Positionen der Bischöfe seien schon vorher klar gewesen

Marx: Vatikan-Erklärung hatte keine Auswirkung auf Synodalen Weg

Aktualisiert am 14.09.2022  –  Lesedauer: 

München ‐ Im Juli äußerte sich der Vatikan kritisch zum Synodalen Weg. Für den Münchner Kardinal Reinhard Marx stand in der Erklärung aber nichts Neues – die Bischöfe hätten auch zuvor schon gewusst, wo sie stehen. Bei der Sexualethik sieht er noch Redebedarf.

  • Teilen:

Nach Ansicht des Münchner Kardinals Reinhard Marx hatte die Vatikan-Erklärung zum Synodalen Weg keine Auswirkungen auf das Stimmverhalten der Bischöfe bei der vierten Synodalversammlung. Gegenüber der französischen Zeitung "La Croix" (Montag) sagte Marx, dass er davon ausgeht, dass die Bischöfe sich schon vor der Veröffentlichung durch den Heiligen Stuhl positioniert haben. Die Erklärung habe keine Rolle gespielt, weil es nichts Neues enthalten habe. "Niemand von uns will den Papst ablösen, das Kirchenrecht außer Kraft setzen oder die Lehre der Kirche umschreiben. Was wir wollen, ist, Fragen zu stellen, zu debattieren und die Diskussion voranzutreiben. Wir sind Teil der Weltkirche", betonte Marx.

Bei dieser Synodalversammlung hätten einige Bischöfe mehr Druck verspürt, sich zu äußern. "Der Punkt ist, dass wir offener miteinander umgehen und unsere Positionen begründen müssen. Wir müssen nicht nur eine Meinung haben, sondern sie verteidigen", so der Münchener Erzbischof. Das Grundsatzpapier zur Sexualethik sei zwar kontrovers, trotz der Ablehnung aber wichtig. Das Thema bedürfe auch weiterer Befassung in der Universalkirche und könne nicht zur Seite gelegt werden. Die Bischofskonferenz werde sich noch einmal damit befassen, kündigte Marx an.

Heiliger Stuhl äußerte sich kritisch zum Synodalen Weg

Im Juli hatte sich der Heilige Stuhl mit einer Erklärung zum Synodalen Weg geäußert. Das zunächst ohne Urheberangabe veröffentlichte Papier aus dem Staatssekretariat betonte, dass der Synodale Weg nicht befugt sei, "die Bischöfe und die Gläubigen zur Annahme neuer Formen der Leitung und neuer Ausrichtungen der Lehre und der Moral zu verpflichten". Vor einer weltkirchlich abgestimmten Übereinkunft dürften in den Diözesen keine neuen amtlichen Strukturen oder Lehren eingeführt werden, "welche eine Verletzung der kirchlichen Gemeinschaft und eine Bedrohung der Einheit der Kirche darstellen würden". Die Satzung des Synodalen Wegs sieht vor, dass Beschlüsse der Synodalversammlung von sich aus keine Rechtswirkung entfalten und die Vollmacht der Bischofskonferenz und der einzelnen Diözesanbischöfe durch den Synodalen Weg nicht berührt wird. Beschlüsse, deren Themen einer gesamtkirchlichen Regelung vorbehalten sind, müssen der Satzung zufolge dem Heiligen Stuhl vorgelegt werden.

Bei der vierten Synodalversammlung scheiterte das Grundsatzpapier des Synodalforums "Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft" in zweiter Lesung an der Sperrminorität der Bischöfe. Während 82,8 Prozent der anwesenden Synodalen insgesamt für den Text gestimmt hatten, stimmten von den anwesenden Bischöfen 38,9 Prozent dagegen. Die Abstimmung erfolgte im Gegensatz zu den folgenden nicht namentlich, so dass das Stimmverhalten der einzelnen Bischöfe nur aus ihren Äußerungen ersichtlich ist. Für Beschlüsse sieht die Satzung des Synodalen Wegs eine doppelte Zweidrittelmehrheit der gesamten Versammlung sowie unter den Bischöfen vor. Bei den folgenden Abstimmungen wurde das nötige Quorum durchweg erreicht. (fxn)