Eine Antwort auf fast alle Fragen
Studenten in Ostdeutschland werben für das Theologiestudium

Eine Antwort auf fast alle Fragen

Josef Freitag ist Professor für Dogmatik in Erfurt. Die geringe Zahl der Theologiestudenten in Ostdeutschland beobachtet er schon lange. Gemeinsam mit Studenten will er jetzt etwas dagegen tun.

Von Markus Kremser |  Erfurt/Görlitz - 03.05.2016

Aus Laura Rönsch sprudelt es nur so heraus, wenn sie gefragt wird, warum die Studenten auf Werbetournee sind. Die 24-Jährige studiert seit vier Jahren in Erfurt katholische Theologie und gehört damit zu einer vergleichsweise kleinen Gruppe, nicht nur im Osten Deutschlands.

Zwar bleibt die absolute Zahl der katholischen Theologiestudenten deutschlandweit mit etwa 22.000 in den letzten zwanzig Jahren relativ stabil. Gemessen an der stetig steigenden Gesamtzahl der Studierenden – mittlerweile etwa 2,7 Millionen – lässt sich dennoch eher von einem Negativtrend sprechen. In Ostdeutschland studierten zum Wintersemsester 2013/2014 sogar nur rund 450 Frauen und Männer katholische Theologie – 216 von ihnen an der Uni Erfurt. Dort ist der Priester und Theologe Josef Freitag seit 2003 Professor für Dogmatik und beobachtet die Entwicklungen aufmerksam. Er bringt die Lage auf den Punkt: "Wir haben Kapazitäten frei. Wir haben eine unserer Kernkompetenzen darin, den Leuten etwas zu vermitteln was ihnen gut tut, sie selber aber noch gar nicht ahnen."

Auftaktveranstaltung im Eichsfeld ein Reinfall

Deshalb sind seit einer Woche Studenten und Professoren aus Erfurt in zwölf ostdeutschen Städten unterwegs, um für das Theologiestudium zu werben. "Ausgerechnet zur Auftaktveranstaltung im katholischen Eichsfeld ist kein einziger gekommen", sagt Rönsch. Hier in Görlitz sieht es an diesem Nachmittag sehr viel besser aus. Zehn Jugendliche aus der Diaspora sind gekommen, um sich über das Studium in Erfurt zu informieren.

Bild: © katholisch.de

Die Studenten Benjamin Litwin und Laura Rönsch sowie der Dogmatikprofessor Josef Freitag werben mit Plakaten und frechen Sprüchen für das Theologiestudium.

"Vorrangig wollen wir natürlich junge Katholiken und Katholikinnen für das Theologiestudium begeistern, weil die anschließend auch in der Kirche arbeiten können", sagt der Dogmatiker Freitag. Aber auch Nicht-Katholiken stehe das Theologiestudium an der staatlichen Fakultät in Erfurt offen. Das sei aber die Ausnahme, bei der die Studenten vor allem auf einen sogenannten "Zweifach-Bachelor" hin studieren könnten. Neben dem Fach Theologie kommt dann ein weiteres Fach an der Universität hinzu. "Wenn man mit katholischer Theologie aber auf Dauer hin sein Geld verdienen will, klappt das nur, wenn man katholisch ist", glaubt der Professor.

"Theologie ist ein Fach, das auf fast alle gesellschaftlichen Fragen eingeht. Dem einen oder anderen hilft es vielleicht sogar Ängste zu nehmen – auch in Bezug auf Religion", schwärmt Studentin Rönsch. Es sei ein sehr praxisorientiertes Studium an einem wunderschönen Studienort. Die Stadt Erfurt sei für Studenten ideal und die Fakultät vergleichsweise familiär. Man arbeite an Fragen der Geschichte wie der Gegenwart und beschäftige sich mit Philosophie, Ethik, Bibel und Liturgie. Und nicht zuletzt werde auch die Frage nach Gott gestellt und was der mit einem gelingenden Leben zu tun haben kann.

Wo Theologen überall arbeit finden

"Da kann Wissenschaft auf einmal sehr persönlich werden", sagt Benjamin Litwin, der ebenfalls in Erfurt Theologie studiert. Bei den Infoveranstaltungen gebe man einen ersten Einblick, worum es im Theologiestudium geht, sagt er. Die angehenden Theologinnen und Theologen erklären dabei, warum sie sich für dieses Studienfach entschieden haben, wie das Studium aufgebaut ist, wie man sich einschreiben kann und welche Wege es gibt, sein Studium zu finanzieren.

"Der gesamte pastorale Dienst steht den Absolventen nach dem Studium offen“, berichtet Freitag über die beruflichen Perspektiven für die Studenten. Genau so seien Theologen aber auch in der Erwachsenenbildung, der Politik, als Mitarbeiter an Akademien oder katholischen Verbänden gefragt. "Die Vielfältigkeit des Faches macht es nahezu unmöglich am Anfang des Studiums zu prognostizieren, was man anschließend tatsächlich damit tut", so Freitag.

Weitere Termine für die Info-Tour

Dessau: Freitag, 20. Mai, 15 Uhr, Gemeindehaus Peter und Paul, Zerbster Str. 48; Magdeburg: Samstag, 21. Mai, 14 Uhr, Gemeindehaus St. Sebastian, Metzger-Str. 1.

Auch in der Wirtschaft seien Theologen gefragt, berichten der Professor und die Studenten. "Deshalb gibt es bei uns die Studienkombination 'Theologie und Wirtschaft'. Das geht in Richtung Management“, erklärt Rönsch. Auch im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Medien sei das Theologiestudium eine gute Voraussetzung.

"Das Besondere ist, dass die Theologie nie nur ein einzelnes Problem und dessen Lösung betrachtet. Sie schaut stets auch darauf, in welchen Zusammenhängen das steht“, sagt Freitag. Mit diesem Blick für das Ganze seien Theologen eher Generalisten als Spezialisten. Zudem könne man in der Theologie nichts ohne den historischen Hintergrund betrachten. "Das gibt eine geschichtliche Tiefenbohrung. Theologen lernen systematisch und von der Sache her weiter zu denken", so Freitag. Menschen, die in der Lage seien, Dinge in Zusammenhängen zu betrachten, seien in vielen Bereichen gefragt. Das werde im Studium regelmäßig erlernt und geübt. Diese Fähigkeiten seien auch außerhalb der Kirche gefragt.

Von Markus Kremser