Ein Jahr später

Nach Untersuchung im Fall um Pfarrer Meurer: Hilfswerk zieht Bilanz

Veröffentlicht am 29.04.2026 um 18:30 Uhr – Lesedauer: 

Aachen ‐ Nach einem Untersuchungsbericht im vergangenen Jahr, berichtet das Hilfswerk Missio von ergriffenen Maßnahmen. Es geht um Pfarrer Leonhard Meurer und den Umgang mit seiner Sammlung aus Westafrika.

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Ein Jahr nach Veröffentlichung des Untersuchungsberichts zur früheren Zusammenarbeit des katholischen Hilfswerks missio Aachen mit Pfarrer Leonhard Meurer, wurden mehrere Empfehlungen umgesetzt und Maßnahmen angestoßen. Das teilte das Hilfswerk am Mittwoch mit.

Hintergrund ist ein im März 2025 veröffentlichter Abschlussbericht, der dem Hilfswerk bescheinigte, spätestens seit 1978 von Missbrauchsvorwürfen gegen Meurer gewusst und dennoch mit ihm zusammengearbeitet zu haben. Geleitet wurde die Unterschung von der Kölner Rechtsanwältin Bettina Jansen. Missio erklärte damals, Teil eines kirchlichen Systems des Wegschauens und der Vertuschung gewesen zu sein, bedauerte dies ausdrücklich und kündigte Konsequenzen an. Meurer war Priester des Bistums Aachen. Gegen ihn wurden erstmals 2020 Tatvorwürfe sexualisierter Gewalt veröffentlicht.

Im Mittelpunkt dieser Konsequenzen steht laut Mitteilung des Hilfswerks der Umgang mit der sogenannten "Sammlung Africana", einer rund 2.500 Objekte umfassenden Artefaktsammlung aus Westafrika die Meurer zusammengestellt hatte, die sich im Besitz des Hilfswerks befindet. Ein extern moderierter Runder Tisch empfahl nach vier Sitzungen, die inzwischen inventarisierte Sammlung zu klassifizieren. Kulturell sensible oder durch den Missbrauchskontext belastete Stücke sollten möglichst in Abstimmung mit Vertretern der Herkunftsgesellschaften zurückgeführt werden, heißt es.

Umgang soll öffentlich dargestellt werden

Für unbelastete Objekte sollen Schenkungen an Museen und Forschungszentren in afrikanischen Ländern oder ein Verkauf geprüft werden. Einnahmen daraus könnten laut Empfehlung in Präventions- und Schutzprojekte fließen. Zudem solle die Geschichte der Sammlung sowie der Umgang des Hilfswerks mit dem Fall öffentlich dargestellt werden.

Das Hilfswerk verwies zudem auf weitere Schritte zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt. Dazu zählen Gespräche mit anderen Bistümern, politische Vorstöße zu Verjährungsfristen sowie Fachveranstaltungen zu Verantwortung und Prävention im kirchlichen Bereich. Auf politischer Ebene setze man sich für eine Verlängerung oder gar Abschaffung der gesetzlichen Verjährungsfristen für sexuellen Kindesmissbrauch ein. Hierzu richtete das Hilfswerk Briefe an die Bundesministerien für Justiz, Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. (KNA)