Chilenische Ermittler: Vatikan gibt keine Auskunft zu Missbrauch
Leitender Staatsanwalt beklagt fehlende Kooperation

Chilenische Ermittler: Vatikan gibt keine Auskunft zu Missbrauch

Der kirchliche Missbrauchsskandal hat Chile bis ins Mark erschüttert. Deshalb hat die Aufklärung der Fälle für die Justiz in dem Land oberste Priorität. Umso mehr zeigte sich der leitende Staatsanwalt nun verärgert über das Verhalten des Vatikan.

Santiago de Chile - 21.03.2019

Die chilenischen Behörden haben dem Vatikan fehlende Auskunftsbereitschaft bei den Missbrauchsermittlungen gegen Kleriker vorgeworfen. Der leitende Staatsanwalt Emiliano Arias sagte dem Sender Radio Cooperativa (Donnerstag), der Vatikan habe bisher "keine einzige" Anfrage der Ermittler beantwortet. Auf die Frage, ob es irgendeine Art von Reaktion seitens der zuständigen vatikanischen Stellen gegeben habe, antwortete er: "Nichts, rein gar nichts."

Derzeit ermittelt die chilenische Justiz in rund 150 Fällen wegen Missbrauchsvorwürfen gegen Kirchenmitarbeiter, wie chilenische Medien unter Berufung auf Angaben der Staatsanwaltschaft meldeten. Dabei gehe es um mehr als 250 mutmaßliche Opfer. Auch mehrere Bischöfe sollen in die Vorgänge verwickelt sein.

Aktuell wird gegen den Erzbischof der Hauptstadt Santiago, Kardinal Ricardo Ezzati, wegen möglicher Vertuschung von Missbrauchsfällen durch drei Priester seiner Erzdiözese ermittelt. In der vergangenen Woche hatte Ezzati bei einem Gerichtstermin zur Aufnahme seiner Aussage stattdessen die Einstellung der Untersuchung beantragt. Dem habe jedoch nicht entsprochen werden können, da die Ermittler derzeit noch konkreten Hinweisen nachgehen, sagte Arias. Eine Gerichtsentscheidung wird am morgigen Freitag erwartet. (rom/KNA)