Erhebliche Fehler im Umgang mit Betroffenen und Beschuldigten

Nach Osnabrücker Missbrauchsstudie: Hamburger Erzbischof Heße beschämt

Aktualisiert am 23.09.2022  –  Lesedauer: 
Nach Osnabrücker Missbrauchsstudie: Hamburger Erzbischof Heße beschämt
Bild: © KNA/Lars Berg

Hamburg ‐ Der Zwischenbericht zu Missbrauchsfällen im Bistum Osnabrück betrifft auch das später zum Teil daraus ausgegliederte Erzbistum Hamburg. Oberhirte Stefan Heße zeigt sich beschämt, betont aber auch Fortschritte im Umgang mit Taten.

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Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße hat sich nach dem Zwischenbericht zu Missbrauch im Bistum Osnabrück beschämt gezeigt. "Der Zwischenbericht macht deutlich, dass auch im Erzbistum Hamburg erhebliche Fehler im Umgang mit Betroffenen und Beschuldigten gemacht worden sind", schreibt Heße in einem Brief am Freitag. "Die Fehler der Vergangenheit können nicht rückgängig gemacht werden. Und es wäre zu wenig, dafür nur um Entschuldigung zu bitten."

Er wolle den Bericht nutzen, "um unsere Sorge um die Betroffenen und unser Handeln gegenüber Beschuldigten weiter zu verbessern", so Heße weiter. Damit habe man bereits begonnen, was der Bericht auch bescheinige. Heße sieht Prävention, Intervention und Aufarbeitung als "Ausdruck meiner Verantwortungsübernahme" und eine Kernaufgabe seiner Diözese.

Der Zwischenbericht zeige, dass sich Betroffene auch vom Erzbistum Hamburg nicht gut behandelt fühlten. Heße setzt hier auf den Betroffenenrat der Diözesen Hamburg, Hildesheim und Osnabrück. "Sie werden uns dabei helfen, was wir besser machen müssen." Er verweist mit Blick auf die Aufarbeitung auf eine in Auftrag gegebene Studie für die Bistumsregion Mecklenburg sowie eine Gemeinsame Aufarbeitungskommission der drei Nord-Bistümer.

Wissenschaft ein Baustein zur Aufarbeitung

Die Erkenntnisse der Wissenschaft seien ein Baustein der Aufarbeitung, schließt Heße. Aufarbeitung sei jedoch auch ein Auftrag, "uns zu erinnern, uns zu hinterfragen und uns unter den verschiedensten Aspekten hinterfragen zu lassen, damit kein Vergessen mehr möglich ist".

Der am Dienstag vorgestellte Zwischenbericht der Universität Osnabrück zu Missbrauchsfällen im Bistum Osnabrück hatte der Diözese bescheinigt, jahrzehntelang nicht pflichtgemäß auf Hinweise zu sexuellem Missbrauch reagiert zu haben. Auch in jüngerer Zeit sei nur nachlässig kontrolliert worden, was mit Beschuldigten geschehe, die von ihrer Stelle entfernt wurden. Bischof Franz-Josef Bode werden in der Studie Pflichtverletzungen "im niedrigen einstelligen Bereich" nachgewiesen. Bode will trotz Fehlern jedoch im Amt bleiben.

Bis zum Jahr 1995 hatte das Bistum Osnabrück die Personalverantwortung für Hamburg und Schleswig-Holstein, da beide Landesteile zum Bistum gehörten. Bei der Studie war die 1994 gegründete Hamburger Erzdiözese Kooperationspartner. (cph)