Schachfigur
Standpunkt

Während wir Katholiken streiten, werden wir immer weniger

In der Kirche wird derzeit über vieles gestritten: Pflichtzölibat, Frauendiakonat und Homosexualität sind hierbei nur einige der Themen. Für Björn Odendahl ist klar, dass der Streit der Kirche nicht gut tut – und sieht den Papst in der Pflicht.

Von Björn Odendahl |  Bonn - 10.05.2019

Wir streiten über den Zölibat und den Diakonat der Frau. Wir streiten über die Kommunion für Wiederverheiratete und für Protestanten. Wir streiten über die Segnung homosexueller Paare und die Weihe homosexueller Priester. Wir streiten über die richtigen Konsequenzen aus der Missbrauchskrise. Und während wir Katholiken uns streiten, werden wir weniger. Jahr für Jahr.

Gerne wird dann die mutmachende Parole bemüht, dass es auf die Zahl nicht ankommt oder dass sich die Kirche dadurch nur "gesundschrumpft". Aber ist das wirklich so? Treten sowieso nur die Karteileichen aus? Die, die mit der Kirche sowieso nichts am Hut haben und einfach die Kirchensteuer sparen wollen? Nein, natürlich nicht. Immer häufiger kann man sie lesen: emotionale Postings von Menschen mit klassischer "Ministranten-Vita", die an Christus glauben, die Kirche mitgestaltet und lange mit sich gerungen haben. Und die dann sagen: Nein, es geht nicht mehr; zu viel Vertuschung, zu viel Verurteilung, zu viel Vertrauensverlust.

Es sind Alarmsignale, die auch die Aktivistinnen von "Maria 2.0" erkannt haben. Für die Erneuerung der Kirche legen sie für eine Woche ihre Dienste nieder. Weil genug gestritten und genug geredet wurde – seit Monaten und Jahren und Jahrzehnten. Wollen wir auch diese Frauen verlieren, die das Herz und die Seele unserer Pfarreien und Gemeinden sind?

Papst Franziskus hat die Chance, mit dem Diakonat der Frau nun einen ersten Schritt zu tun. Doch auch er scheint Angst vor dieser großen kirchengeschichtlichen Entscheidung haben. Dabei ist es so einfach: Wenn die Ergebnisse seiner Kommission nicht eindeutig sind, wenn nicht klar ist, ob Diakoninnen exakt wie Männer ordiniert wurden, wenn die Quellenlage so dünn ist, dann kann das Argument der Tradition nicht herangezogen werden - weder um das Diakonat zu begründen, noch um es abzulehnen. Dann muss sich der Papst fragen: Glauben wir im Hier und Jetzt an einen Gott, der dieses Amt nur für Männer vorsieht? Und wenn ja, warum? Sollte er darauf keine Antwort finden, muss das Lehramt eine endgültige Entscheidung treffen. Und zwar für die Frauen.

Von Björn Odendahl

Der Autor

Björn Odendahl ist Chef vom Dienst bei katholisch.de.

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