Fall kam erst nach Veröffentlichung der MHG-Studie ins Rollen

Missbrauch: Limburger Kirchengericht verurteilt ehemaligen Priester

Aktualisiert am 07.06.2022  –  Lesedauer: 

Limburg ‐ Die Schwere der Schuld sei ausdrücklich festgehalten worden: Ein Ex-Priester des Bistums Limburg ist vom diözesanen Kirchengericht wegen Missbrauchs verurteilt worden. Erst nach Veröffentlichung der MHG-Studie kam der Fall ins Rollen.

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Ein ehemaliger Priester des Bistums Limburg ist in einem kirchenrechtlichen Strafverfahren wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden. Für das diözesane Kirchengericht stehe fest, dass der Mann von 1986 bis 1993 einen minderjährigen Jungen mehrfach sexuell missbraucht hat, teilte das Bistum am Dienstag mit. Da der Täter während des Verfahrens aus dem Klerikerstand ausgeschieden ist, konnte diese Strafe, die vom Kirchenrecht in solchen Fällen vorgesehen ist, nicht mehr verhängt werden. Im Urteil, das laut Bistum rechtskräftig ist, sei die Schwere der Schuld ausdrücklich festgehalten worden. Dem Täter sei zudem eine Geldstrafe auferlegt worden.

Das Opfer hatte sich den Angaben zufolge nach Veröffentlichung der MHG-Studie im Herbst 2018 bei der Missbrauchsbeauftragten des Erzbistums Bamberg gemeldet, wo der ehemalige Priester zu dem Zeitpunkt als Ruhestandsgeistlicher lebte. Daraufhin habe der Limburger Bischof Georg Bätzing eine kirchenrechtliche Voruntersuchung eingeleitet und die Ergebnisse samt Stellungnahme an die vatikanische Glaubenskongregation weitergegeben. Diese habe die Eröffnung eines ordentlichen kirchenrechtlichen Strafverfahrens angeordnet. Die zuständige Staatsanwaltschaft hatte die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens abgelehnt, weil die vorgeworfenen Taten verjährt waren.

Eine im November 2019 veröffentlichte externe Untersuchung hatte ans Licht gebracht, dass der damalige Personaldezernent des Bistums, Prälat Helmut Wanka, bereits 1997 Kenntnis von dem Fall bekam. Obwohl Wanka durch persönliche Gespräche mit dem Opfer von den Beschuldigungen wusste, habe es keine Konsequenzen gegeben. Wanka habe zudem erfolgreich versucht, ein "Absehen des Opfers von einer Strafanzeige gegen den Priester zu erreichen", heißt es in dem Bericht. Auch das Bistum habe die staatlichen Ermittlungsbehörden nicht eingeschaltet und keine kirchenstrafrechtliche Voruntersuchung veranlasst. Nach einer Therapie sei der Priester wieder an alter Wirkungsstätte eingesetzt worden, ohne dass Vorkehrungen getroffen wurden, um der Wiederholung von Missbrauchstaten entgegenzuwirken. In einer persönlichen Erklärung bedauerte Wanka seine Fehler und bat den Betroffenen um Entschuldigung. (mal)