Vergewaltigung von Ministrantin: Diakon verurteilt
Weitere Vorwürfe gegen Mann liegen vor

Vergewaltigung von Ministrantin: Diakon verurteilt

Ein des Missbrauchs beschuldigter Diakon hat vor Gericht gestanden, bei einem Ausflug eine minderjährige Messdienerin vergewaltigt zu haben. Kurz vor Prozessbeginn waren weitere Vorwürfe gegen den Mann bekannt geworden.

München - 31.01.2019

Ein 66-jähriger Diakon ist nach der Vergewaltigung einer 15 Jahre alten Messdienerin zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Er gestand am Donnerstag vor dem Amtsgericht München tränenreich, sich im Mai vergangenen Jahres bei einem Ausflug zu einem Messdiener-Treffen an dem Mädchen vergangen zu haben. Die inzwischen 16-Jährige befindet sich nach Angaben der Nebenklage-Vertreterin seit Monaten in einer geschlossenen Psychiatrie. Der Angeklagte habe ihr Leben zerstört, sagte der Richter. "Der geht's scheiße und Sie sind schuld dran."

Das Gericht verhängte ein Kontaktverbot zu dem Mädchen und seiner Familie. Der Geistliche muss 10.000 Euro Schmerzensgeld an sein Opfer zahlen - und 5.000 Euro an den Frauennotruf München. Der frühere Religionslehrer in der kroatische-katholischen Gemeinde in München darf darüber hinaus fünf Jahre lang keine Kinder und Jugendlichen mehr unterrichten oder beaufsichtigen.

Es wäre möglich gewesen, die Strafe nicht zur Bewährung auszusetzen, betonte der Richter. "Aber der hat jetzt neun Monate Haft hinter sich. Aus Sicht des Gerichts ist das ein gebrochener Mann."

Neue Vorwürfe

Der Verurteilte war als Ständiger Diakon in der kroatischen Mission tätig. Das Erzbistum München und Freising hatte nach eigenen Angaben den Mann noch am 2. Mai 2018 entpflichtet. Eine entsprechende Urkunde sei ihm per Einschreiben ins Gefängnis überstellt worden.

Unterdessen waren vor Prozessauftakt weitere Vorwürfe gegen den Mann bekannt geworden. So soll es einen weiteren sexuellen Übergriff sowie einen Vorfall "körperlicher Natur" gegeben haben, wie eine Sprecherin des Erzbistums auf Anfrage sagte.

Im September 2018 hatte die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) eine Studie über sexuellen Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche vorgestellt. Sie ergab, dass mindestens 1.670 Kleriker zwischen 1946 und 2014 mindestens 3.677 Jungen und Mädchen missbraucht haben. (tmg/KNA/dpa)

31.1., 12:45 Uhr: Meldung nach Urteil erneuert.