Schachfigur
Steffen Zimmermann über die vor-synodale Diskussionskultur

Plädoyer für einen Neustart

Standpunkt - Steffen Zimmermann über die vor-synodale Diskussionskultur

Von Steffen Zimmermann |  Bonn - 03.06.2015

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.

In vier Monaten beginnt im Vatikan die zweite Runde der Bischofssynode zu Ehe- und Familienfragen. Auf dem Weg dorthin sind alle Gläubigen dazu aufgerufen, sich aktiv an den Diskussionen über die Themen der Synode zu beteiligen. Nach der bereits abgeschlossenen Fragebogen-Aktion des Vatikan könnte für solche Diskussionen – jedenfalls wenn sie über die Grenzen der Pfarreien hinausgehen sollen – das Internet der geeignete Ort sein. Könnte.

Denn was man dort seit Wochen in Blogs, Foren und auf privaten Internetseiten lesen kann oder muss, ist einmal mehr erschreckend. Da wird geschimpft, gedroht und denunziert, da werden Gläubige wahlweise als erzkonservative "Katholiban" oder als alt-liberale Häretiker verunglimpft. Von der Frohen Botschaft unseres Glaubens und der viel zitierten christlichen Nächstenliebe ist in diesen Diskussionen nichts zu spüren. Stattdessen wird man Zeuge eines unappetitlichen Online-Strafgerichts, in dem Andersdenkende auf den digitalen Scheiterhaufen geworfen werden.

Ich habe mir beim Lesen all der vergifteten Kommentare und Debatten zuletzt ein paar Mal vorgestellt, was wohl Außenstehende dazu sagen würden? Wie nehmen sie unsere Kirche und die Diskussionskultur unter uns Katholiken wahr? Ich fürchte, der Eindruck dürfte verheerend sein. Aber nicht nur deshalb, sondern auch um unserer selbst willen: Wollen wir unsere Glaubwürdigkeit als Christen und unsere Anschlussfähigkeit an die Gesellschaft nicht gefährden, brauchen wir für die vor-synodale Diskussion über eine zukunftsfähige Ehe- und Familienpastoral dringend einen Neustart.

Vielleicht bietet das Fronleichnamsfest, das wir morgen feiern dürfen, dazu die passende Gelegenheit. Vielleicht kann uns das Hochfest des Leibes und Blutes Christi, das uns wie kaum ein anderes die Schönheit und das Besondere unseres Glaubens zu zeigen vermag, zur Besinnung bringen. Denn bei aller Notwendigkeit zur (fairen!) Auseinandersetzung – das eucharistische Brot trägt die Kraft in sich, uns alle zu vereinen.

Der Autor

Steffen Zimmermann ist Chef vom Dienst bei katholisch.de.

Diskutieren Sie mit!

Diskutieren Sie über diesen Standpunkt und das Thema auf unserem Facebook-Auftritt.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

Von Steffen Zimmermann