Theologiestudium - und was dann?
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Zehn interdisziplinäre Masterprogramme (auch) für Theologen

Theologiestudium - und was dann?

Wer Theologie studiert, wird Priester oder Lehrer – doch die Zeiten sind längst vorbei. Mittlerweile gibt es zahlreiche interdisziplinäre Studienangebote. Katholisch.de stellt zehn Masterprogramme vor.

Von Roland Müller |  Bonn - 17.08.2019

"Du studierst Theologie? Dann wirst Du sicher Priester!" Solche Fragen kennen Nachwuchs-Theologen nur zu gut. In einer säkularen Gesellschaft sind sie mit ihrem Studienfach Exoten, denen Reaktionen von strikter Ablehnung bis zu unbefangenem Interesse begegnen. Dabei bietet das Theologie-Studium durch seine breite Ausrichtung viele Möglichkeiten, auch in einem nicht-kirchlichen Bereich zu arbeiten. Damit der Einstieg bei einem weltlichen Arbeitgeber gelingt, gibt es zahlreiche Masterprogramme, die fächerübergreifend weiterqualifizieren. Meist sind die theologischen Fakultäten selbst an diesen Studienangeboten beteiligt. Die Ausrichtung ist breitgefächert und reicht von historischen Angeboten, über kulturelle Schwerpunkte bis hin zu ökonomischen Themen.

Theologie und Kultur (Universität Osnabrück)

Theologie und Kulturwissenschaften möchte dieser Master der Universität Osnabrück zusammenführen. "Christliche Theologie beschäftigt sich mit einer religiösen Lebensdeutung, die das 'Abendland' und große Teile der Welt geprägt hat und prägt", heißt es in den Informationen zum Studiengang auf der Internetseite der Universität. Wegen dieser weitreichenden Bedeutung sei es sinnvoll, die Frage nach Gott und die Beschäftigung mit Kultur zusammenzubringen. Der forschungsorientierte Studiengang ermöglicht es, eigene Schwerpunkte in den Themenfeldern Religion, Gesellschaft, Kultur, Geschichte, Sprache und Kunst zu setzen.

Umweltethik (Universität Augsburg)

Nicht erst seit der Enzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus ist der Schutz der Schöpfung für die Kirche von großer Bedeutung. Zu einem Fachmann auf dem Gebiet der Umweltethik kann man sich an der Universität Augsburg ausbilden lassen. Unter Federführung der Professur für Christliche Sozialethik bieten in diesem Masterprogramm auch Philosophen, Juristen, Politologen, Geographen und Ökonomen Vorlesungen und Seminare an. Das Studium qualifiziert zur Arbeit in Umweltverbänden, im ökologischen Bildungsbereich oder bei Unternehmen, denen umweltverträgliches Handeln wichtig ist.

Blick in die Umweltenzyklika von Papst Franziskus
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Die Umweltenzyklika des Papstes trägt den Titel "Laudato si".

Theologie und Wirtschaft (Universität Erfurt)

In der Kirche sollte vorausschauendes Wirtschaften ebenso selbstverständlich sein, wie verantwortungsvolles Handeln für Unternehmen. Daher kombiniert der Master "Theologie und Wirtschaft" der Universität Erfurt ethische und ökonomische Aspekte. Die Absolventen sollen dazu befähigt werden, inhaltliche und leitende Aufgaben bei kirchlichen, sozialen und Non-Profit-Organisationen zu übernehmen. Dazu eignen sie sich während des Studiums sowohl theologisches wie auch ökonomisches Wissen an. Die Zugangsvoraussetzungen sind jedoch hoch: Es werden für beide Gebiete Vorkenntnisse im Umfang eines Bachelors im Nebenfach erwartet.

Interreligiöse Dialogkompetenz (Erzbistum Köln)

Für Theologen, die bereits im Beruf stehen, könnte dieses Studienangebot interessant sein: Das Erzbistum Köln bildet sie und andere Geisteswissenschaftler zu Experten im Bereich des interreligiösen Dialogs weiter. Besonders angesprochen sind Mitarbeiter aus Institutionen der Sozialen Arbeit, der Bildung und der Seelsorge, aber auch Interessierte aus den Bereichen der öffentlichen Verwaltung, des Gesundheitswesens und der Wirtschaft. Bei dem Master handelt es sich um ein Kooperationsprojekt des Erzbistums mit der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen und der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Augustin.

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Papst Franziskus ist der interreligiöse Dialog sehr wichtig. Hier ist er bei einem interreligiösen Treffen in der kenianischen Hauptstadt Nairobi am 26. November 2015 zu sehen.

