Bild von beliebtem Priester May habe "tiefe Risse" bekommen

Limburger Offizial: "Sprachlosigkeit" im Bistum nach Tod von Regens

Aktualisiert am 12.06.2022  –  Lesedauer: 
Blick vom Bischofshaus auf den Limburger Dom
Bild: © Bistum Limburg

Limburg ‐ Der unerwartete Tod des Limburger Regens Christof May hat viele Menschen erschüttert – auch, weil er kurz zuvor wegen Vorwürfen übergriffigen Verhaltens von seinen Ämtern freigestellt wurde. Das hat Spuren im Bistum Limburg hinterlassen.

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Nach dem überraschenden Tod des Leiters des Priesterseminars im Bistum Limburg, Christof May, herrscht nach den Worten des obersten Kirchenrichters der Diözese "Sprachlosigkeit" vor. Das Bild, das sich viele Menschen von dem beliebten Priester und Regens gemacht hätten, habe "tiefe Risse" bekommen, sagte Offizial Olaf Lindenberg am Sonntag in einem über Livestream übertragenen Gottesdienst aus der Kapelle des Bischofshauses in Limburg. "Hier der geschätzte und zugewandte Seelsorger, dort der Vorwurf übergriffigen Verhaltens." Zugleich betonte der Kirchenrichter, der Vorwurf übergriffigen Verhaltens wiege schwer: "So ein Vorwurf wird nicht leichtfertig erhoben."

Mit Blick auf mögliche Missbrauchsbetroffene fügte Lindenberg hinzu: "Und die Betroffenen, die sind nicht schuld!" Es brauche "Jahre und manchmal Jahrzehnte, bis jemand, der Übergriffe erfahren hat - so wie es hier im Raum steht - damit nach außen geht". Schon deshalb sei Betroffenen Gehör und Vertrauen zu schenken. Vorwürfe dürfe man nicht beiseite wischen.

Offizial Lindenberg betonte, dass er selbst nicht mit der Causa May betraut gewesen sei: "Ich bin der Gerichtsvikar des Bistums, aber mit diesen ganzen Vorgängen war ich nicht befasst. Meine Kenntnis ist nicht eine andere als die, die Sie haben", sagte er in Richtung der Gottesdienstteilnehmer.

Anhörungen im Fall May wohl noch nicht beendet gewesen

Lindenbergs weitere Ausführungen lassen darauf schließen, dass im Fall May die Anhörungen offenbar noch nicht abgeschlossen waren. "Es geht wirklich ums Hören auf die Betroffenen und auf einen Menschen, der beschuldigt wird. Das Hören hatte gerade erst angefangen, als es jäh unterbrochen wurde durch den Tod, selbst herbeigeführt", sagte Lindenberg. May (49) war am Donnerstag tot aufgefunden worden, wie das Bistum am Freitag mitteilte.

Zurück blieben "Fassungslosigkeit, Zorn, Wut, Ohnmacht, Schuldgefühle und Trauer", sagte Lindenberg weiter. "Trauer um einen Menschen, um ein Leben, das aus der Bahn geriet und nicht mehr in die Spur fand und womöglich andere aus der Spur warf." Das zumindest sei häufig der Fall, "wenn es um Übergriffigkeit und Missbrauch geht".

Am Mittwoch war May laut Bistum in einem persönlichen Gespräch "zu Vorwürfen übergriffigen Verhaltens" angehört worden. Anschließend habe der Limburger Bischof Georg Bätzing den seit 2018 amtierenden Regens von allen Ämtern freigestellt, "um die Vorwürfe prüfen und aufklären zu können". Bätzing ist zugleich Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. (KNA)