Standpunkt

Keine Ehre für Missbrauchs-Vertuscher

Aktualisiert am 08.07.2022  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma

Bonn ‐ Durch die Missbrauchsgutachten der vergangenen Jahre sind auch bekannte Kirchenvertreter des 20. Jahrhunderts in Verruf geraten. Dennoch sind manche Straßen und Einrichtungen nach ihnen benannt. Gudrun Lux fordert, diese Ehrungen zu hinterfragen.

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Gutachten über Gutachten wird publiziert und immer klarer wird, dass die jüngere Kirchengeschichte auch eine Geschichte der sexualisierten Gewalt, der Verharmlosung und Vertuschung von Machtmissbrauch, psychischer und körperlicher Gewalt und fürchterlichen Verbrechen ist. Viele "große Namen" des 20. Jahrhunderts stehen in Verbindung dazu. Doch sollten Täter und solche, die Täter schützten, ihre Taten somit ermöglichten oder zumindest verharmlosten, sollten diese Männer weiter vor allem für theologische Schriften oder ihre Kirchenpolitik bekannt und verehrt sein?

Keine Ehre den Vertuschern, Verharmlosern und Verbrechern: Wir müssen die Erinnerungskultur in der Kirche auf den Prüfstand stellen. Im Kardinal-Wendel-Haus zusammen zu kommen oder im Kardinal-Döpfner-Haus, einen Kardinal-Wetter-Preis zu verleihen – ist das tatsächlich angemessen? Ich denke, dass es Verhalten und Worte gibt, die dafür disqualifizieren, als Namensgeber für Säle, Preise, Straßen oder Plätze zu dienen.

In der Landeshauptstadt München haben wir eine Kommission, die sich die Namen aller nach Personen benannten Straßen anschaut und überprüft. Manche Namensgeber*innen wurden als historisch schwer belastet eingestuft, etwa weil sie eine Nähe zum Nationalsozialismus zeigten, weil sie Judenhass propagierten oder für die Verbrechen des deutschen Kolonialismus mit verantwortlich zeichneten. Auch die Kardinal-Faulhaber-Straße steht übrigens auf der Liste der Münchner Straßennamen mit "problematischen Konnotationen".

Es geht nun nicht um eine Art "Bildersturm", der jede Erinnerung auslöschen will. Wohl aber um eine genaue Prüfung und eine Abwägung, wie mit belasteten Namen umgegangen werden kann. Muss man die Namensgebung kontextualisieren und erklären? Oder sich von einem gewohnten, aber längst als unangemessen erkannten Namen trennen? Es wird auch in der Kirche Fälle geben, in denen klar wird, dass wir etwa im Interesse der Würde von Betroffenen sexualisierter Gewalt klare Schnitte machen müssen. Das ein oder andere romantisch-verklärte Bild, das einige zum Beispiel von dem ein oder anderen Kardinal haben, wird man wohl überwinden müssen. Und gegebenenfalls gilt: Die Ehre, für Bildungsstätten oder Preise namensgebend zu sein, gebührt diesen Männern eben nicht.

Von Gudrun Lux

Die Autorin

Gudrun Lux ist Stadträtin in München, Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und der Synodalversammlung des Synodalen Weges. Von dieser wurde sie in das Synodalforum "Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche" entsandt.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.