Diskussionen um Papst-Worte zum Diakonat
Franziskus erwägt Einrichtung einer Prüfkommission zum Thema

Diskussionen um Papst-Worte zum Diakonat

Die Aussagen von Papst Franziskus zum Frauendiakonat sorgen für große Diskussionen. Vatikan-Experten warnten vor voreiligen Schlüssen. Für eine deutsche Ordensoberin ist die Sache jedoch klar.

Bonn/Vatikanstadt/Köln - 13.05.2016

Laut der Nachrichtenseite "Vatican Insider" hat Franziskus bei einer Audienz mit 870 Generaloberinnen katholischer Frauenorden aus aller Welt über die Rolle der Diakoninnen in der frühen Kirche gesprochen. "Es ist etwas unklar", zitiert die Seite den Papst. Gefragt, ob er einer Kommission, die sich mit dieser Frage befasst, zustimmen würde, habe er gesagt: "Ich denke, ja. Es würde der Kirche gut tun, diesen Punkt zu klären. Dem stimme ich zu. Ich werde Gespräche darüber führen, so etwas zu tun."

Eine Teilnehmerin des Treffens, Generaloberin Katharina Ganz von den Oberzeller Franziskanerinnen in Würzburg, erklärte gegenüber dem Deutschlandfunk: "Die Frage von uns war ja in diese Richtung. Wir wollten wissen, gibt’s Möglichkeiten, dass Frauen in der Kirche Diakoninnen werden können." Der Papst habe dem Vorschlag der Oberinnen, eine offizielle Prüfkommission einzurichten, zugestimmt. "Das hat er mehrmals wiederholt. Am Schluss noch einmal: Wir brauchen so eine Kommission", so Ganz weiter. Nähere Angaben zum Arbeitsauftrag, zur Zusammensetzung und zum Ziel der Kommission habe Franziskus aber nicht gemacht. Die frei formulierte Antwort des Papstes sei von seinen Zuhörerinnen mit Applaus, aber auch mit Kopfschütteln aufgenommen worden.

Lombardi: Absichten des Papstes noch unklar

Vatikansprecher Federico Lombardi sagte, es sei zu früh, um Aussagen über die genauen Absichten des Papstes zu machen; es habe sich um eine spontane Äußerung von Franziskus gehandelt. Möglicherweise gehe es schlicht darum, die Rolle von weiblichen Diakonen in der frühen Kirche historisch zu untersuchen, so Lombardi.

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Der Ständige Diakonat wurde nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wieder eingeführt. Katholisch.de stellt das vielfältige Amt vor.

Auch der Leiter der deutschsprachigen Sektion von Radio Vatikan, Pater Bernd Hagenkord SJ, warnte im Deutschlandfunk-Interview vor voreiligen Schlüssen. Die Worte des Papstes hätten sich auf das Diakoninnenamt in den ersten Jahrhunderten der Kirche bezogen. "Es ist überhaupt keine Entscheidung, sondern die Kommission soll genau nachgucken und offiziös, kirchlich feststellen, wie wir das nun sehen heutzutage aus unserer Perspektive", so Hagenkord. Eine solche Prüfung solle sicher auch einen Blick auf die Praxis einschließen.

Auch Ganz sagte, sie könne sich nicht vorstellen, dass der Papst eine rein historische Betrachtung des Themas ohne Konsequenzen für die heutige Praxis der Kirche im Sinn habe. "Er sucht pastorale Antworten auf die Nöte der Kirche in der Welt von heute. Er ist ein Mann des Zweiten Vatikanums. Und es würde keinen Sinn machen, nur rückwärts zu schauen." Gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur sagte die Ordensoberin, die Unterredung habe insgesamt rund 90 Minuten gedauert. Der Papst habe zum Ausdruck gebracht, dass es zur Rolle der Diakoninnen in der Alten Kirche offene Fragen gebe, und habe wörtlich gesagt: "Wir brauchen da mehr Klarheit." Franziskus habe aber auch deutlich gemacht, dass solche Prüfungen "nicht in kurzer Zeit" zu Änderungen führen könnten.

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Die Weihe ist das Sakrament, das mit Abstand am seltendsten gespendet wird. Doch das ist nicht die einzige Besonderheit dieser Zeichenhandlung, die fast so alt ist wie die Kirche selbst.

Der Diakonat ist die erste der drei Stufen des Weiheamts in der Kirche und damit die Voraussetzung, um die Priester- und Bischofsweihe empfangen zu können. Gültig und erlaubt können die Weihe nach katholischem Verständnis nur Männer empfangen. In den ersten Jahrhunderten wirkten Diakone in der Armen- und Krankenpflege oder als Gehilfen des Bischofs in der Gemeindeverwaltung und beim Gottesdienst. Seit dem fünften Jahrhundert verlor das Amt in der römischen Kirche an Bedeutung und wurde zu einer Durchgangsstufe für die Priesterweihe. Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) belebte ihn als Weiheamt neu. Seit 1968 können auch verheiratete Männer in der katholischen Kirche zu "Ständigen Diakonen" geweiht werden, die nicht das Priesteramt anstreben.

Kasper: Frauendiakonat der Alten Kirche wiederbeleben

Auch Frauen waren in der frühen Kirche als Diakoninnen in speziellen Diensten der Gemeinde tätig, beispielsweise in der Glaubensunterweisung, der Armenfürsorge und der Arbeit mit Frauen. Sie hatten aber nach Einschätzung vieler Kirchenhistoriker keine Funktion am Altar. In der lateinischen Westkirche sind Diakoninnen vom 6. bis ins 13. Jahrhundert bezeugt. In der Ostkirche lebte die Tradition der Diakoninnen weiter.

Bei der Vollversammlung der deutschen Bischöfe 2013 hatte der damalige Kurienkardinal Walter Kasper ein Modell des Frauendiakonats ohne Weihe ins Spiel gebracht. Als Vorbild nannte er die Traditionen der Alten Kirche und der Ostkirchen. Die "Weihe" könnte in diesem Fall kein Sakrament sein wie bei der Priesterweihe, sondern zu den "Sakramentalien" gehören, vergleichbar etwa der Jungfrauenweihe oder der Äbtissinnenweihe. (kim/KNA)