Kardinal Robert Sarah
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Kardinal sieht extremistischen Islam als große Gefahr

Sarah warnt Europa vor Identitätsverlust

Kardinal Robert Sarah nimmt selten ein Blatt vor den Mund. Nun hat er Europa vorgeworfen, sich nicht verteidigen zu können - und den Einfluss des Westens auf seine afrikanische Heimat kritisiert.

München - 25.04.2017

Kardinal Robert Sarah hat Europa davor gewarnt, die eigene Identität zu verlieren. "Wenn eine Gesellschaft ihre eigenen Werte verdammt, dann ist sie dem Untergang geweiht", sagte der Präfekt der vatikanischen Gottesdienstkongregation am Dienstag im Interview mit dem katholischen Hilfswerk "Kirche in Not". Sarah bezeichnete den extremistischen Islam als große Gefahr für das europäische Christentum, das nicht den Willen zur Verteidigung der eigenen Religion besitze.

Der aus dem westafrikanischen Guinea stammende Kardinal kritisierte die politische Situation Afrikas und forderte die "Wirtschaftsmächte der Welt" auf, die von ihnen verschuldeten "Qualen" Afrikas zu beenden. Sein Heimatkontinent sei ein "Auffangbecken für Verhütungsmittel und Waffen". Kommunismus und Gender-Theorie seien Beispiele für den "verderblichen Einfluss westlicher Ideologien", so Sarah.

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Das Konzil habe niemals verlangt, zum Volk hin zu zelebrieren, sagt Kurienkardinal Robert Sarah. Gleichzeitig kritisiert er, dass heute viele Liturgien den Charakter von Theatervorstellungen hätten. (Artikel vom Mai 2016)

Der Kurienkardinal erinnerte außerdem die Kirche daran, die Evangelisierung nicht zu vergessen. "Die Kirche täuscht sich schwer, wenn sie denkt, ihre Hauptaufgabe in der aktuellen Krise sei es, Lösungen für alle politischen Probleme zu finden", so Sarah. Auch sieht der Kardinal die Gefahr einer "Zerstückelung" der Kirche. Das sei dann der Fall, wenn "man auf den nationalen Identitäten beharrt und daraus die Fähigkeit ableitet, selbständige Entscheidungen zu treffen, besonders in so wichtigen Bereichen wie der Glaubens- und Sittenlehre".

Seit 2014 ist Kardinal Robert Sarah als Kardinalpräfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung der Liturgieminister des Vatikan. Regelmäßig meldet er sich mit "konservativen" Forderungen wie etwa der priesterlichen Zelebration "ad orientem" zu Wort. (rom)