Aus Vertrauenskrise sei auch Glaubenskrise der Mitarbeitenden geworden

Kölner Mitarbeitervertretung: Geht es so weiter, verlieren sie uns

Aktualisiert am 19.08.2022  –  Lesedauer: 

Köln ‐ "Keine hohlen Phrasen, keine leeren Versprechungen mehr" – das fordern Mitarbeitervertreter des Kölner Generalvikariats von ihrer Bistumsleitung. Sie fühlen sich allein gelassen und hoffen auf eine baldige Entscheidung von Papst Franziskus.

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Nach Einschätzung der beiden Vorsitzenden der Mitarbeitervertretung des Erzbischöflichen Generalvikariats Köln wird die Bistumsleitung der Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitenden derzeit nicht gerecht. "Wir stehen im Grunde genommen wie die Schafe auf einem freien Feld ohne Zaun, ohne Hirten und ohne Hütehunde und sind eigentlich auf uns selbst angewiesen", sagte die Mitarbeitervertreterin Mirelle Zohar dem Kölner "Domradio" am Donnerstag. "Wenn das so weitergeht, dann werden sie uns alle verlieren."

Der Mitarbeitervertreter Patrick Höring forderte im Interview Papst Franziskus auf, eine endgültige Entscheidung über den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki zu treffen. "Man kann verstehen, dass er das wohlbedacht und nicht übereilt tun will", so Höring. "Aber da sich die Ereignisse nun überstürzt haben und auch immer wieder neue Gesichtspunkte hinzugetreten sind, glaube ich, kann er mit der Entscheidung nicht mehr lange auf sich warten lassen." Zohar forderte zudem offene Worte und eine Stellungnahme von Woelki "und keine hohlen Phrasen, keine leeren Versprechungen mehr".

Glaubenskrise für Mitarbeiter

Viele Mitarbeitende fragten sich, ob ihr Arbeitsvertrag überhaupt noch gelte, sagte Höring. "Bin ich eigentlich überhaupt noch verpflichtet, meine Pflicht zu erfüllen, wenn auf der anderen Seite so mit der Pflicht und der Verantwortung umgegangen wird?" Viele hätten zudem im privaten Bereich Schwierigkeiten, sich dazu zu bekennen, dass sie beim Erzbistum arbeiten, oder würden ihre Mitgliedschaft in der Kirche gleich ganz infrage stellen. "Damit zeigt sich, dass das nicht nur eine strukturelle Krise oder eine Medienkrise ist, sondern dass es für viele Kolleginnen und Kollegen eine tiefe Glaubenskrise wird, weil sie dieser Kirche nicht mehr glauben, der sie angehören."

Kritik übten die Mitarbeitervertreter darüber hinaus an einer Protestaktion der Bewegung "Maria 2.0", bei der die Tür des Generalvikariats symbolisch versperrt wurde und ein Plakat mit der Aufschrift "Generalvikariat Köln/GESCHLOSSEN/Moralischer Bankrott" angebracht wurde. Darüber habe es "unheimlich viel Zorn und unheimlich viel Wut" unter den Mitarbeitenden gegeben. "Es stellt sich niemand schützend vor die Mitarbeitenden. Genau diese Message ist richtig, aber es ist die falsche Tür", sagte Zohar.

Zuvor hatten vor allem pastorale Mitarbeitende des Erzbistums Köln in einer am Sonntag verbreiteten Stellungnahme einen Neuanfang mit "personellen und systemischen Veränderungen" gefordert. Nötig sei eine "ehrliche, echte Aufklärung und Ahndung von Missbrauch und Gewalt jeglicher Art mit staatlicher Unterstützung und professioneller Aufsicht". (cbr)