Die Petrus-Statue aus dem Petersdom in Rom.
Wie der Apostelfürst Herr über Sonne und Regen wurde

Warum ist Petrus fürs Wetter zuständig?

"Petrus hat es gut mit uns gemeint", sagt man, wenn das Wetter gefällt. In diesem Sommer meint er es für manchen Geschmack wohl etwas zu gut. Aber warum soll Petrus eigentlich für das Wetter zuständig sein?

Von Thomas Jansen |  Bonn - 11.08.2018

Fürs Wetter ist im Christentum der Apostel Petrus zuständig. Das gilt insbesondere für den deutschsprachigen Raum. "Petrus hat es gut mit uns gemeint", sagt man, wenn das Wetter gefällt. Der Apostel wird als Himmelspförtner verehrt, der die himmlischen Schleusen öffnet und schließt und so für Regen oder Sonnenschein sorgt. Doch warum ist eigentlich gerade Petrus der Wettermacher schlechthin geworden? Abgesehen davon, dass der Apostel von Beruf Fischer war, gibt es in den Evangelien eigentlich nichts, was auf eine besondere Beziehung des Petrus zum Wetter hinweist.

Wer der Sache nachgeht, stößt auf den Hinweis, dass Petrus diesen Job vom germanischen Wettergott Donar, auch Thor genannt, geerbt habe. Näher erklärt wird das in der Regel nicht, so als sei es das Selbstverständlichste von der Welt, wenn ein Apostel in die Fußstapfen eines Gottes tritt, der auf einem Streitwagen durch den Himmel braust und wild mit dem Hammer um sich schlägt.

Wetter ist Chefsache

Den Motiven, die dazu führten, dass die Gläubigen ausgerechnet Petrus zum Wettermacher schlechthin kürten, ist der Religionswissenschaftler Theodor Lohmann 1960 nachgegangen.

Zunächst nennt Lohmann ein formales Motiv: Das Wetter ist in der Götterwelt stets Chefsache. In den einzelnen Religionen sind die obersten Götter immer Wettergötter oder sind zumindest auch für das Wetter zuständig, von Donar über den Blitze schleudernden Zeus bis hin zu Jahwe, der sich in einer Gewitterwolke verbirgt oder zum indischen Indra.

Ein Thermometer wird in die Sonne gehalten.

In diesem Sommer hat es Petrus besonders gut gemeint.

Weil Petrus innerhalb der Jünger Jesu und der Heiligen seit der Spätantike als oberster Apostel und Repräsentant der Kirche verehrt wurde, lag es nahe, so Lohmann, das Wettermachen ihm zu übertragen.

Als inhaltliche Parallele zwischen Donar und Petrus sieht der Religionswissenschaftler das Fels-Motiv. Wettergötter wie Donar wurden oft auf Bergen oder im Gebirge thronend gedacht. Der Grund dafür ist wahrscheinlich, dass Regen und Gewitter von oben aus dem Himmel herabkommen. Der Mythos berichtet, dass Donar mit seinem Hammer Berge und Felsen spaltete. Hieraus ergibt sich für Lohmann ein Anknüpfungspunkt zum berühmten Jesus-Wort an Petrus aus dem Matthäus-Evangelium (16,18): "Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen." Der Felsenmann Petrus beerbt den Gott, der auf den Felsen wohnt.

Moses in der Gestalt Petri

Eine indirekte Verbindung des Petrus zum Wetter ist laut Lohmann das sogenannte Felsen- oder Wasserwunder. Als die Israeliten während des Auszugs aus Ägypten murrten, weil sie in der Wüste kein Wasser mehr hatten, schlug Moses mit seinem Stab an den Horebfelsen, aus dem daraufhin Wasser hervorströmte. Dieses Motiv findet sich in der altchristlichen Kunst, vor allem auf Sarkophagreliefs in Rom und Gallien. Hierbei wird Moses häufig in der Gestalt des Petrus dargestellt oder durch Namensbeischrift als Petrus bezeichnet. Hintergrund dafür könnte sein, dass der Unglauben des Moses am Horebfelsen, der zunächst selbst nicht recht an ein Wunder Gottes glauben wollte, in Parallele zum zweifelnden Petrus gesetzt wird. Die Tränen der Reue, die der Felsenmann Petrus nach seiner dreifachen Verleugnung Jesu vergießt, wären in dieser Lesart im übertragenen Sinne das Wasser, das aus dem Horebfelsen strömt.

Eine weitere Verbindung zwischen Petrus und Donar sind die Schlüssel, die seit dem 6. Jahrhundert ständiges Attribut des Apostels sind, aber auch in der germanischen Mythologie eine bedeutende Rolle spielen.

Ein Mosaik, auf dem Jesus dem knieenden Petrus zwei Schlüssel übergibt.

Symbolische Darstellung, wie Jesus dem Simon Petrus die Schlüssel zum Himmelreich überreicht.

Ursprung des Schlüssels-Motivs ist das berühmte Jesus-Wort im Matthäus-Evangelium (16,19): "Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein." Dieses Wort wurde so gedeutet, dass Petrus durch den Besitz des Schlüssels Hausherr und Pförtner ist, der den Menschen den Himmel öffnet und verschließt.

Auch bei den Germanen spielte das Schlüsselmotiv eine gewisse Rolle. Der Schlüssel war Symbol für Donner und Blitz. Die germanische Wettergöttin Frigg hat in Darstellungen fast immer einen Schlüsselbund am Gürtel hängen. Donar selbst war ebenfalls ein Himmelspförtner, wenn auch mit Hammer statt mit Schlüsseln ausgestattet.

Der Hahn gehört zu Donar

Hinzu kommt das Hahn-Motiv, das mit einer der bekanntesten Geschichten über Petrus verbunden ist. Jesus sagte Petrus nach übereinstimmender Darstellung aller vier Evangelien vor seinem Abschied in der Nacht seines Todes voraus, dass der Apostel ihn verleugnen werde, noch bevor der Hahn gekräht habe. In der germanischen Religion spielte der Hahn wegen seiner roten Farben, wie Storch, Rotkelchen oder roter Fuchs eine Rolle als Gewittertier, das zu Donar gehört.

Soweit die Erklärungen des Religionswissenschaftlers. Einen zwingenden Beweis dafür, dass diese Motive tatsächlich ausschlaggebend dafür waren, dass Petrus fürs Wetter zuständig wurde, kann Lohmann nicht vorlegen. Das dürfte ebenso wenig möglich sein, wie eine 100-Prozent-zuverlässige Wettervorhersage.

Von Thomas Jansen