Warten, hoffen – und die Gegenwart anpacken
Pastor Christian Olding über das Sonntagsevangelium

Warten, hoffen – und die Gegenwart anpacken

Fromm die Hände in den Schoß legen und auf die Wiederkunft des Herrn warten? Für unseren Autor Christian Olding ist das keine Option – denn Jesus fordert zu einer ganz anderen Form des Wartens auf.

Von Christian Olding |  Geldern - 10.08.2019

Impuls von Pastor Christian Olding

Das Warten macht sich bezahlt: Der Herr zieht sich die Schürze an, bittet mich zu Tisch und bewirtet mich. Der Haken ist nur: aufbleiben und wachsam sein. Ich muss ihn erwarten: Gestiefelt und gespornt.
In dem, was Jesus hier verkündet, gibt es nichts Wichtigeres, als auf ihn zu warten und mit ihm zu rechnen.

Was sich in meinem Kalender Tag für Tag aufdrängt gilt nur unter Vorbehalt. Was mich bewegt, in Atem hält und manchmal auch ganz gefangen nimmt wird hier zurechtgestutzt. Jesus setzt auf meinen langen Atem und traut mir zu, ihn zu haben. Ich soll das Wichtigste im Kopf und im Herzen zu haben, alles dafür zu geben und nicht auf der Strecke zu bleiben: Meine Hoffnung soll nicht zum Erliegen kommen, sich nicht ersticken lassen vom Alltag mit seinen Problemen.

Was meine Hoffnung ist? Das, was ich glaube: Ich glaube an einen Gott, der sich aus bloßen Worten erhebt, um Teil meines Lebens zu werden, der aus der Nähe jeden meiner Schritte begleitet. Ich glaube an einen Gott, der viele Male meine Irrtümer beobachtet, mit mir gelitten, zu mir geredet und der mich geführt hat.

Ich bin ein Mensch mit begrenzter Kraft, mit begrenzter Zeit, aber ich habe eine Zuversicht im Herzen, die mich die Gegenwart anpacken lässt; denn ich glaube, dass sich Gott auch in Zukunft auf diese Weise in meinem Leben bemerkbar machen wird. Was ich von der Zukunft erhoffe, das bestimmt mein Handeln im Hier und Jetzt.

Wenn ich befürchte, dass an einer Situation nichts mehr zu retten ist, warum sollte ich mich dann anstrengen, statt zu resignieren und einfach aufzugeben. Wenn aber die Hoffnung auf eine Veränderung der Verhältnisse in meinem Herzen Raum hat, dann werde ich auf diese Zukunft hin leben und handeln, auch wenn es noch so viele Rückschläge gibt. Menschen, die aus einer Hoffnung heraus leben, sehen weiter.

Das ist für mich eine konkrete Form des Wartens. Warten heißt nicht, zur Untätigkeit verdammt zu sein. Warten heißt nach diesem Evangelium für mich: Die Hoffnung hochhalten. Unsere Hoffnung muss Hände bekommen, die Hand anlegen an diese kranke Welt. Unsere Hoffnung braucht Hände, die Tränen abtrocknen und sich nicht abfinden mit der Unerlöstheit dieser Welt. Hoffen heißt: die Zeit, die wir in unserem Leben haben, nutzen und füllen durch eine sinnvolle Lebensgestaltung.

Ein Warten, wie es Jesus gefällt, bedeutet zu glauben, aller Resignation zum Trotz. Es heißt, die Hoffnung hochzuhalten, den faktischen Gegebenheiten zum Trotz und zu handeln, aller Angst, die in uns aufwallt, zum Trotz.

Von Christian Olding

Aus dem Evangelium nach Lukas (Lk 12,32-48)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben. Verkauft euren Besitz und gebt Almosen! Macht euch Geldbeutel, die nicht alt werden! Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, im Himmel, wo kein Dieb ihn findet und keine Motte ihn frisst! Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.

Eure Hüften sollen gegürtet sein und eure Lampen brennen! Seid wie Menschen, die auf ihren Herrn warten, der von einer Hochzeit zurückkehrt, damit sie ihm sogleich öffnen, wenn er kommt und anklopft! Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen. Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach - selig sind sie.

Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde der Dieb kommt, so würde er verhindern, dass man in sein Haus einbricht. Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet. Da sagte Petrus: Herr, sagst du dieses Gleichnis nur zu uns oder auch zu allen? Der Herr antwortete: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr über sein Gesinde einsetzen wird, damit er ihnen zur rechten Zeit die Tagesration gibt?

Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt! Wahrhaftig, ich sage euch: Er wird ihn über sein ganzes Vermögen einsetzen. Wenn aber der Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr verspätet sich zu kommen! und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen, auch zu essen und zu trinken und sich zu berauschen, dann wird der Herr jenes Knechtes an einem Tag kommen, an dem er es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt; und der Herr wird ihn in Stücke hauen und ihm seinen Platz unter den Ungläubigen zuweisen.

Der Knecht, der den Willen seines Herrn kennt, sich aber nicht darum kümmert und nicht danach handelt, der wird viele Schläge bekommen. Wer aber, ohne den Willen des Herrn zu kennen, etwas tut, was Schläge verdient, der wird wenig Schläge bekommen. Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man umso mehr verlangen.

Der Autor

Christian Olding ist Pastor in der Pfarrei St. Maria Magdalena in Geldern.

Ausgelegt!

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