Treffen mit Überlebenden der Residential Schools zu Beginn der Kanada-Reise

Papst an Indigene: Kirche kniet nieder und bittet um Vergebung

Aktualisiert am 25.07.2022  –  Lesedauer: 

Maskwacis ‐ Zu Beginn seiner Kanada-Reise erinnerte Papst Franziskus an das Leid der Kinder in sogenannten Residential Schools – und bat um Vergebung "für das Böse, das von so vielen Christen an den indigenen Bevölkerungen begangen wurde". Die Bitte um Vergebung könne nur ein erster Schritt sein.

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Mit einer ausführlichen Vergebungsbitte hat Papst Franziskus seine "Bußwallfahrt" nach Kanada begonnen. "Ich bitte demütig um Vergebung für das Böse, das von so vielen Christen an den indigenen Bevölkerungen begangen wurde", sagte das katholische Kirchenoberhaupt am Montagvormittag (Ortszeit) vor Überlebenden früherer Residential Schools auf dem Gelände einer früheren Internatsschule in Maskwacis/Alberta.

In seiner Ansprache vor rund 2.000 Menschen, unter ihnen Generalgouverneurin Mary Simon und Premierminister Justin Trudeau, erinnerte der Papst an das Unrecht der staatlich errichteten und von Kirchen betriebenen Internate. In diesen sollten Kinder indigener Völker an die Kultur der europäischen Einwanderer angepasst werden. Franziskus erinnerte an das, was ihm Überlebende bereits berichtet hatten: Wie "eure Sprachen und Kulturen verunglimpft und unterdrückt wurden; wie Kinder körperlich und verbal, psychologisch und spirituell misshandelt wurden; wie sie von klein auf von zu Hause weggeholt wurden". Daher, so der Papst, "kniet die Kirche vor Gott nieder und bittet um Vergebung für die Sünden ihrer Kinder".

Viele Christen, so der Papst weiter, hätten die Kolonisierung mit ihrer Unterdrückung unterstützt. Daher bitte er um Vergebung "insbesondere für die Art und Weise, in der viele Mitglieder der Kirche und der Ordensgemeinschaften", durch Gleichgültigkeit an "kultureller Zerstörung und erzwungener Assimilierung" mitgewirkt hätten.

Weitere Aufarbeitung müsse folgen

Die Bitte um Vergebung, so der Papst weiter, könne nur ein erster Schritt sein. Weitere Aufarbeitung und ein gemeinsamer Einsatz für Gerechtigkeit, Würdigung und Beteiligung indigener Kultur und Menschen müssten folgen. Er selber wolle "weiterhin zum Einsatz aller Katholiken für die indigenen Völker ermutigen". Gleichzeitig bat Franziskus um Verständnis, dass er nicht alle Orte ehemaliger Residential Schools besuchen könne.

Die auf Spanisch gehaltene und mehrfach von Beifall unterbrochene Rede des Papstes wurde auf Englisch sowie im Stream in zwölf indigene Sprachen übersetzt. Während einer vorausgegangen Zeremonie war ein Banner mit den Namen von Opfern der Residential Schools in das Rund getragen worden. Begrüßt worden war der Papst von Chief Wilton Littlechild, der als Kind ein Schüler der örtlichen Residential School war.

Zu Beginn der Zeremonie hatte Franziskus allein einen nahe gelegenen Friedhof besucht, auf dem Kinder der früheren Internatsschule beerdigt wurden – etliche auch anonym. Sie waren an den Folgen von Krankheiten, aber auch Vernachlässigung und Misshandlung gestorben. Die Ermineskin Indian Residential School war von 1916 bis 1973 eine der größten des Landes. 1991 wurde die Einrichtung der Ermineskin Cree Nation übergeben. (KNA)