Eine Hand hält ein Kreuz.
Bild: © KNA
Hilfswerk "Kirche in Not" gibt Gebetsheft in arabischer und deutscher Sprache heraus

"Flüchtlinge wollen die Heilige Schrift lesen"

Hilfswerke - Vom Vaterunser bis zu den Rosenkranzgeheimnissen: All diese Gebete hat das Hilfswerk "Kirche in Not" für Flüchtlinge in einem Heft zusammengestellt - in deutscher und arabischer Sprache. Ersten Migranten haben bereits Interesse an dem Heft.

Von Gabriele Höfling |  Bonn - 23.01.2016

Vaterunser und Glaubensbekenntnis, Mariengebet und Rosenkranzgeheimnisse: All diese Gebete sind für christliche Flüchtlinge in Deutschland jetzt auch auf Arabisch verfügbar. Das Hilfswerk "Kirche in Not" hat sie in einem Gebetsheft zusammengestellt. Sogar der komplette Ablauf eines Gottesdienstes ist darin enthalten.

Hinter der Aktion steckt ein doppeltes Anliegen, wie Berthold Pelster, Referent für Öffentlichkeitsarbeit, erklärt: "Einerseits geht es darum, die Flüchtlinge mit religiöser Literatur zu versorgen und es ihnen zu ermöglichen, in ihrer Muttersprache zu beten." Denn schließlich könne nicht davon ausgegangen werden, dass sie alle Gebete, die ihnen wichtig seien, auch auswendig könnten oder bei sich hätten. Andererseits versteht das Hilfswerk das Heft, in dem die jeweiligen Gebete untereinander in Arabisch und Deutsch aufgeführt sind, auch als eine Möglichkeit, die deutsche Sprache und Kultur kennenzulernen. So könnten die Gläubigen etwa aus Syrien oder dem Irak lernen, wie hierzulande der Gottesdienst gefeiert wird.

"Den Sinn des Lebens verloren"

Wenn die Flüchtlinge in den Flüchtlingsheimen ankämen, dann seien viele von ihnen traumatisiert, hätten Gewalt und großes Leid erfahren, erklärt Pelster. "Sie mussten ihre Existenz aufgeben und haben buchstäblich den Sinn ihres Lebens verloren." In dieser Situation bräuchten sie nicht nur Hilfe auf materieller, sondern auch auf einer geistlichen und spirituellen Ebene – und dafür will das Hilfswerk mit seiner Broschüre ein Angebot machen: "Die Menschen müssen sich im Leben neu orientieren – da könnte die Religion doch eine Rolle spielen", hofft Pelster.

Aufgeschlagenes Heft mit Gebeten in deutscher und arabischer Sprache
Bild: © Kirche in Not

Auf deutsch und arabisch: Das neue Gebetsheft von "Kirche in Not" richtet sich an christliche Flüchtlinge in Deutschland.

Die Idee zu dem Heft entstand, weil die Mitarbeiter des Hilfswerks nach einem Weg suchten, christliche Flüchtlinge in den deutschen Flüchtlingslagern zu unterstützen. Es gab aber auch Anregungen aus der Praxis. So hatte sich Andreas Thiermeyer, Priester und Flüchtlingsseelsorger im Bistum Eichstätt, hilfesuchend an "Kirche in Not" gewandt. "Die christlichen Flüchtlinge, denen ich begegne, wollen Gebetbücher in einer für sie verständlichen Sprache haben. Sie wollen vor allem die Heilige Schrift lesen", so der Geistliche, der unter anderem mit Menschen aus Pakistan und Eritrea zusammenarbeitet.

Auch Kinderbibeln auf Arabisch

Da traf es sich gut, dass das Hilfswerk neben dem neuen Heft schon seit langem Kinderbibeln, Katechismen, Rosenkranzhefte und eine Kreuzwegeandacht auf Arabisch, Türkisch, Englisch und Französisch herausgibt. Mit diesen Materialien wurden noch im vergangenen Jahr die Flüchtlinge im Bistum Eichstätt versorgt. Sie können weiterhin bei "Kirche in Not" bestellt werden. (mit Material von KNA)

Themenseite: Auf der Flucht

Ob Naturkatastrophen, Armut oder Terror: Täglich verlassen Menschen ihre Heimat, um anderswo ein neues, ein besseres Leben zu beginnen. Die Flüchtlinge kommen auch nach Deutschland. Das bedeutet eine große Herausforderung für Politik, Gesellschaft und Kirche.

Von Gabriele Höfling