Schachfigur
Ulrich Waschki plädiert für ein Einwanderungsgesetz

Abschotten geht nicht!

Standpunkt - Ulrich Waschki plädiert für ein Einwanderungsgesetz

Von Ulrich Waschki |  Bonn - 03.09.2015

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Die Erfahrungen dieser Wochen zeigen: Abschotten geht nicht. Keine abgeriegelte Grenze, kein Zaun, keine Mauer wird Flüchtlinge davon abhalten, in den reichen Norden Europas zu drängen. Die Festung Europa wird immer löchrig bleiben. Gut so - denn die Abschottung vor den Flüchtlingen ist nicht nur unmöglich, sie ist auch zutiefst unfair und unchristlich.

Was wir derzeit neben allen schönen Zeichen der Solidarität erleben, ist ein Desaster. Menschen sterben, weil sie bei uns ein besseres Leben suchen. Die Mahnungen von Papst Franziskus auf Lampedusa vor zwei Jahren haben Schlagzeilen gemacht, verändert haben sie nichts. Das Mittelmeer wird zum Friedhof, die Grenzen Europas zum Todesstreifen.

Jetzt gilt es, viele Dinge gleichzeitig anzupacken: Die Versorgung und Unterbringung der Flüchtlinge, die gerechte Verteilung in Europa, der Kampf gegen menschenverachtende Schleuser. Und in Deutschland steht - allerdings schon lange - eine Aufgabe an: Wir brauchen ein Einwanderungsgesetz.

Deutschland kann nicht den Zuzug auf Menschen beschränken, die vor Krieg und Verfolgung fliehen und im strengen Sinne Anrecht auf Asyl bei uns haben. Denn das Wohlstandsgefälle in der Welt bleibt. Wer will es Familien aus dem Kosovo verübeln, dass sie zu uns kommen, weil sie hier selbst als Hilfsarbeiter besser leben als in ihrer Heimat und eine Perspektive für ihre Kinder auf Bildung, Ausbildung und Arbeit bekommen?

Richtig, wir müssen helfen, die Bedingungen in den Herkunftsländern der Flüchtlinge zu verbessern. Doch das dauert. Schon jetzt brauchen wir einen Weg, um legal nach Deutschland zu kommen. Ein Ventil, das den Einwanderungsdruck senkt. Und genau dabei kann ein Einwanderungsgesetz helfen. Viel zu lange haben linke Multikulti-Naivität und konservative Einwanderungsverweigerung zu einem Stillstand in dieser Frage geführt.

Einwanderung kann geregelt werden - wer darf kommen? Welche Integrationshilfen und -forderungen gibt es? Dann kann man auch negativen Folgen vorbeugen. Einwanderung ist eine Frage der Gerechtigkeit und Solidarität - unseren Reichtum müssen wir teilen. Unsere Gesellschaft profitiert dabei sogar noch: Sie wird bunter, offener - und jünger. Arbeitsmarkt und Sozialsysteme brauchen die Zuwanderung.

Der Autor

Ulrich Waschki ist Geschäftsführer und Chefredakteur der Verlagsgruppe Bistumspresse.

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