Missbrauchstäter und aktiver "Missbrauchsermöglicher"

Freiburger Betroffenenbeirat fordert Aufklärung im Fall Stehle

Aktualisiert am 09.08.2022  –  Lesedauer: 

Freiburg ‐ "Wir erwarten, dass alle beteiligten Bistümer dazu beitragen diesen Fall aufzuklären – nicht nur in Deutschland, sondern auch in Lateinamerika": Der Betroffenenbeirat im Erzbistum Freiburg nimmt Stellung zur Causa Emil Stehle.

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Der Betroffenenbeirat im Erzbistum Freiburg fordert eine umfassende Aufklärung der Vorwürfe zu Vertuschung und Missbrauch rund um den früheren Bischof Emil Stehle (1926-2017). "Wir erwarten, dass alle beteiligten Bistümer dazu beitragen, diesen Fall aufzuklären – nicht nur in Deutschland, sondern auch in Lateinamerika", heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme des Betroffenenbeirats. Stehle sei nach aktuellen Erkenntnissen Missbrauchstäter und aktiver "Missbrauchsermöglicher", so der Beirat.

Der aus dem Erzbistum Freiburg stammende Stehle war Geschäftsführer des katholischen Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Leiter der für Auslandseinsätze von Priestern zuständigen Koordinationsstelle "Fidei Donum" und später Bischof von Santo Domingo in Ecuador. Eine am Montag veröffentlichte Untersuchung belegt, dass Stehle Priester in seinem Bistum in Ecuador vor Strafverfolgung geschützt hat, die in Deutschland wegen sexualisierter Gewalt strafrechtlich verfolgt wurden. Weiter listet der Bericht gegen Stehle selbst 16 Meldungen und Hinweise zu übergriffigem Verhalten und sexuellem Missbrauch Minderjähriger.

Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) und Adveniat hatten nach Vorwürfen, die 2021 bei der Vorstellung der Missbrauchsstudie des Bistums Hildesheim bekannt wurden, eine Untersuchung in Auftrag gegeben. Die Kölner Rechtsanwältin Bettina Janssen erstellte den Bericht. Erste Meldungen von Betroffenen gab es demnach bereits 2003 an die Bischofskonferenz sowie 2005 an das Erzbistum Freiburg, wo Stehle nach seiner Emeritierung lebte. Der Freiburger Betroffenenbeirat rechnet damit, dass sich zu diesem Fall noch weitere Betroffene melden werden und fordert die DBK auf, sich "hauptverantwortlich und angemessen" um alle Betroffenen zu kümmern. (KNA)