Antike Kulturen des östlichen Mittelmeerraums (Universität Münster)

Wer sich für das Altertum begeistert, ist bei diesem Masterprogramm richtig. An der Universität Münster arbeiten 22 Institute zusammen, um ihren Studenten "die Sprachen und Texte, die Geschichte und Politik, die Kulturen und Religionen, die materiellen und ideellen Hinterlassenschaften des östlichen Mittelmeerraums" sowie aktuelle Fragestellungen dieser Region näherzubringen, heißt es auf der Internetseite des Studiengangs. Eine Besonderheit ist, dass auch die katholische, evangelische, orthodoxe und islamische Theologie am Master beteiligt sind. Außerdem kommen Sprachbegeisterte auf ihre Kosten: Neben Aramäisch, Hebräisch und Syrisch kann mehr als ein Dutzend weiterer antiker Sprachen erlernt werden.

Liturgical Music (Universität Luzern)

Normalerweise werden Theologie und Kirchenmusik getrennt studiert, doch dieser interdisziplinäre Master der Universität Luzern führt beide Fächer zusammen. Da die Anforderungen an die Bewerber sehr umfangreich sind, müssen sie vor Beginn des Studiums Kenntnisse in beiden Fächern nachweisen: Wer einen Abschluss in Theologie besitzt, wird durch den Studienleiter auf seine musikalische Qualifikation überprüft und Musikwissenschaftler auf ihre theologischen Kenntnisse. Im Studienverlauf können nach den eigenen Interessen Schwerpunkte gesetzt werden. Besonders die theoretischen und praktischen Angebote im Fach Gregorianik haben einen hohen Stellenwert.

Ein Graduale mit gregorianischer Notatur liegt aufgeschlagen auf dem Tisch.

Die Gregorianik hatt an der Univeristät Luzern eine große Bedeutung.

Theologie und Globale Entwicklung (RWTH Aachen)

Mit den sozialen und gesellschaftlichen Herausforderungen der Welt beschäftigt sich der Master "Theologie und Globale Entwicklung" an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Im Studiengang wird großer Wert auf eine enge Verbindung von Theorie und Praxis gelegt. Daher zählen neben den Professoren des Instituts für katholische Theologie auch zahlreiche Mitarbeiter von Misereor und missio zu den Dozenten. Beide Organisationen sind in der Entwicklungshilfe engagiert und haben ihren Sitz in Aachen. In einem verpflichtenden Praktikumssemester sammeln die Studenten erste Berufserfahrungen.

Geschichte, Theorie und Praxis der Jüdisch-Christlichen Beziehungen (Freie Universität Berlin)

Dieser Masterstudiengang an der Freien Universität Berlin stellt die Beziehungen zwischen Juden und Christen in den Mittelpunkt. Die Studenten beschäftigen sich sowohl mit dem christlichen Antisemitismus als auch mit den Schnittmengen beider Religionen. Dabei werden zudem gemeinsame theologische Themen behandelt, wie der Messianismus und die Ethik. Benannt ist der vom Seminar für katholische Theologie koordinierte Master nach dem Judaisten und Historiker Ernst Ludwig Ehrlich, der sich um den jüdisch-christlichen Dialog verdient gemacht hat.

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Papst Johannes Paul II. (1978-2005) besuchte als erster Papst eine Synagoge, am 13. April 1986 in Rom.

Caritaswissenschaft und werteorientiertes Management (Universität Passau)

Eine soziale Vertiefung des Theologiestudiums bietet der Master "Caritaswissenschaft und werteorientiertes Management". Deshalb ist etwa das Thema "Christliches Menschenbild" genauso ein Studieninhalt, wie die "therapeutische Dimension von Theologie". Gleichzeitig hilft das Studienprogramm dabei, Führungs- und Leitungskompetenzen zu entwickeln. Es möchte die Absolventen auf "qualifizierte Tätigkeiten in Non-Profit-Organisationen sowie in Wirtschaftsunternehmen oder in der Verwaltung" vorbereiten, heißt es auf der Internetseite der Universität Passau.

Public Ethics (Universität Bamberg)

Der Kooperationsstudiengang der Fächer Politikwissenschaft, Theologie und Philosophie soll die Fokussierung auf Einzeldisziplinen aufbrechen. Die Studenten erwerben im Verlauf des Masterprogramms ethische, politische, sozialphilosophische und ökonomische Kompetenzen. So werden sie befähigt, "fundierte Urteile über ethische Orientierungsfragen in der Öffentlichkeit zu fällen", beschreibt die Internetseite des Masters das Ziel des Studiums. Als mögliche Berufsfelder werden Tätigkeiten in NGO's oder Parteien sowie in der Unternehmensberatung und im Journalismus angegeben.

Von Roland Müller

Dieser Artikel erschien erstmals am 26.02.2018.