Manche Kleriker seien für die "Tonne"

Papst rechnet mit Priestern ab: Verbrecher und Klatschtanten

Aktualisiert am 11.11.2022  –  Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ Heftige Kritik an unqualifizierten Priestern vom Kirchenoberhaupt: Welche Geistlichen für ihn wie Verbrecher sind, welche "in der Tonne" landen, was er von Schleimern und Klatschtanten hält, sagte Papst Franziskus nun mit deutlichen Worten.

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Papst Franziskus hat deutliche Kritik an unqualifizierten Priestern geübt. Im Gespräch mit Ausbildern und Rektoren lateinamerikanischer Priesterseminare verglich er Geistliche, die keine Absolution bei der Beichte erteilen, mit Verbrechern. Zudem verurteilte er Mittelmäßigkeit durch fehlende Nähe zu Gott als "schlimmer als die Todsünde": "Ein Priester, der nicht betet, landet in der Tonne." Vielleicht halte er durch bis ins hohe Alter, aber nur in Mittelmäßigkeit. Franziskus hatte sich bereits am Donnerstag mit den Seminar-Vertretern getroffen. Seine freie Rede veröffentlichte der Vatikan am Freitag.

Neben der Nähe zu Gott und den Menschen empfahl er Priestern auch die Nähe zum eigenen Bischof. "Es ist wahr, dass es manchmal Bischöfe gibt, Gott bewahre...", so der Papst. Aber zugleich gebe es keine Kirche ohne Bischof. "Entweder Du gehst wie ein Mann zu Deinem Bischof oder Du bittest den Herrn, das Problem zu lösen." Keinesfalls solle der Bischof aufgesucht werden, um sich bei ihm einzuschleimen – etwa für einen besseren Posten. Es gehe darum, ihm nahe zu sein oder ihn zumindest zu respektieren.

Gleiches gelte für den Umgang mit anderen Priestern. Erneut kritisierte Franziskus Klatsch und Tratsch untereinander: "Ihr seid Männer, verhaltet euch wie Männer, seid keine geschwätzigen alten Frauen, bitte." Außerdem dürften die Geistlichen nicht vergessen, woher sie kommen. Seminaristen sollten gelehrt werden, "ihr Dorf, aus dem sie stammen, zu lieben". "Denken Sie daran, woher Sie kommen, dass Sie aus der Herde geholt wurden. Vergessen Sie Ihre Mitarbeiter nicht", so der Papst.

"...dann heiraten sie, das ist in Ordnung"

Die Ausbilder rief er auf, die Seminaristen in verschiedenen Situationen zu begleiten – "mit der klaren Lehre", aber ohne "vorgefertigte Antworten". Dabei müssten Priester ausgebildet werden, "die gute Menschen sind, barmherzig, mit Zärtlichkeit". Der Priester, der Seminarist müsse nahbar sein. Wenn es dann passiere, dass sie den Mädchen in der Gemeinde nahe stünden, "und einige von ihnen sind es, sie stehen sich nahe, dann heiraten sie, das ist in Ordnung".

Beim Treffen am Donnerstag betonte der Papst zudem, dass Priesterseminare eine angemessene Größe haben müssen, um "echte christliche Gemeinschaften" zu sein. Dies erfordere oft eine "Gründung oder Konsolidierung" bistumsübergreifender oder regionaler Einrichtungen. Nur dann sei eine "wirklich gemeinschaftliche Erfahrung in allen Dimensionen der Ausbildung" möglich. Diese Aufgabe müsse von den Bischöfen gemeinschaftlich wahrgenommen werden – vor allem auf Ebene der regionalen oder nationalen Bischofskonferenzen, so Franziskus. Eine "Sehnsucht nach der Vergangenheit" sei nutzlos, betonte das Kirchenoberhaupt. Stattdessen sei es an der Zeit, offen für neue Wege in der Priesterausbildung zu sein. (tmg/KNA)