Schwester Jordana Schmidt über das Sonntagsevangelium

Die dynamische Verbindung des Lebens

Aktualisiert am 11.06.2022  –  Lesedauer: 
Ausgelegt!

Schwalmtal-Waldniel ‐ Am Hochfest der Dreifaltigkeit feiert die Kirche den einen Gott in drei Personen. Ganz schön kompliziert. Zum Glück erklärt es Jesus im Evangelium einfacher. Immer noch unsicher? Schwester Jordana Schmidt rät: Nicht lange grübeln, einfach ausprobieren! Sind Sie schon eingeloggt?

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Heute feiern wir gleich drei Personen: die Dreifaltigkeit. Ein alter und schwer zu verstehender Begriff für uns heute. Es geht um drei Personen, die Eins sind. OK, das hört sich auch nicht leichter an. Die Kirche beschreibt Gott mit diesem Begriff ganz schön kompliziert. Jesus erklärt es einfach im Johannesevangelium: Da gibt es den Vater, da gibt es mich und da gibt es einen oder eine, der/die alles, was wir sagen, meinen, denken, besitzen, weitergibt. Ein Vermittler. Eine Kraft, die verbindet. Wir gehören untrennbar zusammen. Ganz einfach.

Ich selber stelle mir das ganz schön dynamisch vor, was da zwischen den Dreien vor sich geht. Denn Gott hat viel zu sagen. Er weiß eben alles. Und wenn der Heilige Geist davon weitergibt, und so sagt es uns Jesus heute, dann sind wir mit eingeweiht. Aber da wir nicht alles auf einmal vertragen, bekommen wir es nur ab und zu weitergeleitet. Das ist die Aufgabe vom Heiligen Geist. Komplexe Angelegenheit das Ganze. Technisch ausgedrückt, ist der Heilige Geist vielleicht wie eine Internetverbindung, die das, was da ist, für mich sucht und auf meine Anfrage antwortet. Aber eben nur wenn ich Online gehe. Ich kann mich in diese Dreifaltigkeit "einloggen" – das verspricht uns Jesus im heutigen Evangelium. Wir dürfen dazugehören. Es gibt viel, was Jesus, was Gott uns sagen möchte. Es steht auf Abruf bereit – manchmal auch ganz unvermittelt, wenn wir offen dafür sind.

In dem Buch "die Hütte" von William Paul Young wird diese Dreifaltigkeit von drei Personen verkörpert: Gott als herzliche, korpulente, mütterliche Frau, mit dunkler Hautfarbe; Jesus als junger Schreiner und der Heilige Geist als eine schöne, sanfte, nicht immer deutlich zu sehende Asiatin. Sie verstehen sich blind – sie sind im Flow miteinander und die Liebe ist zwischen ihnen so greifbar und umfassend, dass jeder und jede Person in der Nähe mit hineingenommen wird. Jede einzelne hat eine Stärke, eine Funktion und zusammen sind sie komplett und stark. Ich mag diese Darstellung der Dreifaltigkeit – handfest, liebevoll, mystisch, weise … alles auf einmal. Eben Gott, ganz nah und ganz konkret.

Heute am Dreifaltigkeitssonntag werden wir erinnert, dass wir mit dazugehören. Dass wir ganz in diesem Gott sind und Zugang zu all der Kraft, all dem Wissen, all der Liebe bekommen können. Wir müssen uns nur einklinken. Soll einfach sein, scheint mir aber schwer. Denn ich denke zu viel über das Wie und Warum nach. Vielleicht sollten wir uns heute ein wenig Zeit nehmen, uns dieser Dreifaltigkeit bewusst zu sein und ein Teil davon werden. Probieren wir es einfach mal aus.

Evangelium nach Johannes (Joh 16,12–15)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.

Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in der ganzen Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird reden, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird.

Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.

Die Autorin

Schwester Jordana Schmidt OP ist gelernte Familientherapeutin und Diplom-Heilpädagogin. Seit 1994 gehört sie den Dominikanerinnen von Bethanien an. Von 2002 bis 2012 arbeitete sie als Erziehungsleiterin im Bethanien Kinderdorf in Schwalmtal-Waldniel und war zwischen 2012 und 2020 Kinderdorfmutter. Heute lebt sie als SPLG Mutter (Sozialpädagogische Lebensgemeinschaften) mit zwei Kindern in Krefeld. Momentan sie ist mehrmals im Jahr im Radio bei "Kirche im WDR" zu hören. Ihre Bücher "Auf einen Tee in der Wüste" und "Ente zu verschenken" waren wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste.

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de nun "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreiben Ordensleute und Priester für uns.