"Ödipus Exzellenz" war vom Spielplan genommen worden

Demo gegen Absage von Missbrauchsstück vor dem Theater Osnabrück

Veröffentlicht am 21.08.2025 um 18:58 Uhr – Lesedauer: 

Osnabrück ‐ Die Absetzung eines Theaterstücks in Osnabrück zu Missbrauch in der Kirche sorgt für Ärger. Betroffene, Aktivisten und Künstler demonstrieren gegen das Aus der Inszenierung. Das Bistum dementiert Einflussnahme.

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Gegen die Absetzung des Stücks "Ödipus Exzellenz" am Theater Osnabrück haben am Donnerstag gut 100 Menschen protestiert. Das Drama sollte sich in der kommenden Saison mit sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche befassen, war aber wegen Meinungsverschiedenheiten zwischen Regie-Team und Intendanz abgesagt worden. Mehrere Sprecher, darunter Betroffene von Missbrauch und Ensemble-Mitarbeiter, kritisierten die Entscheidung scharf.

Am Ende gehe es doch um "die gesamtgesellschaftliche Übernahme von Verantwortung für Missbrauch an Kindern und Jugendlichen", sagte die frühere Bundestagsabgeordnete Angela Marquardt als Moderatorin der Protestveranstaltung. "Dieser gesellschaftliche Diskurs darf durch die Einschränkung von Kunstfreiheit nicht behindert werden."

Intendant Ulrich Mokrusch hatte das Stück aus dem Spielplan genommen und das künstlerische Leitungsteam entlassen. Schauspieler Thomas Kienast kritisierte "das Verbot" scharf: "Theater muss weh tun, wenn es wichtige Themen anzusprechen hat." Medienberichten zufolge hatte unter anderem die Darstellung eines Gottesdienstes auf der Bühne für Streit gesorgt. Das Anliegen des Stücks, Missbrauch in der katholischen Kirche zu thematisieren, sei dagegen unstrittig gewesen.

Kein Kirchenvertreter bei Kundgebung

Der Regisseur des abgesagten Stücks, Lorenz Nolting, erklärte, auch die Kirche sei seiner Erfahrung nach an der Aufarbeitung von Missbrauch durchaus interessiert. Insofern sei es bedauernswert, dass kein Kirchenvertreter zur Kundgebung gekommen sei. Karl Hauke als Betroffener, der an der Inszenierung des geplanten Theater-Stücks beteiligt war, kritisierte die Absage des Bistums: Dort habe man wohl den Eindruck, "nur verlieren zu können".

Im Vorfeld hatte sich das Regie-Team um Regisseur Nolting bei Bistumsvertretern sowie der Universität Osnabrück auch über die Studie zum Umgang mit Missbrauch in der Diözese informiert. Laut Simon Kampe, Ombudsmann des Bistums für Betroffene sexualisierter Gewalt, hatte die Diözese sogar damit begonnen, ein Begleitprogramm zur "Ödipus"-Produktion zu entwerfen. Insofern sei die Absage des Theaterstücks "bedauerlich". (KNA)