Die Geburtskirche in Bethlehem wird seit mehr als zwei Jahren restauriert

Baulärm statt Besinnlichkeit

Aktualisiert am 19.03.2016  –  Lesedauer: 
Die Geburtskirche in Betlehem steht über der vermuteten Geburtsstätte Jesu Christi. Sie gehört zu den wichtigsten Gebäuden in der 25.000-Einwohner-Stadt.
Bild: © KNA
Heiliges Land

Bethlehem ‐ Sie ist eines der wichtigsten Bauwerke der Christenheit: die Geburtskirche in Bethlehem. An dieser Stelle soll Jesus geboren worden sein. Doch das Gebäude wird seit mehr als zwei Jahren restauriert - und ein Ende ist nicht in Sicht.

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"Es ist nicht komfortabel, aber wir sind daran gewöhnt - und es ist notwendig", sagt Pater Issa Thaldschiehe im schwarzen Gewand. Er lächelt. Immerhin wird seine geliebte Geburtskirche im südlichen Westjordanland renoviert. Die Kirche soll der biblischen Überlieferungen zufolge über jener Höhle gebaut worden sein, in der Jesus zur Welt kam.

Seit zweieinhalb Jahren restauriert ein Team aus Italienern und Palästinensern das Bauwerk aus dem 6. Jahrhundert. In zwei bis drei Jahren sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Rund 9,2 Millionen Euro von der Palästinensischen Autonomiebehörde und von Spendern liegen vor - bisher. Seit 2012 ist die Kirche Weltkulturerbe der Unesco. Sie steht allerdings auch auf der Roten Liste des gefährdeten Welterbes. Schon im Jahr 2000 war klar, dass die Kirche renovierungsbedürftig ist: Das Dach war undicht. Regnete oder schneite es stark, stand das Gotteshaus fast zur Hälfte unter Wasser. Die Feuchtigkeit ließ die Holzbalken in der Decke morsch werden und griff den Putz an den Wänden an. Die Mosaike glänzten nicht mehr. Die Wände waren fast schwarz vom Ruß der Kerzen.

"Die letzte große Renovierung war 1483"

Doch die drei Gemeinschaften, die die Kirche betreuen, konnten sich jahrelang nicht auf die Finanzierung einigen. Die griechisch-orthodoxe Kirche, zu der Pater Issa Thaldschiehe gehört, die katholische Kirche und die armenisch-orthodoxe Kirche haben das Bauwerk penibel unter sich aufgeteilt. Jede Seite wacht eifersüchtig über ihren Teil. Letztlich übernahm die Palästinensische Autonomiebehörde die Organisation. "Die letzte große Renovierung des Daches und der Fenster war 1483", sagt der verantwortliche Ingenieur Ibrahim Abed Rabbo. Bei den aktuellen Arbeiten hätten sie sogar Metallkugeln aus den Wänden geholt, mit denen zu Zeiten des Osmanischen Reiches geschossen worden sei. Diese Ära endete Anfang des 20. Jahrhunderts.

Bild: ©rparys/Fotolia.com

In einer Grotte unterhalb des Hauptaltars der Geburtskirche markiert ein 14-zackiger Stern auf dem Boden den Ort, der als Geburtsort Jesu verehrt wird.

Auf den Steinplatten mitten im Kirchenschiff steht eine Gruppe Franziskaner in ihren braunen Kutten. Auf einem Zettel vor einer Säule heißt es: "No entry" (Kein Zutritt). "Die größte Herausforderung ist die Sicherheit hier", sagt Projektmanager Afif Tweme. "Am Anfang haben wir immer von abends nach Kirchenschluss bis morgens um 4 Uhr gearbeitet, wenn die Gebete begannen." Die Arbeiten sollen weder Besucher und Pilger stören, noch die Priester und Mönche, die hier leben. Pater Thaldschiehe betont, dass sie alle Feste wie üblich begehen würden, Hochzeiten, Beerdigungen und Messen. Immer noch könnten mehr als 200 Menschen zeitgleich in der Kirche unterkommen.

Geburtsgrotte nicht von den Arbeiten betroffen

Seit das Gerüst im Kirchenschiff steht, können die 21 Arbeiter auch tagsüber tätig werden. Die Spezialisten für die Restaurierung von Holzbalken, Putz und Mosaiken arbeiten sich vom Dachfirst auf rund 16 Metern Höhe bis zum Steinboden vor. Unter anderem haben sie alle maroden Stellen an den Dachbalken ausgebessert. Das Eichen-, Zedern- oder Lärchenholz dafür brachten zwei Schiffe aus Italien. Die Holzfenster in rund zwölf Metern Höhe haben nun Glas, das UV-Strahlen abhält. Die Wände bearbeiteten die Experten mit Wasser und Chemikalien. Oberhalb des Gerüstes im Kirchenschiff leuchten heute schon wieder meterhohe Mosaike in altem, neuem Glanz, schauen Engel auf Besucher herab. Die Wände strahlen weiß. Zur Mittagszeit ist das Gebet der griechisch-orthodoxen Kirchenmänner von unten zu hören.

Verschnörkelte Malereien in Schwarz und Grau wurden vervollständigt, allerdings nur dann, wenn die Lücken sehr klein waren. "Wir können nichts kreieren, wir können für die Dekoration nicht unsere Vorstellungskraft benutzen", sagt Tweme. So werden auch abgeblätterte Stellen in Mosaiken nicht mit Steinen oder Glasstücken aufgefüllt, sondern lediglich nachgemalt. Schließlich soll die Kirche nicht verändert werden und dadurch möglicherweise ihren Welterbe-Status verlieren. Ein Teil des Bauwerkes ist von den Arbeiten bisher nicht betroffen: "Die Grotte ist das Wichtigste", sagt Pater Thaldschiehe. In der Höhle unter dem Altar markiert ein silberner Stern am Boden die Stelle, wo Jesus geboren worden sein soll. Hier hämmert niemand. Menschen stehen Schlange, um niederzuknien. Kerzen wärmen das Gewölbe auf. Die Stimmung ist friedlich - an diesem heiligen Ort.

Von Stefanie Järkel (dpa)