Erzbischof Stefan Heße bei der Herbstvollversammlung 2015 der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda.
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Hamburger Erzbischof übt Kritik an Flüchtlingspolitik der Bundesregierung

Heße tritt Amt als Flüchtlingsbeauftragter an

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße hat sein Amt als Beauftragter für Flüchtlingsfragen der Deutschen Bischofskonferenz angetreten. Bei der Vorstellung in Hamburg am Donnerstag übte er deutliche Kritik an Plänen zur Einschränkung des Familiennachzugs.

Bonn/Hamburg - 12.11.2015

Dagegen sei das Anliegen zu begrüßen, Asylverfahren zu beschleunigen, so der Hamburger Erzbischof Heße weiter. Dabei müsse aber gewährleistet sein, dass jeder Flüchtling Rechtsberatung erhalten könne und die Asylanträge sorgfältig und unvoreingenommen geprüft werden. "Da Fragen von Flucht und Asyl die ethischen Grundsätze des Christentums berühren, begleiten wir politische Entwicklungen in diesem Bereich mit besonderer Aufmerksamkeit", sagte Heße.

Die derzeitigen Anstrengungen staatlicher Stellen zur Versorgung der vielen Flüchtlinge verdienten große Anerkennung. Heße war bei der Herbstvollversammlung der Bischöfe im September zum Flüchtlingsbeauftragten ernannt worden. Der 49-Jährige ist seit März Erzbischof in Hamburg.

Linktipp: Ein Netz aus Hilfe

Papst Franziskus rief Anfang September jede katholische Einrichtung Europas auf, eine Flüchtlingsfamilie aufzunehmen. Schon am Tag danach haben sich viele deutsche Bistümer zu Wort gemeldet. Katholisch.de sammelt die Informationen aus den Diözesen.

Kritisch äußerte sich Heße auch zur Wiedereinführung des Dublin-III-Verfahrens für Syrer, die über ein anderes EU-Land einreisen und dorthin zurückgeschickt werden können. Flüchtlinge dürften nicht in einem Land festgehalten werden, sagte der Erzbischof. Jeder, der Deutschland erreiche, müsse hier einen Asylantrag stellen können. Notwendig sei es auch, zu einheitlichen Standards in der EU für die Bearbeitung der Asylanträge zu kommen.

Gefährliche Rhetorik

Als "gefährlich" bezeichnete der Beauftragte die derzeitige Rhetorik einiger Politiker in der Flüchtlingspolitik. Niemand solle vergessen, dass es sich bei den Flüchtlingen nicht um "Problemfälle", sondern immer um konkrete Menschen handele. Flucht und die damit einhergehende Not würden für jeden hierzulande im Alltag erfahrbar, sagte der Erzbischof. Deshalb müsse die von Papst Franziskus geforderte "Globalisierung der Nächstenliebe" jetzt "direkt in unserer Nachbarschaft stattfinden".

Heße lobte die Hilfen in allen 27 katholischen deutschen Diözesen, der Hilfswerke und Caritasverbände, Ordensgemeinschaften und mehr als 100.000 Ehrenamtlichen in den Kirchengemeinden. Seine Aufgabe als Sonderbeauftragter werde es sein, eine stärkere überdiözesane Zusammenarbeit zu fördern. Geklärt werden müssten Fragen etwa nach dem Bedarf zusätzlicher Angebote und einem besseren Einsatz von Ressourcen. Doppelstrukturen sollten vermieden werden.

Flüchtlingsgipfel in Würzburg

Der Erzbischof verwies auf den Katholischen Flüchtlingsgipfel am 24. November in Würzburg, an dem rund 100 Vertreter von Organisationen teilnehmen sollen. Themen des Treffens sollen unter anderem die Unterstützung des ehrenamtlichen Engagements und die Qualifizierung von Mitarbeitern in der Flüchtlingshilfe sein. Das Treffen soll über Leitlinien, Leitbilder und Handlungsaufträge der kirchlichen Flüchtlingshilfe beraten und Anregungen für die Arbeit des Flüchtlingsbeauftragten  Heße sammeln. (kim/KNA)

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Ob Naturkatastrophen, Armut oder Terror: Täglich verlassen Menschen ihre Heimat, um anderswo ein neues, ein besseres Leben zu beginnen. Die Flüchtlinge kommen auch nach Deutschland. Das bedeutet eine große Herausforderung für Politik, Gesellschaft und Kirche.