Burger: "So stelle ich mir das Miteinander für eine Kirche der Zukunft vor"

Freiburger Diözesanforum stellt Weichen für Pfarreienreform

Aktualisiert am 02.07.2022  –  Lesedauer: 

Freiburg ‐ Wie soll die Kirche im Jahr 2030 im Erzbistum Freiburg aussehen? Darüber haben sich in den vergangen Tagen rund 170 Delegierte ausgetauscht – und erste Voten gefasst. Erzbischof Stephan Burger lobte den offenen Dialog.

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Das Freiburger Diözesanforum hat am Freitag und Samstag erste Richtungsentscheidungen für die zukünftigen Strukturen und Organisationsformen der katholischen Kirche im Südwesten getroffen. So soll es auf dem Gebiet des Erzbistums zwischen Bodensee und Odenwald statt bislang 224 Seelsorgeeinheiten und etwa 1.000 Pfarreien ab 2026 nur noch 36 Pfarreien geben. Unter dem Dach dieser großen Pfarreien mit bis zu 100.000 Katholiken sollen Gemeindeteams vor Ort Kirche gestalten.

Erzbischof Stephan Burger rief zu Mut für Veränderungen in Pfarreien und Seelsorge auf. Um neue kreative Chancen zu nutzen, müssten liebgewonnene und gewohnte Pfade verlassen werden. Burger wandte sich gegen den Vorwurf, wonach Großpfarreien zu Anonymität und Heimatlosigkeit führen. "Das Gegenteil ist richtig. Die neuen Strukturen können dafür sorgen, dass Kirche in der Fläche weiterhin als Raum der Gemeinschaft erfahrbar bleibt." Hintergrund der Neuaufstellung sind sinkende Zahlen bei Katholiken und Seelsorgern sowie erwartete Kirchensteuerrückgänge.

Das Diözesanforum beriet auch über die künftigen Leitungsstrukturen der Pfarreien. Laut kirchenrechtlicher Vorgaben darf nur ein Pfarrer eine Pfarrei leiten. Der Geistliche soll dann aber Verantwortungen verteilen. Unter dem Dach der Großpfarrei sollen vor Ort mehrere Gemeindeteams aufgebaut werden.

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Die rund 170 Delegierten votierten mehrheitlich dafür, wo immer möglich ehrenamtlich Engagierte mit Leitungsaufgaben zu betrauen. Ähnlich wie die bisherigen Kirchengemeinderäte sollen den Plänen zufolge Pfarreiräte sowie örtliche Gemeindeteammitglieder gewählt werden. Die hauptamtlichen Geschäftsführer der Pfarreien soll laut Forum nicht beim Bistum, sondern bei den Pfarreien vor Ort angestellt werden, um deren Eigenständigkeit zu stärken.

In der Planung sind auch neue Seelsorge-Zentren. In Leitlinien hat das Forum zudem vereinbart, mehr in die Weitergabe des christlichen Glaubens zu investieren. Auch will die Kirche Nachhaltigkeit und Klimaschutz voranbringen. Ausbauen und pflegen wollen die Planer die Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche. Burger sicherte auch zu, die Vorbeugung und Aufarbeitung von Missbrauch und sexualisierter Gewalt entschieden weiterzuführen.

Die Bistumsleitung kündigte an, dass im März und an diesem Wochenende erstmals einberufene Diözesanforum weiterzuführen. Eine nächste Sitzung sei für Ende 2024 oder Anfang 2025 geplant. Burger sagte, das Forum sei ein wichtiger "synodaler Raum" für offenen Dialog und Austausch. "So stelle ich mir das Miteinander für eine Kirche der Zukunft vor." (KNA)