Zwei Frauen sitzen in einem großen alten Saal mit steinernen Säulen.
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Um den Jerusalemer Zionsberg wird mit harten Bandagen gekämpft

Dauerzwist am Ort von Pfingsten

Zum Pfingsfest stehen die Zeichen auf Sturm: Radikale Juden in Jerusalem wittern eine christliche Okkupation des Davidsgrabes unterhalb des Abendmahlssaales und wollen dagegenhalten. Dabei ist die Stätte historisch mehr als fragwürdig.

Von Andrea Krogmann (KNA) |  Jerusalem - 22.05.2015

Am Wochenende wollen dort Juden zum Fest Schawuot der Geburt und des Todes Davids gedenken. Einige warnen vor einer Entweihung der Stätte durch christliche Pilger, die zeitgleich zu Pfingsten kommen. Vom Ort des Pfingstfestes heißt es in der Bibel, dass dort die Jünger Jesu einmütig im Gebet verharrten und mit Heiligem Geist erfüllt wurden.

Gebetet werden wird viel am kommenden Wochenende - nur von Eintracht fehlt jede Spur. Stattdessen gibt es viel Fehlinformation: Tausende Katholiken planten eine Krönungszeremonie für Franziskanerkustos Pierbattista Pizzaballa, verbreitete die jüdische Aktivistin und Rabbinergattin Joheved Grossman im israelischen Sender Arutz Scheva. Dagegen helfe nur, die Zahl der jüdischen Besucher von 40.000 im Vorjahr zu verdoppeln und so Israels Souveränität über die Stätte zu zeigen.

Tauziehen um ein Heiligtum

Zum Abschluss seiner Heilig-Land-Reise im Mai 2014 hat Papst Franziskus auch eine Messe im Abendmahlssaal in Jerusalem gefeiert. Jüdische Extremisten hatten dagegen demonstriert – teils mit Gewalt und antichristlichen Parolen.

Man werde präsent sein und Konflikte verhindern, erklären Polizeivertreter auf Anfrage. Wie heikel der Ort für Religionsfrieden und Sicherheit ist, zeigt nicht zuletzt eine neue Polizeistation im Herzen des Gebäudekomplexes. Christenvertreter nehmen die verstärkte Sicherheitspräsenz zur Kenntnis. "Was es hier braucht, ist die Umsetzung bestehender Gesetze", erklärt Franziskanerpater Athanasius Macora, Experte für die komplizierten Besitzregeln der heiligen Stätten in Jerusalem. Würden die Interessen der Minderheiten geschützt, "gäbe es keine Schwierigkeiten", glaubt er.

Wiederholt war es in den vergangenen Jahren zu vandalistischen Übergriffen auf christliches Eigentum bis hin zu Brandstiftung und schwerer Körperverletzung gekommen. Eine Strafverfolgung der mutmaßlich jüdischen Täter erfolgte in der Regel nicht. Polizeiliche Ermittlungen verliefen "bei bestimmten Tätergruppen phlegmatisch", kritisierte der Sprecher der benachbarten Dormitio-Abtei, Nikodemus Schnabel, nach einem Brandanschlag 2014.

Dass der Gebäudekomplex heute eine der wichtigsten Pilgerstätten der drei Religionen ist, wie der griechisch-orthodoxe Patriarch Theophilos III. bei der Einweihung der neuen Polizeistation betonte, entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Ausgerechnet die Legende der Kreuzfahrer, dass sich unter dem Abendmahlssaal das Grab König Davids befinde, führte schließlich zum Umbau zu einer Moschee. Zum jüdischen Pilgerziel wurde "Davids Grab" erst nach 1948 und eigentlich auch nur als Ersatz - weil Juden bis zur Eroberung der Altstadt 1967 keinen Zugang zur Klagemauer hatten.

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Gregory Collins ist seit 2013 Abt der Dormitio-Abtei in Jerusalem, die eine Drehscheibe des Dialogs zwischen Kulturen und Religionen ist. Im Interview spricht über seine Erfahrungen und die Herausforderungen für die benediktinische Präsenz im Heiligen Land.

Historisch ist das Davidsgrab mehr als fragwürdig. "Die Verbindung zur jüdischen und zur muslimischen Tradition ist künstlich", sagt Pater Macora. "Unsere Position ist klar: Es ist unsere Heilige Stätte, und wir wollen sie zurück." Derzeit dürfen Katholiken den mittelalterlichen Abendmahlssaal nur an zwei Anlässen im Jahr nutzen: am Gründonnerstag und für ein Abendgebet an Pfingsten - was die Rabbinergattin Grossmann als Krönungsfeier missdeutet.

Ob und wie weit eine gottesdienstliche Nutzung des Saals durch Christen künftig ausgeweitet wird, ist auch Teil langjähriger Verhandlungen zwischen dem Vatikan und Israel. Eine Lösung liegt noch fern. Bis dahin muss die israelische Polizei potenzielle Streithähne am Ort des Pfingstfestes auseinanderhalten.

Von Andrea Krogmann (KNA)