Katholische Kirche sieht Militäreinsatz in Syrien kritisch

"Ein militärisches Abenteuer"

Aktualisiert am 04.12.2015  –  Lesedauer: 
Syrien

Bonn ‐ Die katholische Kirche sieht die geplante Beteiligung der Bundeswehr am Militäreinsatz gegen den "Islamischen Staat" (IS) in Syrien kritisch. Durch den Einsatz werde die Gewaltspirale nicht gestoppt, sind sich Kirchenvertreter sicher.

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Das Parlament habe beschlossen, "dass auch wir in einen Krieg hineingehen, der mit Gewalt und Töten verbunden ist", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Freitag in München. "Das sollte nicht nur hoffnungsfroh machen, sondern auch traurig." Die Krise sei allein mit Gewalt nicht zu lösen, so Marx weiter. "Ohne langfristige Idee wird es keinen Frieden geben, die Zahl der Flüchtlinge wird noch steigen."

Marx: Glaube gibt Antworten

Es sei zwar nicht Aufgabe der Kirche, selbst Politik zu machen. Sie sollte aber "Prinzipien klar machen, Leitlinien verkünden, Möglichkeiten aufzeigen", die Voraussetzung von Politik seien. Der christliche Glaube könne helfen, die Augen aufzumachen, vom Evangelium her Antworten zu finden, die nicht nur für einen Tag gelten würden, so Marx weiter. "Der Glaube vernebelt nicht, und wir sind keine sogenannten Gutmenschen, die im Gegensatz zu den Realpolitikern stehen."

An die Kriterien der kirchlichen Friedenslehre, die eine Orientierungshilfe bei der Entscheidungsfindung in solch schwierigen Situationen sein sollte, erinnerte der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck. "Demnach darf die Anwendung militärischer Gewalt nur als Ultima Ratio, als letztes Mittel in Betracht gezogen werden und bedarf einer begründeten Aussicht auf Erfolg", erklärte er.

"In hohem Maß legitimationsbedürftig"

In Bezug auf die Bundestagsentscheidung sei es zudem wichtig, dass noch ungeklärte Fragen bezüglich der Strategie des militärischen Einsatzes sowie Fragen nach den politischen Perspektiven nach Einsatzende frühzeitig beantwortet würden. "Die Anwendung militärischer Gewalt ist ethisch immer ein schweres Übel und in einem hohen Maß legitimationsbedürftig", betonte Overbeck.

Der Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax, Bischof Stephan Ackermann, forderte, für Syrien und die Region müsse auf lange Sicht eine Entwicklungs- und Versöhnungsstrategie entwickelt werden. "Das verstärkte – auch militärische – deutsche Engagement im Kampf gegen den IS bedeutet die Übernahme langfristiger Verantwortung in der Region", so Ackermann. Der Westen dürfe die Region nicht nur durch die Brille der eigenen Bedrohung sehen: "Sonst verlieren wir den Blick für die Möglichkeiten, die Gewalt zu beenden und den Menschen in der betroffenen Region zu neuen Lebensperspektiven zu verhelfen".

Algermissen: Waffen müssen schweigen

Die katholische Friedensbewegung "Pax Christi" übt deutliche Kritik an den geplanten Einsatz. Er bedeute "ein militärisches Abenteuer zu beginnen, dessen Ziel und Ende nicht absehbar ist", erklärte Heinz Josef Algermissen, der Präsident von Pax Christi.

Mit der Entscheidung entferne sich Deutschland von seiner Maxime für zivile Wege in der internationalen Politik und schade dem diplomatischen Weg: "Die Waffen müssten endlich schweigen, stattdessen treten neue Akteure wie Deutschland in den Krieg ein. Die Gewaltspirale wird dadurch nicht gestoppt", ist sich der Fuldaer Bischof sicher. Die Luftangriffe, die nun auch mit deutscher Hilfe erfolgten, träfen die gesamte syrische Bevölkerung.

Der Einsatz soll bis zu 1.200 Soldaten umfassen. Damit soll der Kampf gegen die unter anderem in Syrien operierende Terrorgruppe IS unterstützt werden. Das Vorhaben ist eine Reaktion auf die jüngsten Anschläge in Paris, zu denen sich der IS bekannte. Das Mandat ist zunächst auf ein Jahr befristet. Die Kosten werden mit 134 Millionen Euro beziffert. (gho/KNA)

04.12.2015, 12.20 Uhr: ergänzt um Reaktion von Kardinal Marx

05.12.2015, 12.00 Uhr: ergänzt um Reaktion von Bischof Overbeck