Frauen nicht zu Diakoninnen zu weihen "völlig inkonsequent"

Bucher: Ständige Diakone sind Speerspitze nachklerikaler Kirche

Aktualisiert am 13.01.2023  –  Lesedauer: 

Rottenburg ‐ Verheiratete Kleriker mit niedrigster Weihestufe: Ständige Diakone sitzen aus Sicht von Rainer Bucher zwischen allen Stühlen. Der Pastoraltheologe erkennt darin aber kein Manko, sondern eine Chance – gerade im Hinblick auf die Zukunft der Kirche.

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Der emeritierte Pastoraltheologe Rainer Bucher hat ständige Diakone als "Speerspitze einer nachklerikalen Kirche" gelobt. Über Jahrhunderte habe es das Amt nicht gegeben, nun werde es von verheirateten Männern bekleidet, die zwar Kleriker seien, aber auf der "niedrigsten Stufe", da sie etwa keine Eucharistie feiern dürften. "Sie haben also drei herrliche Stigmata", sagte Bucher laut Pressemitteilung der Diözese Rottenburg-Stuttgart (Donnerstag) bei einer Tagung über den Diakonat. Dass die Diakone damit zwischen allen Stühlen säßen, sei in Hinblick auf die Zukunft kein Manko, sondern eine Chance.

Diakone haben laut Bucher aufgrund ihrer besonderen Umstände dabei die Freiheit, das zu tun, was das Evangelium ihnen vorgebe. "In dieser offenen Situation brauchen wir eine Organisationsform von Kirche, die Situativität, Experimentalität und Freiheit favorisiert", betonte der Pastoraltheologe. "Wir brauchen eine Abkehr vom Habitus der Selbstverständlichkeit von kirchlichen Rollen, eine Abkehr von pastoraler Routine." Dass Frauen nicht zu Diakoninnen geweiht würden, bezeichnete er als "völlig inkonsequent".

Kirche verliere "nicht nur ihre Gegner, sondern auch ihre Anhänger"

Bucher kritisierte zudem, dass die Kirche mit der strukturellen Abwertung von Frauen, ihrer absolutistischen inneren Verfassung und ihrer Rechtsordnung gegen die Menschenrechte verstoße, die sie eigentlich selbst als christlich begründet wahrnehme. Der Missbrauchsskandal verstärke dies. "Im Ergebnis verliert die Kirche nicht nur ihre Gegner, sondern auch ihre Anhänger", so der Pastoraltheologe. Die Kirche habe ihren Kredit verspielt und bestenfalls noch mit dem Synodalen Weg eine letzte Chance.

In Deutschland gibt es derzeit laut Kirchenstatistik der Deutschen Bischofskonferenz 3.253 Ständige Diakone. Der Name leitet sich vom griechischen διάκονος ab und bedeutet so viel wie "Diener" oder "Helfer". Neben der Diakonie übernehmen Diakone aber auch Aufgaben in der Liturgie und der Verkündigung. Den Diakonat gab es bereits in der Urkirche, er wurde im Laufe der Jahrhunderte aber zu einer bloßen Durchgangsstufe auf dem Weg zum Priesteramt. Das Zweite Vatikanische Konzil hat das Amt des Ständigen Diakons in der Kirche wieder eingeführt. (cbr)