Kardinal Reinhard Marx im Porträt
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Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz eröffnet

Marx fordert Zusammenhalt in Flüchtlingskrise

Die Flüchtlingskrise ist Hauptthema der Vollversammlung der Bischöfe. Zu Beginn wandte sich Kardinal Marx an die Politik: Prinzipien hätten nur dann einen Wert, wenn sie auch in stürmischen Zeiten eingehalten würden, erinnerte er.

Schöntal - 15.02.2016

Im traditionellen Eröffnungsstatement betonte Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der DBK, Prinzipien hätten "nur einen Wert, wenn sie auch in stürmischen Zeiten gelten". Auch wenn die ehemalige Zisterzienserabtei im Norden Baden-Württembergs "ein entlegener Ort" sei, seien die Probleme der Zeit nicht weit entfernt, so der der Erzbischof von München und Freising.

Marx: Nicht an den "Basics" rütteln

"Wer europäischen Boden betritt, muss menschenwürdig behandelt werden und hat Anspruch auf ein rechtsstaatliches Verfahren", unterstrich Marx. Dies seien "Basics", an denen nicht gerüttelt werden dürfe. Nicht die Flüchtenden dürften zum Problem gemacht werden; die tatsächlichen Herausforderungen seien Krieg und Gewalt.

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"Das ist unsere christliche Identität: Engagierte Nächstenliebe!" - Ausschnitt aus dem Presse-Statement von Kardinal Reinhard Marx bei der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz.

In der aktuellen hitzigen Debatte müsse die Kirche zu Besonnenheit und Einheit mahnen und zugleich mit nüchterner und engagierter Nächstenliebe anpacken, so Marx. Die große Koalition rief er in der Flüchtlingskrise zu Zusammenhalt auf. "Da gilt es zusammenzustehen, nicht gegeneinanderzustehen, auch in einer Großen Koalition, in einem großen Regierungsbündnis", so Marx wörtlich.

Die Kirche habe die große Hoffnung, dass die Politik eine Lösung finde. Zugleich betonte er: "Die Kirche will Teil der Lösung sein." Sorge bereite ihm die zunehmende Polarisierung in der Gesellschaft, räumte der Kardinal ein. Er begrüßte hingegen das große Engagement vieler Menschen für die Notleidenden.

Der für Mittwoch vorgesehene Studientag zum Thema Flucht und Migration steht unter dem Titel "Kultur der Aufnahme und der Solidarität - die Herausforderungen durch Flüchtlinge und Migranten". Unter anderen der Hamburger Oberbürgermeister Olaf Scholz (SPD) und Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) werden als Gesprächspartner der Bischöfe erwartet. Der Flüchtlingskrise hatten die Bischöfe schon bei ihrer Herbstvollversammlung im vergangenen Herbst in Fulda viel Raum gegeben. In Schöntal wollen sie nun ein Leitbild zur Flüchtlingsarbeit der Kirche verabschieden.

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"Ich bin gerne Gastgeber": Bischof Dr. Gebhard Fürst zur Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz

Zu den weiteren Themen der Vollversammlung gehören Rückblicke auf die Familiensynode, auf den Gesprächsprozess der Kirche in Deutschland und auf ein Treffen der deutschen Bischöfe mit Papst Franziskus Ende vergangenen Jahres. Der Weltjugendtag in Krakau, die Priesterausbildung, das Selbstverständnis katholischer Schulen und Fragen der Ökumene mit Blick auf das Reformationsgedenken 2017 stehen ebenfalls auf der Tagesordnung.

Lehmann und Algermissen mussten absagen

Die Frühjahrsvollversammlung findet jährlich an wechselnden Orten statt. In Schöntal ist der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst Gastgeber. Der Ort um das Kloster, in dem die Bischöfe tagen, hat rund 5.500 Einwohner. Kurzfristig absagen wegen Krankheit mussten unter anderem der Mainzer Kardinal Karl Lehmann und der Fuldaer Bischof Heinz-Josef Algermissen. (gho/dpa/KNA)

15.02.2016, 18.20 Uhr: ergänzt weitere Zitate von Marx und zwei Videos.

Linktipp: Zwischen "Willkommenskultur" und "Obergrenze"

Heute beginnt die Vollversammlung der Bischofskonferenz. Im Mittelpunkt steht dabei die Flüchtlingskrise. Weitere Themen sind der zurückliegende Ad-limina-Besuch, der Weltjugendtag und das Reformationsgedenken 2017.