Kardinal Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation
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Kritik an Bischöfen

Kardinal Müller: Missbrauchsskandal wird instrumentalisiert

Das Verbrechen des Missbrauchs wird nach Ansicht von Gerhard Ludwig Müller in der Kirche ausgenutzt, um eine "andere Agenda" zu befördern. Das sakramentale Priestertum solle aus den Angeln gehoben werden.

Rom/Bonn - 22.12.2018

Nach Meinung von Kardinal Gerhard Ludwig Müller wird der sexuelle Missbrauch von manchen Akteuren innerhalb der katholischen Kirche instrumentalisiert, um eigene Interessen durchzusetzen. Das schreibt der frühere Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation in einem Gastbeitrag, der auf den Internetseiten Lifesitenews und Kath.net erschienen ist. "Es ist klar, dass diese Verbrechen instrumentalisiert werden, um eine andere Agenda zu befördern", so Müller dort wörtlich. "Man will das sakramentale Priestertum mit der Missbrauchskrise aus den Angeln heben."

Müller kritisiert Bischöfe

Müller kritisiert außerdem, wie manche "Mächtigen in der kirchlichen Bürokratie" in der  Missbrauchskrise agierten. Die Kirche sei ein Werk Gottes und als solches nicht veränderbar, betont Müller. Sie sei "wesenhaft" heilig und könne nicht nur als "historisches Gebilde" gesehen werden. "Wer hat Bischöfen die Vollmacht gegeben, sich eine Kirche nach ihrem Bild und Gleichnis zu schaffen?", fragt Müller. Ein Bischof habe "nur dann Autorität, wenn er die Lehre der Kirche ganz und unverkürzt vorträgt."

Als Reaktion auf eine im September veröffentlichte Missbrauchsstudie hatten viele deutsche Bischöfe zu Reformen in der Kirche aufgerufen. So hatte etwa der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer die kirchlichen Strukturen scharf kritisiert und einen radikalen Wandel gefordert. Auch auf theologischer Ebene könne der Glauben an die "heilige Kirche" in Zukunft nur noch dann redlich bekannt werden, wenn man mitbekenne, dass diese Kirche "auch eine sündige Kirche" sei.

Aus Sicht Kardinal Müllers kann es ein der katholischen Kirche auch keine Gewaltenteilung geben. Die Vollmacht Christi werde an die Bischöfe weitergegeben. Sie könnte nicht geteilt werden. "Die Rede von der Gewaltenteilung in der Kirche verrät ein politisiertes Verständnis von Kirche und apostolischem Amt", kritisiert Müller.

Damit antwortet er damit explizit auf Äußerungen von Kardinal Reinhard Marx, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Der hatte sich an diesem Donnerstag im Münchener Presseclub für mehr Gewaltenteilung ausgesprochen. Klerikaler Machtmissbrauch sei eine der Hauptursachen für den weltweiten Missbrauchsskandal, sagte Marx. Eine Gewaltenteilung sei mit Theologie und Kirchenrecht durchaus vereinbar.

"Sünde kann nicht als Tugend umdefiniert werden"

Zur katholischen Sexuallehre schreibt Müller in seinem Gastbeitrag, diese könne diskutiert werden, dabei gelte es jedoch dem "Willen Gottes gehorsam" zu sein. Was in biblischer Zeit als Sünde qualifiziert wurde, könne "heute nicht zu einer Tugend umdefiniert werden". Man könne bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals nicht "an der Tatsache vorbeischauen, dass über 80% der Opfer sexuellen Missbrauchs Jungen und junge Männer sind" schreibt er in Hinblick auf homosexuelle Missbrauchstäter. (gho)

Kardinal Müller: Theologische Analyse zu Missbrauch fehlt bisher

Beim Thema Missbrauch müsse die Kirche theologischer und weniger politisch vorgehen, fordert Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Bischöfen wirft er vor, häufig nur dem Mainstream zu folgen und die Gläubigen zu verwirren.