Schachfigur
Sophia Michalzik über die Debatte zur Suizidbeihilfe

Recht auf Leben, Recht auf Sterben?

Standpunkt - Sophia Michalzik über die Debatte zur Suizidbeihilfe

Von Sophia Michalzik |  Bonn - 18.06.2015

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Vom völligen Verbot bis hin zur geregelten Freigabe: In der Debatte um eine Regelung der Beihilfe zum Suizid liegen dem Gesetzgeber nun alle Optionen vor. Bereits Anfang Juli wollen die Parlamentarier das erste Mal über die Vorschläge beraten, im November soll dann endgültig entschieden werden – und das ohne Fraktionszwang. Sprich: Jeder Abgeordnete darf dann frei nach seinem Gewissen und nicht nach der Linie seiner Partei entscheiden.

Vorausgegangen sind den Entwürfen leidenschaftliche Debatten. Viele Abgeordnete hatten im Bundestag teils sehr persönlich ihre jeweilige Einstellung erläutert. Alle haben gute Gründe vorgebracht, warum man die Beihilfe zum Suizid lockern sollte – oder eben nicht. Es liegt nun an jedem einzelnen Parlamentarier zu entscheiden, welcher Grund schwerer wiegt. Das unbedingte Recht auf Leben oder die Willensentscheidung eines jeden Einzelnen? Das Ergebnis birgt schon jetzt Spannung.

Im Zuge dieser Debatte rückt eine andere Diskussion – die auch im Bundestag geführt wird – in den Hintergrund: die um eine Verbesserung des palliativmedizinische Angebotes und den Ausbau der Hospizarbeit. Dass deren Wichtigkeit oft immer noch nicht genug Beachtung findet, ist fatal: Immerhin kann eine gute palliativmedizinische Versorgung den Todeswunsch eines Menschen verhindern. Wer von Schmerzen befreit ist und professionell umsorgt wird, hat sicherlich weniger Grund sein Leben sofort zu beenden als jemand, der nur unter Schmerzen durch den Tag kommt.

Die katholische Kirche weiß um die Bedeutung der Sterbebegleitung. Nicht umsonst fordert sie eine Verbesserung des gegenwärtigen Angebotes und kritisiert den angestrebten finanziellen Ausbau seitens der Politik als zu gering. Ihre Haltung zur Sterbehilfe ist ebenso klar: Die katholische Kirche spricht sich nachdrücklich gegen alle Formen der aktiven Sterbehilfe und der Beihilfe zur Selbsttötung aus. Es ist wichtig, dass die Kirche in der aktuellen Debatte ihre Position vertritt. Besondere Kraft bekommt diese aber erst dadurch, dass sie auch eine Alternative zur Selbsttötung aufzeigt.

Die Autorin

Sophia Michalzik ist Redakteurin bei katholisch.de.

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