Papst äußert sich zu Amtsvorgänger und ruft zum Gebet für Europa auf

Franziskus über Benedikt XVI.: Er spricht wenig und langsam, aber...

Aktualisiert am 03.06.2019  –  Lesedauer: 

Sibiu/Rom ‐ Wie gewohnt stand Papst Franziskus auch nach seiner Rumänienreise im Flugzeug den Journalisten Rede und Antwort: Diesmal gab er Details über sein Verhältnis zu seinem Amtsvorgänger preis – und sprach über die angespannte Lage in Europa.

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Papst Franziskus hat sich erneut über sein Verhältnis zu seinem emeritierten Amtsvorgänger Benedikt XVI. geäußert. "Jedes Mal, wenn ich zu ihm gehe, lasse ich ihn sprechen", sagte Franziskus am Sonntagabend bei seinem Rückflug vom rumänischen Sibiu nach Rom. "Er spricht wenig, er spricht langsam, aber mit der gleichen Tiefe wie immer", beschrieb der Papst seinen emeritierten Vorgänger. Dieser habe "eine große Klarheit und wenn ich ihn sprechen höre, werde ich stark".

Das Kirchenoberhaupt antwortete auf die Frage, wie sein Verhältnis zu Benedikt sei, den Franziskus wiederholt als einen Großvater bezeichnet hat, der mit ihm in einem Haus wohnt. Das empfinde er immer noch so, jedes Mal, wenn er seinen Vorgänger besuche. "Ich spüre die Tradition der Kirche, und diese Tradition ist keine Sache fürs Museum", betonte Franziskus. Sie sei Kraft aus den Wurzeln, die einen wachsen lasse.

Am Samstag hatte der Papst bei seiner Rumänienreise in Iasi vor Familien unter anderem über den Zusammenhalt der Generationen gesprochen. Dabei hob er die Bedeutung von Großeltern hervor, die jungen Menschen Wurzeln geben. In gewisser Weise sei das auch bei ihm und dem emeritierten Papst so.

"Betet für Europa!"

Sehr besorgt zeigte sich Franziskus angesichts jüngster Entwicklungen in Europa. Bei seinem Rückflug von Rumänien am Sonntagabend forderte er mitreisende Journalisten auf: "Betet für Europa!" Franziskus äußerte den Appell am Ende seiner "Fliegenden Pressekonferenz". Zuvor war er nach seiner Einschätzung zunehmend nationalistischer Tendenzen in Europa gefragt worden. Man möge an die Lage 1914 oder die 1930er Jahre denken, so der Papst. "Lasst uns nicht dahin zurückkehren; lernen wir aus der Geschichte", warnte er.

Auf die Frage eines deutschen Journalisten, was er zur Stärkung Europas gegen nationalistische Tendenzen empfehle, verwies Franziskus unter anderem auf seine Ansprache bei der Karlspreisverleihung 2016. "Lesen Sie auch, was der Bürgermeister von Aachen damals sagte, das ist ein Kleinod, das von Ihnen Deutschen stammt", so der Papst.

Bild: ©AP Photo / Luca Bruno

Matteo Salvini hält in Mailand einen Rosenkranz in die Höhe.

Bürgermeister Marcel Philipp hatte damals unter anderem gemahnt, die Herausforderungen durch die Globalisierung, ob durch Finanzwirtschaft oder Migration, seien so groß, dass Europa diese nur gemeinsam schaffe oder gar nicht. "Familien schaffen es nur gemeinsam, Städte schaffen es nur gemeinsam, Europa schafft es nur gemeinsam oder gar nicht", so Philipp damals. Der Papst selber sagte 2016, er träume von einem "neuen europäischen Humanismus", der sich durch die Fähigkeit zu Integration, Dialog und Kreativität auszeichne. Nachdrücklich verteidigte er Kulturoffenheit und Mut zur Veränderung: "Die europäische Identität ist und war immer eine dynamische und multikulturelle Identität", so der Papst.

Am Sonntagabend wiederholte er, Europa müsse sich der Gedanken seiner Gründerväter vergewissern und sie neu beleben. Mit allem, was eine gute Politik biete, müsse daran gearbeitet werden, Trennungen und Grenzen zu überwinden. Natürlich habe jedes Land seine Kultur, die es schützen müsse. Dies solle aber in Einheit geschehen. Im Übrigen müsse jeder seinen Teil dazu beitragen, dass die europäische Einheit wachsen könne. Man dürfe nicht darauf setzen, dass Brüssel alles regelt. "Die wechselnde EU-Ratspräsidentschaft ist kein bloßer Akt der Höflichkeit, einmal bist du dran, einmal du - wie bei einem Menuett", mahnte der Papst. Jedes Land habe seine Pflicht, damit es Europa gut geht, sonst werde der Kontinent "verwelken".

"Von Salvini gab es keine Audienz-Anfrage"

Zu einer möglichen Begegnung mit Italiens Innenminister Matteo Salvini äußerte sich der Papst zurückhaltend. "Ich habe nicht gehört, dass es mit Ausnahme des Ministerpräsidenten die Anfrage nach einer Audienz gegeben habe", antwortete der Papst auf die Frage, ob es stimme, dass er den stellvertretenden Ministerpräsidenten nicht treffen wolle.

Gemäß dem üblichen Protokoll habe es eine Anfrage von Ministerpräsident Giuseppe Conte gegeben. Mit diesem habe es ein rund einstündiges sehr gutes Gespräch gegeben, so der Papst. Er habe Conte als intelligenten, gelehrten Mann erlebt, "der weiß, was er sagt". Vom Vizepremier - Salvini - oder anderen Ministern habe er keine Anfrage erhalten. Wohl habe er auch Staatspräsident Sergio Mattarella getroffen.

Auf die Frage, was er davon halte, wenn Politiker wie Salvini in Wahlkampfreden den Rosenkranz hochhalten oder ihre Sache der Gottesmutter Maria weihen, entgegnete der Papst, er verfolge so etwas in den Medien nicht. In der Hinsicht sei er unwissend; es wäre daher unklug, sich zu den Wahlkampfmethoden einer einzelnen Partei zu äußern. "Ich bete für alle, dafür, dass Italien Fortschritte macht und die Italiener zur Einigkeit finden", so Franziskus. (tmg/KNA)