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Diakonin, Priesterin, Bischöfin: Wünschenswerte Berufe!

Nach kirchlicher Vorstellung findet der Mensch in der Arbeit seine Bestimmung. Das kann Pastoralreferent Peter Otten sehr gut nachvollziehen. Kurz vor dem 1. Mai kommen ihm daher einige wünschenswerte Berufe in den Sinn, die es bislang noch nicht gibt.

Von Peter Otten |  Bonn - 30.04.2019

Eines der schönsten Bücher, das ich besitze, heißt "Verschwundene Arbeit – Das Buch der untergangenen Berufe" von Rudi Palla. Wer immer wissen will, worin die Tätigkeit des Ameislers (er sammelte die Puppen der Ameisen und verkaufte sie als Futter für Stubenvögel) oder des Lustfeuerwerkers (er sorgte für wirbelnde Feuerräder bei Taufen und Hochzeiten) bestand, wird hier fündig. Das Buch ist eine brillante Kulturgeschichte der Arbeit. "Die rapide Veränderung der Arbeitswelt hat Hunderte von ausgestorbenen Berufen hinterlassen" schreibt Palla. "Wieviel hochspezialisiertes Wissen damit verlorengegangen ist, lässt sich kaum ermessen."

Morgen, am 1. Mai feiern wir den Tag der Arbeit. Die Arbeit ist deswegen so wertvoll für den Menschen, schreibt Papst Johannes Paul II. in seinem Lehrschreiben "Laborem Exercens", "weil er durch die Arbeit (…) auch sich selbst als Mensch verwirklicht, ja gewissermaßen 'mehr Mensch wird'" (LE 9). Menschen finden in der Arbeit ihre göttliche Berufung und Bestimmung. Da ist es gut, auch an Menschen zu denken, die arbeiten wollen, aber nicht arbeiten dürfen. Frauen zum Beispiel, die Diakonin oder Priesterin werden möchten. Wer Frauen kennt, denen von Männern verwehrt wird, zu tun, was in ihnen steckt, der weiß, welche Verletzungen dies verursacht. Wieviel hochspezialisiertes Wissen damit hingegen erst gar nicht generiert wird, lässt sich kaum ermessen. Ist das richtig? Ist das gerecht? Ist das gut? Eben.

Zeit also für ein neues Buch: "Neue Arbeit – Das Buch der wünschenswerten Berufe". Diakonin, Priesterin und Bischöfin wären drei tolle erste Kapitel. Vom 11. bis zum 18. Mai streiken in Münster und anderswo katholische Frauen genau dafür. Stichwort: "Maria 2.0". Ich finde: Eigentlich müssten ja die Männer für etwas streiken, das gottgefällig und längst überfällig ist - nicht die Frauen. Vor allem die, die die Macht haben, das Selbstverständliche immer noch zu verhindern. Also: Männer, lasst das Mauern sein! Kommt herunter, reiht euch ein!

Von Peter Otten

Der Autor

Peter Otten ist Pastoralreferent in der Pfarrgemeinde St. Agnes in Köln. Seit einigen Jahren bloggt er unter www.theosalon.de.

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