2024 rechtskräftig verurteilt – und jetzt privatinsolvent

Über halbe Million Euro: Priester veruntreute mehr als gedacht

Veröffentlicht am 17.03.2026 um 11:39 Uhr – Lesedauer: 

Trier ‐ 2024 wurde ein Trierer Priester verurteilt, weil er rund 130.000 Euro gestohlen und für Reisen und ein teures Auto ausgegeben hat. Nach einer Revision der Konten ist nun klar: Der Schaden ist weitaus größer.

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Ein Priester aus dem Bistum Trier hat deutlich mehr Geld veruntreut als bislang angenommen. Die kirchliche Revision aller Konten, auf die der Priester zwischen 2001 und 2012 Vollmacht gehabt habe, sei abgeschlossen, bestätigte das Bistum Trier auf Anfrage von katholisch.de am Dienstag. Zuerst hatte der "Südwestrundfunk" (SWR) darüber berichtet. Die Revision habe ergeben, dass der Geistliche in diesem Zeitraum rund 247.000 Euro rechtswidrig veruntreut habe. "Zu den Geschädigten gehören die Kirchengemeinde und Gruppierungen innerhalb der Kirchengemeinde sowie externe Gruppierungen wie etwa Hilfswerke", so das Bistum.

Zwischen 2013 und 2015 habe der Priester zudem rund 45.000 Euro veruntreut. In dieser Zeit sei er in zwei anderen Pfarreiengemeinschaften tätig gewesen. "Die Summe des Schadens liegt damit bei rund 292.000 Euro, davon Spendengelder in Höhe von rund 217.000 Euro." Die Revision für diesen Zeitraum hatte bereits ergeben, dass der Geistliche rund 287.000 Euro veruntreut hatte. "Der Gesamtschaden beträgt somit rund 579.000 Euro."

Priester hat Privatinsolvenz angemeldet

Die Ergebnisse der Untersuchung haben Bistumsverantwortliche den Angaben zufolge an die zuständige Staatsanwaltschaft weitergeleitet. "Diese hat mitgeteilt, dass die Ermittlungen wegen Verjährung wieder eingestellt wurden." Eine kirchenrechtliche Voruntersuchung sei im November 2025 eingeleitet worden aber noch nicht abgeschlossen. Seinen Verpflichtungen zur Rückzahlung komme der Geistliche gemäß Gerichtsurteil nach. "Er ist weiterhin von seinen priesterlichen Aufgaben entbunden. Er hat eine administrative Aufgabe außerhalb der Pastoral", so das Bistum.

In der vergangenen Woche war bereits bekannt geworden, dass der Priester Privatinsolvenz angemeldet hat. "Das Bistum wird nun von einer externen Stelle aufarbeiten lassen, welche möglichen Forderungen welcher Gläubiger bestehen, ob diese Forderungen aus einer unerlaubten Handlung herrühren, was der dahinterstehende Lebenssachverhalt ist und wie hoch die einzelne Forderung konkret ausfällt", erklärte eine Sprecherin des Bistums gegenüber katholisch.de. Nach dem Abschluss dieser Aufarbeitung würden Bistum und gegebenenfalls auch die Kirchengemeinden "die entsprechend weiteren Schritte" gehen. Bereits jetzt würden die Kontrollmechanismen innerhalb des Bistums überprüft und angepasst. Eine Stelle für Compliance-Management sei zusätzlich eingerichtet worden.

Im November 2024 war der Geistliche wegen finanzieller Veruntreuung rechtskräftig zu einer 21-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Urteil bezog sich damals auf die Veruntreuung von 130.000 Euro. Der Pfarrer hatte die Kirchenmittel auf eigene Konten umgeleitet. Im Prozess sagte er aus, das Geld für Luxusgüter, Reisen und ein teures Auto verwendet zu haben. Nach gesundheitlichen Problemen habe er sich etwas gönnen wollen. Der Priester räumte sein Fehlverhalten ein und entschuldigte sich dafür. (cbr)