Bischof Ulrich Neymeyr, Jonas Lixenfeld und Magdalena Hartmann
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Die deutschen Verantwortlichen für den Weltjugendtag ziehen positive Bilanz

Wichtige Impulse für die Kirche in Deutschland

Bischof Neymeyr und die Verantwortlichen der deutschen Jugendpastoral sind zufrieden mit dem Weltjugendtag: Sie sehen darin ein Glaubenszeugnis, das Mut für den Alltag macht – und sie hoffen auf einige Impulse von den Jugendlichen, wenn sie zurückkommen.

Von Agathe Lukassek |  Krakau - 30.07.2016

Das Glaubenszeugnis werde ihm und den Jugendlichen Mut im Alltag machen. Der Weltjugendtag sende als Fest des Friedens auch ein politisches Signal "angesichts des Terrors und der Gewalt dieser Tage" aus.

Laut Neymeyr könnten die rund 16.000 deutschen WJT-Teilnehmer von den polnischen Jugendlichen lernen, ihrem Glauben einen Ausdruck zu geben, sowohl öffentlich als auch privat "beim Gebet im Kämmerlein". Sie nähmen auch das Weltjugendtagsthema Barmherzigkeit mit. Den Mitmenschen nicht hartherzig zu begegnen, sei insbesondere derzeit in Deutschland mit Blick auf die Flüchtlingskrise wichtig, sagte er gegenüber katholisch.de.

"Katholizismus und Nationalismus gehen nicht zusammen"

Der Erfurter Bischof dankte den Polen für die Gastfreundschaft und den Behörden für das Gefühl der Sicherheit während der seit Dienstag dauernden Veranstaltung. Deutsche lernten viele gleichaltrige Polen kennen und seien von diesen Begegnungen begeistert. Das friedliche Treffen mit Jugendlichen aus 180 Ländern zeige, dass "Katholizismus und Nationalismus nicht zusammen gehen", so Neymeyr. Die jungen Katholiken hätten etwa an den diversen Kleidungsstilen von Priestern und Ordensleuten gesehen, dass es verschiedene Ausdrucksformen des Glaubens gebe. Der WJT in Krakau helfe, religiöse Toleranz zu leben und auszuhalten.

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Der 31. Weltjugendtag findet im südpolnischen Krakau statt. Katholisch.de berichtet von vor Ort über das Glaubenstreffen, an dem junge Pilger aus aller Welt gemeinsam mit Papst Franziskus teilnehmen

Als Höhepunkt des Programms von Seiten der deutschen Veranstalter nannte Paul Metzlaff den Pilgerabend am Sanktuarium der Barmherzigkeit und das abendliche Nightfever-Gebet. Laut dem Referenten für Glaubensbildung in der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Bischofskonferenz (afj) haben rund 7.000 deutsche Jugendliche beim Pilgerabend die Vesper gebetet und Zeugnisse über die Barmherzigkeit gehört. "Dass wir als Deutsche im Herzen der Barmherzigkeit in Polen zusammen beten durften, hat mich persönlich sehr beeindruckt", so Metzlaff.

Papst Franziskus fährt beim Weltjugendtag in Krakau durch die jubelnde Menge.

Bei Nightfever waren am Donnerstagabend Jugendliche zu Gebet, Gesang und Beichte in eine Kirche eingeladen. Die Initiative war nach dem Weltjugendtag 2005 in Köln entstanden. Metzlaff äußerte die Hoffnung, dass "das Feuer des Weltjugendtags" in Deutschland weitergetragen werden kann, etwa indem einige Jugendliche neue soziale oder geistliche Initiativen starten, die sich bis zum nächsten WJT verbreiten.

Bischöfe sollen von Jugend lernen

Als sehr positiv werteten die Teilnehmer der Pressekonferenz die vormittäglichen Katechesen für die Jugendlichen, Glaubensunterweisungen, die jeweils ein Bischof gehalten hatte. Die vatikanische Vorgabe, nur 15 Minuten zu sprechen, ermöglichte es den WJT-Teilnehmern, sich einzubringen. Der Satz des Papstes, dass die Kirche von der Jugend lernen wolle, sei in den Katechesen bereits teilweise umgesetzt worden, sagte Pfarrer Dirk Bingener, Bundespräses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Da habe der Bischof gefragt und Jugendliche geantwortet. Diese Bemühung der Bischöfe um Austausch brauche es aber noch stärker, so Bingener.

Der BDKJ-Präses würdigte weiter die direkten Ansprachen des Papstes an die Jugend. "Wie sehr vertraut er auf die Jugend, traut ihr etwas zu und fordert sie heraus, Verantwortung zu übernehmen." Franziskus sei den drängenden aktuellen Fragestellungen unserer Zeit nicht ausgewichen und spreche dem Jugendverband aus dem Herzen, wenn er sich für eine gerechte und barmherzige Welt einsetze.

Beichtmöglichkeiten überraschend viel besucht

Neymeyr merkte an, dass die Jugendlichen bei den Katechesen häufig Themen ansprachen, die nicht Teil der vorangehenden Bischofspredigt waren. Dabei ging es um die Weihe von Frauen und um Fragen der Sexualmoral, besonders beim Thema Homosexualität. Angesichts der örtlichen Nähe zum ehemaligen deutschen Vernichtungslager Auschwitz beschäftigte die Jugendlichen auch das Thema Gewalt. Sie diskutierten, wie man sich gegen fremdenfeindliche Strömungen und gleichaltrige Terroristen, die sich in die Luft sprengten, wappnen könne.

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Bischof Ulrich Neymeyr ist happy. "Es waren schöne Tage in Krakau, ein wirkliches Fest des Glaubens", so der stellvertretende Jugendbischof.

Er sei erfreut gewesen, dass viele Jugendliche im Rahmen der Katechesen zur Beichte gingen, berichtete Neymeyr, der selbst drei Veranstaltungen leitete. In Deutschland werde das Sakrament der Versöhnung nur selten regelmäßig empfangen, "aber hier nutzen nicht wenige die Möglichkeit, mit einem Priester ins Gespräch zu kommen". Es brauche solche Anlässe wie den Weltjugendtag, wo es für Jugendliche niederschwellig möglich ist, ihnen unbekannte Geistliche anzusprechen. Zudem helfe es, wenn die jungen Deutschen erfahren, dass Gleichaltrige anderer Länder regelmäßig beichteten.

Von Agathe Lukassek