung unter ihren Gläubigen zu notwendigen Reformen veröffentlicht. Sie folgt damit als erste einer Bitte von Papst Franziskus vor der Weltbischofssynode im Herbst 2023 zum Thema Synodalität an alle Ortskirchen weltweit, wie die niederländische Tageszeitung "Nederlands Dagblad" (Freitag online) berichtete. Bei dem Weltbischofstreffen in Rom geht es unter anderem um die Frage, wie die Rolle der Laien in der Kirche gestärkt werden kann.

Ruf nach "einer offenen und gastfreundlichen Gemeinschaft"

Die acht niederländischen Diözesen haben die Ergebnisse dieser "Hörphase" aus vielen Einzel- und Gruppendiskussionen in einem 132-seitigen Bericht zusammengefasst. Sie werden laut Zeitung nun in einem nationalen Dokument verdichtet, bis spätestens 15. August nach Rom geschickt und mit katholischen Stimmen in anderen europäischen Ländern diskutiert.

Der Ruf nach "einer offenen und gastfreundlichen Gemeinschaft, in der jeder auf der Grundlage der Gleichberechtigung beitragen kann" (Diözese Den Bosch) hallt demnach in allen Berichten wider. Wie auch die Beobachtung vieler Gläubiger, dass die Kirche diesen Wunsch nicht erfülle. Der Bericht der Erzdiözese Utrecht etwa stellt fest, dass "die Kirche als 'Institution' keine sicheren oder warmen Gefühle hervorruft, sondern als starr, distanziert und nach innen gerichtet erlebt wird". Es herrsche der hierarchische Top-down-Ansatz.

"Geben Sie den Frauen im Dienst mehr Raum"

In den Berichten fast aller Bistümer ist auch immer wieder von einer inklusiven Kirche die Rede, die niemanden wegen seines Geschlechts oder seiner sexuellen Orientierung ausgrenze. Die Gläubigen wollen demnach "eine Kirche, die allen, einschließlich der Katholiken, die am Rande der Kirchen stehen, denen, die geschieden und wieder verheiratet sind, Lesben und Homosexuellen, eine ausgestreckte Hand – anstelle eines erhobenen Zeigefingers – anbietet" (Utrecht).

Auch die Rolle von Frauen in der Kirche nimmt in den Berichten viel Raum ein. "Geben Sie den Frauen im Dienst mehr Raum", schreibt die Diözese Breda. "Offene kirchliche Ämter für Männer und Frauen, verheiratet und unverheiratet, werden von vielen befürwortet", fasst die Erzdiözese Utrecht die Diskussion zusammen. Jedoch, notiert die Diözese Haarlem-Amsterdam, gebe es keine völlige Klarheit zum Thema der Weihe für Frauen, denn "zusätzlich zu dem oft erwähnten Wunsch, dass Frauen in das Amt aufgenommen werden, denken einige, dass mehr Aufmerksamkeit darauf gelegt werden sollte, was möglich ist, anstatt auf das, was nicht erlaubt ist". (KNA)