Standpunkt

Franziskus hat die Kirche menschlicher und nahbarer gemacht

Veröffentlicht am 22.04.2026 um 00:01 Uhr – Von Christof Haverkamp – Lesedauer: 

Bonn ‐ Ein Jahr nach dem Tod von Papst Franziskus zieht Christof Haverkamp eine positive Bilanz des Pontifikats. Jorge Mario Bergoglio habe die Kirche verändert. Bleiben werde der Gedanke der Synodalität.

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Am 21. April starb Franziskus, der erste Papst aus Lateinamerika und der erste Jesuit im Amt. Mit dem Abstand eines Jahres stellt sich die Frage neu, was von seinem zwölfjährigen Pontifikat bleibt. Nun ist auch der Vergleich zu seinem Nachfolger Leo XIV. möglich. Als Franziskus 2013 sein Amt antrat, überraschte er mit seinem betont schlichten Stil. Die schwarzen Schuhe, die abgewetzte Aktentasche, seine Wohnung im Gästehaus Santa Marta und der Kleinwagen, den er nutzte: Alles wirkte bescheiden.

Heute fragt man sich: War dies nur eine Episode in der jüngeren Papstgeschichte? Sein Nachfolger kehrt bekanntlich zum traditionellen Stil zurück. Franziskus betrieb jedoch mehr als nur symbolische Veränderungen. Soziale Gerechtigkeit und Barmherzigkeit waren ihm wichtig. Jorge Mario Bergoglio wollte eine Kirche, die sich um Obdachlose und Flüchtlinge kümmert und an die Ränder der Erde geht.

Franziskus begann sein Pontifikat in einer Zeit, in der die katholische Kirche in einer Krise steckte, nicht nur wegen der Missbrauchsfälle. Zentralismus und Klerikalismus wurden heftig kritisiert. Der Papst aus Argentinien machte die Kirche nahbarer und menschlicher und betonte die Bedeutung des Zuhörens. Wenn sich Bischöfe heute freier zu strittigen Themen äußern können, ohne Nachteile befürchten zu müsse, liegt das wesentlich an Franziskus.

Seine wegweisenden Schreiben "Evangelii gaudium" (zur Verkündigung des Evangeliums), "Amoris laetitia" (über die Liebe in der Familie) und "Laudato si'" (zum Umwelt- und Klimaschutz) bleiben hoffentlich unvergessen. Auch der Gedanke einer Kirche der Beteiligung und der Synodalität, in der viele Seiten gehört werden, sollte bleiben.

Gegen Ende des Pontifikats wuchsen zwar die Enttäuschungen, weil Franziskus den Traditionsorientierten zu weit ging und längst nicht alle Erwartungen der Reformer erfüllte. Doch diese Sichtweise übersieht leicht, dass synodale Vorgänge reifen müssen wie ein guter Wein. Der humorvolle Hirte aus dem Süden war nicht fehlerfrei, hat aber viele positive Akzente für die katholische Kirche gesetzt.

Von Christof Haverkamp

Der Autor

Christof Haverkamp ist Pressesprecher und Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der katholischen Kirche in Bremen und Senderbeauftragter der katholischen Kirche bei Radio Bremen.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.