Pfarrer: Ministranten sind "Salz in der Suppe"

Kuriose Idee: Pfarrei sucht mit "Vermisstenmeldung" neue Messdiener

Aktualisiert am 02.08.2022  –  Lesedauer: 
Messdiener mit Weihrauchfass
Bild: © KNA/Lukas Barth

Bergkamen ‐ Es sei sein "sehnlichster Wunsch", dass viele alte und neue Messdiener den Weg zurück in die Kirche fänden, sagt ein Pfarrer aus Bergkamen. Um junge Menschen zu gewinnen, gab es deshalb einen ungewöhnlichen Aufruf.

  • Teilen:

Mit einer ungewöhnlichen Aktion sucht die Pfarrei Heilig Geist Bergkamen im Ruhrgebiet derzeit nach neuen Messdienern. Unter der Überschrift "MessdienerInnen vermisst" veröffentlichte die Pfarrei in den aktuellen Pfarrnachrichten eine Suchmeldung an katholische Familien, über die der "Westfälische Anzeiger" (Dienstag) berichtete. Dabei handele es sich nicht um einen echten Vermisstenfall, doch "ernst ist die Angelegenheit allemal", sagte Pfarrer Thorsten Neudenberger der Zeitung. Von den einst 80 Ministranten seien demnach nur noch wenige übrig geblieben.

"Nicht zuletzt hat die Corona-Pandemie mit ihren Kontaktbeschränkungen dafür gesorgt, dass es rund um den Altar bei uns so richtig leer geworden ist", beklagte der Pfarrer. Etliche liturgische Feiern hätten ohne die Mitwirkung von Ministranten stattfinden müssen, heißt es im Aufruf. "Doch jetzt, wo wir endlich wieder gemeinsam Gottesdienst feiern dürfen, wäre es mein sehnlichster Wunsch, dass unsere 'alten' wie auch viele neue Messdienerinnen und Messdiener den Weg zurück in die Kirche fänden und die sonntägliche Liturgie mit ihrem wichtigen Dienst bereichern", so der Pfarrer. Grundsätzlich könne es kaum genug junge Menschen geben, die ministrieren, "denn gerade unsere Messdienerinnen und Messdiener sind ja das sprichwörtliche 'Salz in der Suppe', wenn sie mit ihren liturgischen Diensten am Altar dem Ganzen einen würdevollen Rahmen verleihen."

"Ministrantendienst nach wie vor attraktiv"

Vor rund einem Jahr hatte das Erzbistum Bamberg mitgeteilt, dass die Zahl der Ministranten dort im Vergleich zum Jahr 2015 um 20 Prozent geschrumpft war. Demnach habe gerade die Corona-Pandemie dazu geführt, dass kaum Kommunionkinder für den Dienst am Altar gewonnen werden konnten. Gerade jüngere Messdiener hätten ihr Ehrenamt aufgegeben, da sie während der Pandemie kaum noch in der Liturgie eingesetzt worden seien und auch Gruppenstunden nicht stattfinden konnten.

Im katholisch.de-Interview erklärte der Referent für Ministrantenpastoral und liturgische/kulturelle Bildung bei der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj), Tobias Knell, im vergangenen August, es sei noch kein Trend erkennbar, dass die Messdienerzahlen deutschlandweit durch die Corona-Pandemie zurückgegangen seien. Es gebe keine validen Zahlen, weil eine offizielle Zählung durch die Pandemie ausgefallen sei. "Natürlich besteht die Gefahr, dass wir Menschen verlieren. Aber der Ministrantendienst ist nach wie vor attraktiv. Wir haben viele engagierte Gruppenleiterinnen und -leiter sowie pastorale Mitarbeiter vor Ort, die es sicherlich schaffen werden, dann eben zwei Jahrgänge für diesen Dienst begeistern zu können", so Knell. (cbr)