Angriff sei ein Verbrechen – Kritik an Kyrill I.

Russisch-orthodoxer Metropolit in Deutschland verurteilt Putins Krieg

Aktualisiert am 07.06.2022  –  Lesedauer: 
Russisch-orthodoxer Metropolit in Deutschland verurteilt Putins Krieg
Bild: © KNA/Dieter Mayr

Köln ‐ Deutliche Worte der russisch-orthodoxen Auslandskirche in Deutschland: Metropolit Mark Arndt nennt den Angriffskrieg Russlands in der Ukraine ein Verbechen – und kritisiert auch den Moskauer Patriarchen Kyrill I.

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Der Metropolit der Russisch-Orthodoxen Auslandskirche von Berlin und Deutschland, Mark Arndt (81), hat den Krieg Russlands in der Ukraine erneut als Verbrechen bezeichnet. Wenn Menschen aufeinander schössen, statt miteinander zu reden, sei das eine Bankrotterklärung der Menschheit, sagte der in Chemnitz geborene Erzbischof am Dienstag im Deutschlandfunk.

Arndt ist seit Mitte Mai auch kommissarischer Chef der gesamten russisch-orthodoxen Auslandskirche, nachdem das bisherige Oberhaupt der rund 400 Gemeinden im Ausland, Metropolit Hilarion Kapral, am 16. Mai gestorben war. Arndt kündigte an, er werde der geplanten Bischofsversammlung vom 13. bis 21. September in New York nicht für das Amt des Auslands-Chefs kandidieren. Für einen 81-Jährigen sei es eher an der Zeit, sich zurückzuziehen.

Gegen Kyrill I.

Der Geistliche wandte sich auch gegen die Aussage des russisch-orthodoxen Kirchenoberhaupts, des Moskauer Patriarchen Kyrill I., es handele sich um einen "metaphysischen Kampf" des Guten gegen das Böse. Arndt räumte ein, dass es auch vielen russisch-orthodoxen Geistlichen schwer falle, im Gottesdienst für das Kirchenoberhaupt zu beten. Er selber habe seinen Priestern das freigestellt, sei aber selber wieder dazu zurückgekehrt, für Kyrill in der Liturgie zu beten. Die Gemeindemitglieder wollten das so.

Der Erzbischof hatte kürzlich weithin für Aufsehen gesorgt, weil er dem Westen eine Mitschuld an dem russischen Angriff auf die Ukraine gegeben hatte. Jetzt erläuterte er, der Krieg habe bereits 2014 mit der Besetzung der Krim und des Donbass begonnen. Der Westen habe davon kaum Notiz genommen und nur wenig reagiert. Russlands Staatschef Putin habe daraus den Schluss gezogen, freie Hand zu haben.

Ende Mai hatte sich der in einem Münchner Kloster lebende Metropolit dafür ausgesprochen, dass die Ukraine in die EU aufgenommen wird, "auch wenn dies auf russischer Seite wieder große Ressentiments hervorrufen kann". Russlands Krieg werde seine Kirche "ganz sicher" verändern, "und leider nicht zum Guten". "Mir fällt es schwer zu glauben, dass der ukrainische Teil unserer Kirche bei dem russischen bleiben will", so Arndt. "Und die Ukrainer sind die gläubigsten Mitglieder in der russisch-orthodoxen Kirche." (KNA)