Firmung verpasst – was nun?
Zahlreiche Möglichkeiten zum Empfang des Sakraments

Firmung verpasst – was nun?

Die meisten Katholiken werden als Jugendliche in ihrer Pfarrei gefirmt. Doch Gläubige, die diese Möglichkeit verpasst haben, dürfen sich freuen: das ganze Leben lang kann das Firmsakrament empfangen werden. Etwa in der Schule, der Hochschulgemeinde oder als Erwachsener nach einem Glaubenskurs.

Von Roland Müller |  Bonn - 21.03.2019

"Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist." – Mit diesen Worten wird ein Gläubiger gesalbt, wenn er das Sakrament der Firmung empfängt. In vielen deutschen Pfarreien ist es üblich, dass Firmlinge meist die achte oder neunte Klasse besuchen, wenn sie die Vorbereitung auf die Firmung beginnen. Oft werden die Jugendlichen jahrgangsweise von ihrer Kirchengemeinde angeschrieben und zum Firmkurs eingeladen.

Doch längst nicht alle katholischen Jugendlichen folgen diesem Aufruf: 2017 empfingen knapp 140.000 junge Menschen das Firmsakrament – nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz etwa drei Viertel der Kinder, die im entsprechenden Jahrgang einige Jahre zuvor zur Erstkommunion gegangen sind. Für alle jugendlichen und erwachsenen Katholiken, die die Firmung in ihrer Heimatgemeinde verpasst haben, gibt es vielfältige Angebote, sich doch noch firmen zu lassen – etwa in der Schule.

Schüler wollten in Schule gefirmt werden

Johannes Gröger ist Lehrer und Schulseelsorger am Berufskolleg St. Michael in Ahlen. Als der Diakon vor etwas mehr als 15 Jahren im Religionsunterricht die sieben Sakramente thematisierte, offenbarten ihm mehrere Schüler, dass sie die Firmung nicht empfangen hatten. "Kurz darauf fragten sie mich, ob sie nicht in der Schule gefirmt werden können", erinnert sich Gröger und muss grinsen. Denn er war überrascht über diese ungewöhnliche Bitte und konnte seinen Schülern zunächst keine Antwort geben.

Bislang hatte Gröger noch nie etwas über das Thema Firmung in der Schule gehört. Nach mehreren Gesprächen mit Lehrerkollegen und Priestern wandte er sich schließlich an die Verantwortlichen im Bistum Münster. "Dort ermutigten sie mich, es einfach zu versuchen." Seit 2004 organisiert Gröger nun etwa alle zwei Jahre einen Firmkurs für interessierte Schüler des kirchlichen Berufskollegs, an dem er bis heute arbeitet.

Diakon Johannes Gröger (r.) assistiert dem Münsteraner Weihbischof Stefan Zekorn (l.) im Februar 2017 bei der Firmung von Schülern des Berufskollegs St. Michael in Ahlen.

Die Firmvorbereitung in einer Schule hat nach Grögers Erfahrung viele Vorteile: "Die Schule ist ein wichtiger Identifikationsort für die Schüler und die meisten kennen sich schon – selbst über unterschiedliche Jahrgangsstufen und Bildungsgänge hinweg." Zudem begleitet er die Gefirmten auch in den Jahren nach dem Empfang des Sakraments weiter, denn viele bleiben weiterhin auf der Schule. All das ist bei der Firmung in einer Kirchengemeinde anders, sagt Gröger. "Viele Jugendliche fühlen sich in den großflächigen Pfarreien nicht heimisch", ist er überzeugt. Deshalb würden sie nach einem klassischen Firmkurs oft nicht mehr im Leben der Gemeinde auftauchen.

Firmung in der Schule: Keine Konkurrenz zur Pfarrei

Gröger ist jedoch wichtig, dass sein Angebot nicht als Konkurrenz zur Firmung in der Pfarrei verstanden wird. Denn gerade in den ersten Jahren der Firmvorbereitung im Berufskolleg hatte es Widerstand aus der örtlichen Kirchengemeinde gegeben. Doch der Schulseelsorger betont, dass seine Schüler in der Regel über dem üblichen Firmalter in einer Pfarrei liegen. "Einige sind über 20 Jahre alt oder haben sogar Kinder", berichtet Gröger.

Eine besonders schöne Erfahrung ist für ihn immer die hohe Motivation der in der Regel etwa zehn Firmlinge. "Die Teilnehmer bleiben freiwillig nach Unterrichtsende in der Schule und lassen sich meist sehr gut auf die Katechese ein", erzählt Gröger begeistert. Im Religionsunterricht ist das oft anders – nicht nur für die Schüler: "Dort habe ich als Lehrer nicht so viele Freiheiten und muss mich auf 45 Minuten beschränken", so Gröger.

