Bonifatiuswerk sammelt im hohen Norden Ideen zur Integration von Flüchtlingen

Vorbild Island

Aktualisiert am 25.08.2015  –  Lesedauer: 
Flüchtlinge

Bonn ‐ 80 Prozent der in den vergangenen Jahren nach Deutschland eingewanderten Menschen sind Katholiken. Sie willkommen zu heißen ist das Anliegen der Diaspora-Aktion des Bonifatiuswerks. Im hohen Norden hat sich das Hilfswerk schlau gemacht, wie Integration gelingt.

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Dort, am nordwestlichen Ende Europas, blüht die katholische Kirche gerade durch Einwanderer auf. "Sie ist die in Island am stärksten wachsende Gemeinschaft", weiß Austen. In den vergangenen 20 Jahren stieg die Zahl der Katholiken auf der Insel im Nordatlantik von 2.000 auf rund 12.000 - das sind immerhin 3,25 Prozent der isländischen Bevölkerung. Der Grund sind Arbeitsmigranten - vornehmlich aus Polen, Litauen und von den Philippinen - und Flüchtlinge, die auf der Vulkaninsel im Nordmeer Arbeit in der Fischerei, im Tourismus oder Bauwesen gefunden haben. Und sich dort offenbar wohlfühlen.

Die katholische Kirche dort sei eine "Einwandererkirche", die kaum Isländer zählt, dafür aber Menschen aus 80 bis 100 Nationen. "Hier wird jeden Tag Pfingsten gefeiert", freut sich Austen über die bunte Mischung. Nach der Beobachtung von Peter Bürcher, Bischof des Bistums Reykjavik, wagen vor allem junge Menschen auf der Suche nach Arbeit den Weg nach Island, "das junge Alter der Gemeindemitglieder prägt die Gemeinde und die Schwerpunkte der Seelsorge".

Andere Kultur als Bereicherung

Austen beeindruckt besonders "der starke Dienst der Kirche bei der Integration - die andere Kultur wird nicht als etwas Befremdliches erlebt, sondern als Bereicherung". Neben den Landsleuten seien vor allem die 18 Priester und 33 Ordensleute Ansprechpartner bei Problemen. Dabei gehen die kirchlichen Mitarbeiter - nur ein Priester stammt von Island - selbst mit gutem Beispiel voran und lernen Isländisch, "eine der schwierigsten Sprachen der Welt", sagt Austen - Voraussetzung, um hier auch Arbeit zu finden. Auch die lange Dunkelheit im Winter, die weiten Strecken und Einsamkeit in dem dünn besiedelten Land mache vielen zu schaffen.

Der Präsident des Bonifatiuswerkes, Georg Freiherr von und zu Brenken (3. v. r), und der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen (3. v. l.), präsentieren mit den Mitarbeitern das Bonifatiuswerk als Hilfswerk für den Glauben.
Bild: ©Bonifatiuswerk

Der Präsident des Bonifatiuswerkes, Georg Freiherr von und zu Brenken (3. v. r), und der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen (3. v. l.), präsentieren mit den Mitarbeitern das Bonifatiuswerk als Hilfswerk für den Glauben.

Die Gottesdienstfeier habe eine starke Integrationskraft - vor allem durch das "achte Sakrament", das gemeinsame Kaffeetrinken im Anschluss an den Gottesdienst, wie Austen schmunzelnd bemerkt. So werde die Gemeinde zum "Ort der Beheimatung". Diese Menschen hätten vieles hinter sich lassen müssen - "ihren Glauben haben sie mit im Gepäck". Viele Lebensgeschichten und Kulturen seien so "über den Glauben verbunden und vom Glauben getragen", beobachtet der Gast aus Deutschland. Trotz finanzieller Schwierigkeiten seien die Gemeinden in Island deshalb sehr lebendig. "Die katholische Kirche ist sehr positiv besetzt - die Menschen fühlen sich hier sehr willkommen."

Lebendige Willkommenskultur gestalten

Austen nimmt nach Deutschland auch die Frage mit, wie die Kirche mit Menschen umgeht, die "unsere Gemeinschaft kennenlernen möchten". Fühlen sie sich angenommen, können sie sich einbringen? Wie erleben sie Gemeinschaft? Es gehe nicht um Strukturen, sondern "um konkrete Menschen und Gesichter".

In einer Zeit, in der immer mehr Einwanderer, Zugezogene und Flüchtlinge eine neue Heimat suchen, hält es das Bonifatiuswerk für "notwendiger denn je, eine lebendige Willkommenskultur zu gestalten, die Neuankömmlinge in unseren Gemeinden mit offenem Herzen begegnet", erklärt Patrick Kleibold, Sprecher des Bonifatiuswerkes. Um ihnen das Einleben zu erleichtern und Gemeinden eine Hilfestellung an die Hand zu geben, stellt katholische Hilfswerk nun in Berlin eine "Willkommenstasche" vor. Sie soll zeichenhaft eingesetzt werden, um neue Gemeindemitglieder "mit offenen Armen willkommen zu heißen", so Kleibold.

Von Angelika Prauß (KNA)