Elisabeth II. feiert Monarchenrekord – doch welcher Papst hat die längste Amtszeit?

Länger als jeder Papst

Aktualisiert am 09.09.2015  –  Lesedauer: 
Geschichte

Bonn ‐ Seit heute ist Elisabeth II. die am längsten regierende Monarchin Großbritanniens. Pius IX. hat mit 31 Jahren gerade einmal halb so lange regiert. Katholisch.de nutzt diesen Tag, um Ihnen die am längsten amtierenden Päpste vorzustellen.

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Petrus – 31 bis 35 Jahre (?)

Außer Konkurrenz läuft natürlich der Apostelfürst Petrus. Laut altkirchlicher Tradition war er der erste Bischof von Rom. Doch erst seine letzte Missionsreise führte Petrus in die "Ewige Stadt". Wie Paulus starb auch er in Rom den Märtyrertod. Von dem "Felsenzusage" Jesu ("auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen") im Jahr 32 oder 33 bis zu seinem Tod zwischen 64 und 67 würde sein "Pontifikat" bis zu 35 Jahre dauern. Doch bis zum Jahr 235 sind die Päpste nicht wirklich historisch gesichert – damals trug der Bischof von Alexandria erstmals diesen Titel. Die Bischöfe von Rom tragen erst seit dem 5. Jahrhundert den Ehrentitel Papst.

Die Petrus-Statue aus dem Petersdom in Rom.
Bild: ©picture-alliance/dpa/Lars Halbauer

Die Großstatue des Apostels Petrus auf dem Petersplatz in Rom.

Pius IX. – 31 Jahre, 8 Monate

Von 1846 bis 1878 war Pius IX. (bürgerlich: Giovanni Maria Mastai-Ferretti) Papst. Es ist nicht nur wegen der langen Amtszeit ein Pontifikat der Superlative, sondern auch wegen der Epoche des Umbruchs, in der es stattfand. So war er der letzte "Papa Re" (Papst-König) mit eigenem Kirchenstaat. Dieser fiel während seiner Amtszeit an das Königreich Italien – zwei Jahre lebte Pius IX.  im Exil in Gaeta zwischen Rom und Neapel und betrachtete sich danach als Gefangener im Vatikan. 1854 verkündete er das Dogma der Unbefleckten Empfängnis Mariens und verurteilte zehn Jahre später im Syllabus errorum 80 "Irrtümer" der Moderne. Höhepunkt seiner Amtszeit war das Erste Vatikanische Konzil (1869-1870), auf dem die Päpstliche Unfehlbarkeit beschlossen wurde.

Johannes Paul II. – 26 Jahre, 6 Monate

Den meisten Katholiken der Gegenwart steht der erste Papst aus Polen, Johannes Paul II. (bürgerlich: Karol Wojtyla), noch lebhaft vor Augen: der sportliche Mann, der Reisetätige, der Überlebende eines Attentats, der in der Öffentlichkeit alternde und sterbende Pontifex. Von 1978 bis 2005 prägte er die Kirche unter anderem durch viele Heiligsprechungen und den Weltjugendtag. Die säkulare Welt behält seine politischen Botschaften gegen den Kalten Krieg und später gegen die Vergeltungskriege der USA nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in Erinnerung. Und nach "santo subito"-Rufen bei seinem Begräbnis wurde Johannes Paul II. im Eiltempo unter seinem Nachfolger Benedikt XVI. selig- und unter Franziskus 2014 heiliggesprochen.

Leo XIII. – 25 Jahre, 5 Monate

Er wirkte als Versöhner der Kirche mit der modernen Welt, nachdem sein Vorgänger Pius IX. einen Kurs der Abschottung gefahren hatte: Leo XIII. (bürgerlich: Vincenzo Gioacchino Pecci) war von 1878 bis 1903 Papst. Er war sehr politisch und schreibfreudig, wandte sich mit dem Rekord von 86 Enzykliken an die Gläubigen. Die erste Sozialenzyklika "Rerum novarum", in der er sich der drängenden Arbeiterfrage widmete, begründete die katholische Soziallehre. Leo XIII. wirkte als Diplomat auf internationalem Parkett, öffnete die Vatikan-Archive für die Wissenschaft und zeichnete sich durch ökumenische Gesinnung aus. Er starb mit 93 Jahren – kein Papst wurde älter.

Leo XIII. war von 1878 bis 1903 Papst der katholischen Kirche. Dieses Porträt wurde 1878 am Beginn seines Pontifikats aufgenommen.
Bild: ©picture-alliance / akg-images

Leo XIII. war von 1878 bis 1903 Papst der katholischen Kirche. Dieses Porträt wurde 1878 am Beginn seines Pontifikats aufgenommen.

Pius VI. – 24 Jahre, 6 Monate

Pius VI. (bürgerlich: Giovanni Angelo Graf Braschi) war von 1775 bis 1799 Papst. In sein Pontifikat fielen zunächst starke staatliche Eingriffe und apostolische Reisen zu Königs- und Fürstenhöfen, die oft vergeblich waren. So schaffte Kaiser Joseph II. in Österreich das Glaubensmonopol der katholischen Kirche ab und hob kontemplative Orden auf. Nach dem Ausbruch der Französischen Revolution 1789 kritisierte Pius VI. die Menschenrechtserklärung. Französische Truppen besetzten 1796 den Kirchenstaat, zwei Jahre später wurde Pius VI. von Napoleon als Souverän abgesetzt und zunächst verbannt, dann nach Frankreich verschleppt. Dort starb der Papst in Gefangenschaft am 29. August 1799 in Valence.

Hadrian I. – 23 Jahre, 11 Monate

Das Pontifikat von Hadrian (772-795) blieb ein Jahrtausend lang, bis Pius VI., das längste der Geschichte. Er versuchte, aus dem schwierigen Bündnis mit den Langobarden herauszukommen, indem er den Frankenkönig Karl den Großen um Hilfe bat. 774 kam es zur "karolingischen Schenkung", die den Kirchenstaat vergrößerte. Hadrian ließ außerdem wieder die Bilderverehrung zu, die drei Jahrzehnte zuvor im Zuge des Byzantinischen Bilderstreits verurteilt worden war.

9.9.2015, 17.45 Uhr: aktualisiert um Petrus

Von Agathe Lukassek