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Standpunkt

Historische Erklärung zu wichtigen Themen des Weltgeschehens

Zur Solidarität und Wahrung der Menschenrechte riefen Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb am Montag in einer gemeinsamen Erklärung auf. Laut Pater Max Cappabianca hat der Papst damit Weltgeschichte geschrieben.

Von Pater Max Cappabianca |  Bonn - 05.02.2019

Gestern ist in Abu Dhabi eine historische Erklärung von Papst Franziskus und Ahmed al-Tayyeb, dem Großimam der al-Azhar-Universität in Kairo unterzeichnet worden. Man mag über Resolutionen und Erklärungen denken, wie man will: Aber diese kann in ihrer Bedeutung wohl kaum unterschätzt werden. Das "Dokument über die Geschwisterlichkeit unter den Menschen für den Weltfrieden und das Zusammenleben" ist nicht nur ein Meilenstein für den interreligiösen Dialog zwischen sunnitischen Muslimen und der katholischen Kirche, sondern stellt darüber hinaus auch ein starkes Signal für die internationale Politik dar.

Der Großimam der al-Azhar-Universität gilt als die höchste Autorität der Sunniten, der größten islamischen Konfession. Nicht immer waren die Beziehungen zu al-Azhar so harmonisch. Unter Papst Benedikt XVI. brach der Gesprächsfaden sogar ganz ab. Es bedurfte jahrelanger geduldiger Arbeit, um das Vertrauen wiederherzustellen.

Es ist ermutigend, wie kraftvoll die beiden Religionsführer in dem Dokument jetzt ein humaneres und friedliches Zusammenleben fordern, wie eindeutig sie für die Rechte von Frauen und Kindern eintreten sowie für eine werteorientierte Politik, die nicht nur ökonomischen Interessen folgt, und wie klar sie allen Formen des Terrorismus und der Intoleranz gleich welcher Art eine Absage erteilen. In der beeindruckenden Präambel wird deutlich, dass dies Fragen sind, die die religiösen Grundlagen von Christen und Muslimen berühren und die zugleich alle Menschen angehen.

Während Papst Franziskus Weltgeschichte schreibt, wirken manche binnenkirchlichen Konflikte geradezu kleinlich. Ich bin stolz drauf, dass unser Papst sich an den wirklich wichtigen Themen des Weltgeschehens abarbeitet und  wie – schon Papst Johannes Paul II. – gemeinsam mit anderen religiösen Führern deutlich seine Stimme auf der internationalen Bühne erhebt.

Von Pater Max Cappabianca

Der Autor

Der Dominikaner Max Cappabianca ist Leiter der Katholischen Studierendengemeinde Hl. Edith Stein in Berlin.

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