Bild: © DPSG Freiburg

So sieht Firmkatechese bei den Pfadfindern im Erzbistum Freiburg aus: Während einer mehrtägigen Bergwanderung bereiten sich Jugendliche auf die Firmung vor.

Doch nicht nur die Schule, sondern auch kirchliche Jugendverbände halten die Möglichkeit bereit, die in der Kirchengemeinde verpasste Firmung nachzuholen. So bieten etwa die Pfadfinder im Erzbistum Freiburg die Spendung des Sakraments für Mitglieder an, "die sich in ihrer Gemeinde nicht zu Hause fühlen und sich dort gar nicht zur Firmung angemeldet hätten". Auch andere Vereine und Jugendgruppen haben eigene Vorbereitungskurse auf die Firmung.

Viele Möglichkeiten zum Empfang der Firmung

Über das Jugendalter hinaus ist der Empfang des Sakraments zudem in weiteren pastoralen Situationen möglich. Wenn sich etwa während des Studiums Glaubensfragen stellen und der Wunsch nach der Firmung aufkommt, ist die lokale Hochschulgemeinde ein guter Ort, um sich firmen zu lassen. Für Bundeswehr-Angehörige gilt das gleiche in Bezug auf die Militärseelsorge: Dort finden Soldaten Geistliche, die ein offenes Ohr für ihre Sorgen haben und sie, wenn gewünscht, auf die Firmung vorbereiten. Das Sakrament wird sogar bei den mehrere Monate dauernden Auslandseinsätzen, etwa in Afghanistan oder im Kosovo, gespendet.

Auch für Gläubige im Erwachsenenalter, die "ganz normal" im Berufsleben stehen und – aus welchen Gründen auch immer – nicht gefirmt wurden, ist es nie zu spät für den Empfang des Sakraments. Pater Jan Korditschke leitet die Katholische Glaubensinformation in Berlin und kennt die Motivation, warum erwachsene Gläubige die Firmung empfangen wollen: "Einige haben ganz pragmatische Gründe und wollen Taufpate werden oder kirchlich heiraten", erläutert der Jesuit, der seit 2017 Firmkurse in der Hauptstadt anbietet. Zwar sei die Firmung keine zwingend notwendige Voraussetzung für die Eheschließung, "doch nicht wenige Pfarrer raten den Brautleuten dazu".

Pater Jan Korditschke bietet Kurse für Erwachsene zur Vorbereitung auf die Firmung an. Der Jesuit leitet seit 2017 die Katholische Glaubensinformation im Erzbistum Berlin.

"Andere Gläubige fühlen, dass ihnen ohne Firmung etwas in ihrer religiösen Biografie fehlt", berichtet Korditschke von einem anderen Grund. "Oft ist das Sakrament für diese Personengruppe ein Ritual der Wiederannäherung an die Kirche." Bei einigen kommt es jedoch auch vor, dass sie sich angesichts der Firmung der eigenen Kinder wieder mehr für den Glauben interessieren und sich deshalb in seinen Firmkursen mit dem Sakrament auseinandersetzen, berichtet der Jesuit.

In vielen Berliner Pfarreien hat sich "Vereinsmentalität" entwickelt

Zwei Mal im Jahr, in der Advents- und in der Osterzeit, bietet er die Vorbereitung auf die Firmung an, die jährlich an Pfingsten durch Erzbischof Heiner Koch in Berlin gespendet wird. In sieben Treffen, die den Charakter eines Gesprächskreises haben, wie Korditschke betont, werden die Grundthemen des christlichen Glaubens behandelt. "Die Firminteressenten sollen dort ihr Leben in Verbindung mit Gott bringen", beschreibt er den Sinn des Kurses. Die Stärkung im gegenseitigen Austausch ist dabei besonders wichtig, glaubt der Jesuit, denn in Berlin werden Christen mehr als in anderen deutschen Großstädten von ihren Freunden und Bekannten kritisch angefragt: "Es gibt viele Vorbehalte gegen die Kirche – besonders jetzt, wegen des Missbrauchsskandals und der Rolle der Frau in der Kirche, die als rückständig empfunden wird."

Deshalb hat sich in vielen Berliner Pfarreien einen starke "Vereinsmentalität" entwickelt, die eine "Wohlfühl-Atmosphäre" innerhalb der Gemeinschaft schaffen soll, bemerkt Korditschke kritisch. "Das macht es besonders für Außenstehende schwierig, in diesen geschlossenen Kreis hineinzukommen." Es wundert ihn nicht, dass die Firmung daher für viele eine bewusste Entscheidung für den christlichen Glauben und die katholische Kirche ist – "eine echte Festigung des Glaubens", sagt Korditschke. Und damit genau das, was die Firmung von ihrem Namen und ihrem Sinn her sein soll.

Von Roland Müller