Was die Schrift über Abschied, Leiden und Vollendung sagt

Mose, Ijob und Stephanus: Was lehrt uns die Bibel zum Tod?

Friedhofskerze mit Kreuz
Bild: Jörg Loeffke/KNA

Besonders im Alten Testament sterben so einige Menschen. Manche sind eine simple Aufzählung in den Ahnenlisten, andere ein namenloser Teil großer Massentode. Viele Menschen sterben grausame Tode in den Kriegen der Könige. Doch an einigen Stellen beschäftigen sich die Verfasser auch genauer mit dem Tod. Das Ende dieser Menschen kann uns Trost und Lehre sein. Der Tod wird zur Vollendung eines guten Lebens – egal ob verfrüht oder in hohem Alter. Immer sehen wir: Gott ist da.

Mose – Kurz vor knapp gescheitert?

Viele, viele Jahre sind seit dem brennenden Dornbusch und den Zehn Geboten vergangen, als Mose noch einmal auf einen Berg steigt. Laut der Bibel ist er "hundertzwanzig Jahre alt, als er starb" (Dtn 34,7). Im sprichwörtlich biblischen Alter blickt er auf das versprochene Land, erreicht es selbst aber nie.

Die Bibel betont seine gute gesundheitliche Verfassung und erklärt nicht, ob das Alter die Todesursache ist. Abraham wurde immerhin 175 Jahre alt. Anders als er stirbt Mose nicht "lebenssatt" (Gen 25,8) mit geregeltem Erbe im Kreise seiner Liebsten. Doch alles ist, "wie es der HERR bestimmt hatte" (Dtn 34,5). Obwohl er vielleicht hätte älter werden können, das Land nie selbst betritt und seine Familie nicht da ist.

Mose auf Berg
Bild: © Montage katholisch.de Laurarivera/Kamchatka by Canva (Symbolbild)

"Mose stieg aus den Steppen von Moab hinauf auf den Nebo, den Gipfel des Pisga gegenüber Jericho, und der HERR zeigte ihm das ganze Land." (Dtn 34,1)

Moses Leben – von Anfang bis Ende in Gottes Händen – endet mit der Erfüllung seiner Aufgabe. Er hat sein Volk aus der Sklaverei geführt und kann sicher sein, dass sie das Land erreichen, das Gott ihm zeigt. Und er stirbt nicht allein. Am Ende sind sie wieder zu zweit: Mose und Gott, der sein Versprechen gehalten hat.

Ijob – Sehnsucht nach Ruhe

Ijob wünscht sich den Tod. Er wünscht sich sogar, nie gelebt zu haben, so unerträglich scheint ihm sein Leiden. "Noch hatte ich nicht Frieden, nicht Rast, nicht Ruhe, da kam neues Ungemach heran" (Ijob 3,26), klagt er seinen Freunden.

Und die machen es ihm nicht unbedingt leichter. Sie vermuten, all das Unglück sei eine Strafe für etwas, das Ijob angestellt hat. Verzweifelt klagt er Gott an, dass er das alles nicht verdient habe. Und die Bibel stimmt ihm zu, von Anfang an wird er als "untadelig und rechtschaffen" (Ijob 1,1) beschrieben. Möglicherweise sind es genau diese Ungerechtigkeit und die wenig tröstlichen Worte der Freunde, die Ijob helfen.

Baum vor Wüste
Bild: © Montage katholisch.de zenzeta/Kamchatka by Canva (Symbolbild)

Ijob und seine Freunde sprachen vielleicht in einer ähnlichen Szenerie miteinander.

Die Schmerzen über seine Verluste und sein körperlicher Zustand scheinen ihm unerträglich. Er beschreibt den Tod als Ort, an dem die ausruhen, "deren Kraft erschöpft ist" (Ijob 3,17). Doch etwas Kraft hat Ijob noch, vielleicht provoziert durch die erlittene Ungerechtigkeit. Wütend und verzweifelt bietet er Gott und seinen Freunden die Stirn. Er wendet sich nicht von Gott ab. 

Als er viele Jahrzehnte später tatsächlich stirbt, vollendet sein Tod den Erfolg der Probe. Er stirbt wie die großen Figuren des Alten Testaments. Wie Judit übergibt er im hohen Alter einer großen Kinderschar sein Erbe. Wie Abraham stirbt er "hochbetagt und satt an Lebenstagen" (Ijob 42,17).

Stephanus – willensstark und überzeugt?

Auch der erste Märtyrer kennt die Geschichte von Mose gut. Vor dem Hohepriester legt er darüber Zeugnis ab. Und er fragt: "Welchen der Propheten haben eure Väter nicht verfolgt?" (Apg 7,52)

Stephanus' anklagende Worte, die den Tod Jesu kritisieren, führen zu seinem Tod. Die Menschen "hielten sich die Ohren zu" (Apg 7,57), wollen seine Botschaft nicht hören. Der Zorn der Menge führt zu seinem grausamen Ende. 

An der Steinigung beteiligt ist einer, der später zum Apostel der Völker wird. Doch Stephanus Tod ist nicht nur ein beeindruckendes Zeugnis eines überzeugten Mannes. Er stirbt mit sich selbst im Reinen und wünscht seinen Mördern: "Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!" (Apg 7,60). 

So bekannt dieses Zitat ist, so unbegreiflich ist diese Geisteshaltung. Das schafft der Märtyrer nicht allein und aus reiner Willenskraft. Vor seinem Tod sieht er "die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen" (Apg 7,56). So wie Mose und Ijob ist Stephanus im Angesicht des Todes nicht sich selbst überlassen. Gott ist da. 

Carina Adams